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Mega-Projekt für Solarstrom aus der Wüste

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Mega-Projekt für Solarstrom aus der Wüste

17.06.2009, 11:31 Uhr | bab

Solarstrom aus der Wüste soll Europa versorgen (Foto: Solar Millennium AG) Solarstrom aus der Wüste soll Europa versorgen (Foto: Solar Millennium AG)Ungeachtet der weltweiten Wirtschaftskrise plant ein Konsortium deutscher Großunternehmen eins der größten privaten Ökostrom-Projekte aller Zeiten. Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) zufolge wollen 20 Konzerne riesige solarthermische Kraftwerke in der afrikanischen Wüste bauen und Europa mit Strom versorgen. Mehr als 400 Milliarden Euro soll das Projekt kosten, der erste Strom in zehn Jahren geliefert werden.

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Mit "Desertec" an die Weltspitze

Wie die "SZ" berichtet, wollen sich die Firmen, darunter die Münchener Rück, Siemens, die Deutsche Bank und RWE, bereits Mitte Juli zu einem Konsortium für das Vorhaben zusammenschließen und sich weltweit an die Spitze der grünen Technologie stellen. Das Milliardenprojekt mit dem Namen "Desertec" solle vor allem beweisen, dass sich Strom auf diese Weise auch wirtschaftlich produzieren lässt. An der Spitze der Gruppe steht der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück. "Wir wollen eine Initiative gründen, um in den nächsten zwei bis drei Jahren konkrete Umsetzungspläne auf den Tisch zu legen", sagte Vorstand Torsten Jeworrek der Zeitung.



Club of Rome mit am Tisch

Noch hält der Konzern die Teilnehmerliste unter Verschluss. Angehören wollen der Gruppe der Kraftwerksbauer laut "SZ" neben den DAX-Schwergewichten auch Bundesministerien und der Club of Rome sollen bei der Gründung mit am Tisch sitzen. Dieser Zusammenschluss führender Wissenschaftler, Politiker und Manager verfolgt die Idee afrikanischen Solarstroms schon seit Jahren. Bislang aber ließ sich kein Großprojekt in Afrika realisieren. Mittelfristig sollen auch europäische und nordafrikanische Partner für das ehrgeizige Ziel gewonnen werden.

Forschung läuft auf Hochtouren

Die Forschung in diesem Bereich läuft auch Hochtouren. Mit Hilfe von Satelliten ermittelt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) die besten Solarstandorte auf der Erde. Die Bilder kommen aus 36.000 Kilometern Höhe, null Grad Breite, null Grad Länge. Dort steht seit über 20 Jahren einer der fixen Wettersatelliten der Europäischen Organisation für die Nutzung Meteorologischer Satelliten (Eumetsat) und hält im Halbstundentakt den immer gleichen Ausschnitt fest. Europa, Afrika und den Nahen Osten – und natürlich die Wolken darüber. Ein weiterer Satellit schießt seit acht Jahren am 63. Grad östlicher Länge, ebenfalls über dem Äquator, seine Fotos.



Strom aus der Wüste

Vor allem den Wüsten südlich des Mittelmeers wird als Ergebnis dieser Forschung ein hohes Potenzial zugerechnet und genau dort soll das Milliardenprojekt angesiedelt werden. Denkbar seien Solarkraftwerke an mehreren Standorten in Nordafrika, erklärte Jeworrek. Wichtigstes Kriterium: Die Anlagen müssen in politisch stabilen Ländern stehen. "Technisch ist das Projekt realisierbar", sagte Jeworrek. In der kalifornischen Mojave-Wüste und in Spanien gebe es bereits erste solarthermische Anlagen. Die Kraftwerke bündeln über Spiegel Sonnenlicht, erhitzen Spezialöl und wandeln dessen Wärme in Wasserdampf für den Antrieb von Turbinen um. Damit unterscheiden sie sich von Photovoltaik-Anlagen, die Strom direkt produziere.

Projekt soll sich selbst tragen

Ein weiteres Ergebnis der Forscher des DLR: Mit dem Strom aus der Wüste ließen sich bis zu 15 Prozent des europäischen Bedarfs decken. Ähnlich hoch gesteckt ist das Ziel des Konsortiums, das mit "Desertec" eben jene 15 Prozent erreichen will. Das Projekt soll sich laut Münchener Rück Vorstand Jeworrek zufolge langfristig selbst tragen. "Es braucht natürlich am Anfang eine gewisse Investitionssicherheit, zum Beispiel eine Abnahmegarantie zu einem bestimmten Preis", sagte Jeworrek. Der Strom dürfe aber nicht dauerhaft subventioniert werden. Wettbewerbsfähig soll Desertec in zehn bis 15 Jahren sein.



Neue Hochspannungstrasse notwendig

In den Projektkosten von 400 Milliarden Euro enthalten sein dürfte auch die Kalkulation für neue Hochspannungstrassen, die den Strom über die drei- bis viertausend Kilometer lange Strecke nach Europa zu transportieren. Solche Höchstspannungs-Gleichstromleitungen sind bereits eine etablierte Technologie mit derzeit 600 Kilovolt Spannung. Die nächste Generation soll 800 Kilovolt und noch geringere Verluste und Kosten als heute haben. Als mittlere Importkosten setzten die Forscher des DLR in der Vergangenheit 0,05 Euro je Kilowattstunde an, die Leitungsverluste wurden für die gesamte Strecke nur auf etwa acht bis zehn Prozent geschätzt.

Mehr Themen:
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Quelle: t-online.de , dpa , AFP

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