25.11.2010, 10:47 Uhr | FTD, Sabine Meinert
Im Meeting für die Karriere punkten. (Foto: Imago)
Langweilig, zeitraubend, überflüssig - das sind die meistgebrauchten Beschreibungen für Job-Meetings. Doch woran liegt's? - An uns, sagt eine Expertin. Denn mit den richtigen Tricks und Kniffen kann der kleinste Team-Termin zum Karrierebooster werden.
Wer bei der morgendlichen Konferenz oder im Projektgespräch nur seine Zeit absitzt, verschenkt wertvolle Punkte im Spiel um die spannendsten Arbeitsaufgaben und die besten Karrierechancen. Denn jedes Meeting kann die nächste Stufe sein auf dem Weg nach oben, sagt Führungskräftetrainerin und Coach Marion Knaths aus Hamburg. "Quer durch alle Branchen und Hierarchieebenen gilt, wer im Meeting einfach nur anwesend ist, manövriert sich aus dem Blickfeld - egal, worum es in der Diskussion geht. Und das hat Konsequenzen an vielen Stellen."
Die Trainerin ist überzeugt: Wichtig ist vor allem zu erkennen, ob es sich beim nächsten Meeting um eine hierarchische oder non-hierarchische Veranstaltung handelt. Sprich: Lädt der Chef zum Meeting ein oder ist es eine Sitzungsrunde mit gleichgestellten Kollegen? "Die Antwort auf diese Frage gibt Hinweise, welche Erwartungen es möglicherweise an mich gibt. Daraus kann ich meine Ziele ableiten. Will ich inhaltliche Themen platzieren oder Kontakte im Kollegenkreis herstellen? Das wäre in einem non-hierarchischen Treffen gut. Oder will ich - in einem hierarchischen Meeting - lieber beim Chef punkten?"
Einfach mal hingehen und schauen, was herauskommt, ist also nicht die klügste Variante. Es gilt, die Spielregeln zu kennen, sie sich zu eigen zu machen und letztendlich positiv aufzufallen. Erste Regel: Wenn jemand zu einer Sitzung oder einem Projekttreffen zusagt, dann wird üblicherweise auch erwartet, dass er etwas beiträgt. Und da zähle jede Wortmeldung, so Knaths. Entscheidend sei dabei weniger, ob man etwas Neues präsentiere, sondern mehr die Frage: Schaffe ich es, andere von meinen Inhalten zu überzeugen?
"Die meisten haben etwas Wichtiges zu sagen, sprechen aber in die Runde. Das hilft kein Stück weiter. In die Runde sprechen ist, als mache man ein Geräusch. Die Hälfte der Meeting-Teilnehmer wird nicht mal hinhören. Nur wenn die Nummer 1, also der Chef zuhört, hören auch alle anderen zu. Deshalb immer den Chef direkt ansprechen", rät die Coaching-Fachfrau. Wer in seiner Argumentation zudem den Chef gedanklich mitnimmt, ist schon einen Schritt weiter. Ein bisschen Bauchpinselei schade dabei nicht. "Auch Chefs sind nur Menschen, die brauchen auch mal Streicheleinheiten."
Letztendlich sei die Kommunikation in Meetings nichts anderes als die Manifestation von Rangordnungen, sagt Marion Knaths. Deshalb passiere es oft, dass in solchen Veranstaltungen alles drei oder vier Mal wiederholt werde. Wen das bisher genervt hat, der hat die Wirkung von Wiederholungen nicht erkannt. Denn im Gedächtnis bleibe oft nicht der Urheber einer Idee, sondern derjenige, der das Thema noch einmal aufgegriffen und um ein winziges bisschen ergänzt hat. Denn: Er hat sich im Kollegenkreis vor den Augen des Chefs deutlich besser als die anderen positioniert und damit beim Vorgesetzten gepunktet. Wer in so einer Diskussion gar nicht mitmischt, manövriert sich auf den letzten Platz der Rangfolge.
Der Hackordnung dienen auch Sitzungen, in denen nahezu ausschließlich der Chef spricht. Er ist das Alphatier und muss das auch immer mal klar machen. Die Trainerin warnt jedoch davor, in solchen Situationen abzuschalten und bis zum Meetingende den gesamten Freundeskreis mit einer SMS zu beglücken. Auch, sich mit "doodling" abzulenken, kommt nicht gut an - so kreativ die Kritzeleien auf dem Konferenz-Handout auch sein mögen. Stattdessen rät Knaths zu "aktivem Sitzen". Das bedeutet: Selbst wenn man mit den Gedanken ganz woanders weilt, sollte man sich die aufrechte Haltung bewahren und einen guten - sprich: interessierten - Eindruck machen. "Versuchen Sie, die wichtigen Aspekte des Vortrages mitzubekommen, nicken Sie ab und zu, um Ihre Verbundenheit und Ihr Einverständnis auszudrücken."
Ist der Vortragende dagegen ein Kollege, der allzu sehr langweilt, darf man den Monologisierenden durchaus auch unterbrechen. Allerdings sollte man sich vorher vergewissern, ob der Chef genauso genervt ist. Wer dann mit einem positiven Vorschlag dazwischen grätscht, Ergänzungen und neue Aspekte bringt und so den übergroßen Redeschwall unterbricht, dem wird seine Unhöflichkeit verziehen werden, erläutert die Expertin. Denn Chefs honorierten es, wenn ein stagnierendes Meeting wieder an Schwung gewinne, solange der Unterbrecher einen inhaltlichen Beitrag liefere.
Marion Knaths rät, auch die Meetings im Kollegenkreis ohne direkten Vorgesetzten ernst zu nehmen. Hier könne man die Eigenheiten der Kollegen herausfinden, Allianzen schmieden oder aber Grenzen setzen. Zum Beispiel, indem man sich freundlich, aber bestimmt dagegen wehrt, die ungeliebten Aufgaben anderer Teammitglieder zugeschoben zu bekommen. Ist die Position im Kollegenkreis klar, wird das Thema im nächsten Meeting mit dem Chef wohl nicht mehr auf die Tagesordnung kommen, zeigt die Erfahrung.
"Für alle Meetings gilt: Oft werden Beziehungsthemen auf der Sachebene ausgetragen. Präsentiert zum Beispiel ein Kollege in einem hierarchischen Meeting eine Idee, dann kann er vor dem Chef punkten. Will ich ebenfalls punkten, habe aber keine gleichwertige Idee, kann ich zunächst den Kollegen loben, seine Idee aufgreifen und leicht verändern. Indem ich ihn lobe, setze ich mich in der Rangordnung über ihn, weil mir das eigentlich nicht zusteht. In diesem Moment würde ich punkten. Will der Kollege das nicht so stehen lassen, muss er an meine Worte anknüpfen und noch einmal Aspekte erläutern." Das sei übrigens auch eine gute Strategie, wenn Kollegen sich mit fremden Federn schmücken und geklaute Ideen präsentieren. "Einfach loben, dass der Kollege sie bei der Umsetzung des Vorschlags unterstützen will und das Thema tiefer beleuchten. So machen Sie deutlich: Ich bin der Urheber dieser Geschichte."
Oft beginnt das Gerangel um die beste Position jedoch schon vor dem Meeting. Wer kommt mit welchem Verbündeten, wer ignoriert wen, wer dienert sich mit einem Kaffee beim Chef an? Selbst die Begrüßung gibt Aufschluss: Schaut ein Kollege beim "Guten Tag" sein Gegenüber nicht an, ist das ein Ausdruck von Desinteresse und Missachtung. Er stellt sich damit über den anderen. Klopft ein Team-Mitglied einem anderen auf die Schulter, ist das ein Übergriff, der zeigen soll: "Ich stehe über Dir." Da hilft nur, die Kollegen freundlich, aber deutlich zu einer angemessenen Reaktion zu zwingen, zum Beispiel: die Hand festhalten und den Kollegen in ein Begrüßungsgespräch verwickeln, Berührungen mit Berührungen erwidern. Oder aber: Die unangemessenen Aktionen im Meeting retournieren - indem man auf die Diskussionsbeiträge der jeweiligen Person noch einen drauf setzt und sich in Position bringt.
Marion Knaths sieht im Joballtag eine Fülle ähnlicher Beispiele von Kommunikationsregeln - vor allem auch nonverbale - die es zu entschlüsseln gilt. Damit selbst in langwierigen Meetings die gute Laune aber nicht grundsätzlich verlorengeht, rät sie, die Zeit zu nutzen. Zum Beispiel, indem man das Lieblingswort des Chefs mitzählt. Wer vorher mit den Kollegen gewettet hat, wie oft es fällt, nimmt aus der Sitzung vielleicht sogar den Jackpot mit nach Hause.
Mehr zum Thema erfahren Sie unter www.sheboss.de und auf der 17. Langen Nacht der Weiterbildung der Universität Hamburg am 27. November. Informationen unter: www.wiso.uni-hamburg.de/weiterbildung
Quelle: Financial Times Deutschland
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