Merck-Mitarbeiter inspizieren eine Verpackungsmaschine (Foto: dpa)Der Pharma- und Chemiekonzern Merck KGaA blickt nach einem schwierigen Jahr 2009 zurückhaltend in die Zukunft. "Wir haben 2009 unsere Hausaufgaben gemacht und gehen gestärkt aus der Krise hervor. Aber auch 2010 wird kein leichtes Jahr werden", sagte Vorstandschef Karl-Ludwig Kley auf der Hauptversammlung in Frankfurt. Für das abgelaufene Jahr will Merck die Dividende um ein Drittel auf einen Euro senken. Langfristig will der Konzern aber an seiner Dividendenpolitik festhalten und 30 bis 40 Prozent des Gewinns nach Steuern ausschütten.
2009 habe einer Achterbahnfahrt geglichen, sagte Kley. Besonders schmerze die fehlende Zulassung für das Krebsmittel Erbitux zur Behandlung von Lungenkrebs. Erbitux, bereits zugelassen gegen Kopf- und Halskrebs sowie Darmkrebs, ist das zweitwichtigste Produkt nach dem Multiple-Sklerose-Mittel Rebif. Die Ablehnung des Zulassungsantrags in den USA für die Multiple-Sklerose-Tablette (MS) Cladribin bedeute eine Verzögerung. Merck werde den Antrag so schnell wie möglich wieder vorlegen. Dass in der Pharmaforschung Erfolge und Risiken dicht beieinander liegen, wurde bei Merck erst vor wenigen Wochen wieder deutlich: Wegen der Erkrankung eines Patienten an einer Gehirnentzündung musste Merck Studien zum Krebsimpfstoff Stimuvax zeitweise aussetzen.
Steigerungen bei Umsatz und operativem Ergebnis geplant
Seine Gesamtjahresprognose bestätigte Merck: 2010 soll der Umsatz um drei bis sieben Prozent und das operative Ergebnis um 20 bis 30 Prozent steigen. Im vergangenen Jahr hatte Merck wegen Abschreibungen und Rückstellungen im Pharmageschäft einen Einbruch beim operativen Ergebnis verbucht. Für die größte Sparte Merck Serono peilt Merck 2010 einen Umsatzzuwachs von zwei bis fünf Prozent an, das operative Ergebnis soll um 30 bis 40 Prozent steigen. In der zum Chemiegeschäft gehörenden Liquid-Crystals-Sparte (LC) erwartet der Konzern ein Umsatzplus von fünf bis zehn Prozent. Operativ soll die Sparte um 15 bis 25 Prozent zulegen.
Merck hofft auf grünes Licht vom Kartellamt
Zuversichtlich zeigte sich Kley für den Abschluss der jüngsten Milliardenübernahme in den USA: "Wir sind optimistisch, dass die Kartellbehörden dem Zusammenschluss mit Millipore die Freigabe erteilen." Merck hoffe, im zweiten Halbjahr alles in trockenen Tüchern zu haben. Der Pharma- und Chemiekonzern hatte Anfang März nur wenige Jahre nach der Übernahme des Schweizer Biotech-Konzerns Serono den zweiten Zukauf in Milliardenhöhe angekündigt.
Merck kritisiert Pläne zur Arzneimittelreform
Kritik übte der Merck-Chef an den Reformplänen der Bundesregierung. Auf dem Arzneimittelmarkt würden seit Jahrzehnten ständig neue Regelungen eingeführt, sagte Kley. Inzwischen nähmen mehr als 20 verschiedene Instrumente auf Preis, Menge und Struktur von Arzneimitteln Einfluss. Wo wettbewerbliche Verhandlungslösungen und Kosten-Nutzen-Bewertungen nötig wären, drohten nun eine dirigistische Erhöhung des Zwangsrabattes, Preismoratorien und Preisverhandlungen mit einem Kassenmonopol.