Merck kauft Millipore (Foto: ddp)Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern hat nur wenige Jahre nach der Übernahme des Schweizer Biotech-Konzerns Serono den zweiten Zukauf in Milliardenhöhe angekündigt. Merck will die Biotechnologiefirma Millipore mit Sitz in Billerica im US-Bundesstaat Massachusetts übernehmen. Der Kaufpreis soll sich einschließlich Schulden auf rund 7,2 Milliarden US-Dollar (5,3 Milliarden Euro) belaufen. Die Gremien von Millipore und Merck hätten dem Geschäft bereits zugestimmt. Je Millipore-Aktie bietet Merck 107 US-Dollar in bar. Die Millipore-Aktionäre sollen in einer außerordentlichen Hauptversammlung über das Geschäft entscheiden. Auch die Zustimmung der Kartellbehörden steht noch aus, Merck rechnet aber fest damit. Beide Seiten erwarten den Abschluss der Transaktion für die zweite Jahreshälfte.
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Erstaunlicher Kurssprung bei Millipore
Die Merck-Aktie gab im frühen Handel in einem festen Gesamtmarkt zwischenzeitlich um 1,6 Prozent auf 56,86 Euro nach. Die Millipore-Aktie zog dagegen im Frankfurter Handel um 15 Prozent auf 80 Euro an. Der Deal dürfte einigen Anlegern schon länger bekannt gewesen sein: Die Millipore-Aktie notierte Anfang Februar noch bei rund 67 Dollar. Am Freitag war sie bei rund 94 Dollar aus dem Handel gegangen.
Drohende Übernahme-Schlacht
Börsianern zufolge wäre der Zukauf zwar sinnvoll, der Preis sei aber nicht als billig einzustufen. Ein anderer Börsianer verwies darauf, dass auch der Laborzulieferer Thermo Fisher Scientific an Millipore interessiert sein könnte und somit auch die Gefahr eines Übernahmekampfes bestehe - dies könnte den ohnehin hohen Preis noch weiter nach oben treiben. Angesichts der bisher angepeilten Prämie von nur 13 Prozent auf den Millipore-Aktienkurs könnte dieses Risiko die Merck-Titel belasten.
Millipore gut etabliert
"Merck und Millipore passen hervorragend zusammen, und gemeinsam werden wir in der Lage sein, die gesamte Wertschöpfungskette für Pharma- und Biopharma-Kunden abzudecken", sagte Merck-Chef Karl-Ludwig Kley zu der geplanten Verbindung beider Unternehmen. Millipore hat sich den Angaben zufolge auf die Forschung und Produktion im Segment Biotechnologie spezialisiert. Die Kunden des Unternehmens stammten vor allem aus der Pharma- und Biopharma-Industrie sowie Forschungseinrichtungen.
1,7 Milliarden Umsatz
Im Jahr 2009 erzielte Millipore mit rund 6000 Mitarbeitern in 30 Ländern einen Umsatz von 1,7 Milliarden US-Dollar. Durch den Zukauf will Merck die eigenen Erlöse in diesem Segment auf 2,9 Milliarden Dollar (2,1 Milliarden Euro) steigern. Damit soll auch der Chemie-Anteil im Konzern von 25 auf 35 Prozent wachsen und auf einen Pro-forma-Umsatz von 8,9 Milliarden Euro kommen.
Merck will die Kosten senken
Die Merck-Führung verspricht sich auch deutliche Kostensenkungen. So soll der Chemiehauptsitz des Konzerns in den USA mit dem Unternehmenssitz von Millipore in Billerica verschmolzen werden. Das Top-Management von Millipore braucht sich um seine Jobs keine Sorgen zu machen: Merck will mit der Führungsriege weiterarbeiten und "auf der starken Personalbasis des Unternehmens" aufbauen. Die jährlichen Kosten sollen durch den Zusammenschluss dennoch um 75 Millionen Euro sinken.
Finanzierung teils über Anleihen
Finanzieren will Merck den Zukauf aus vorhandenen Barmitteln und einem Bankdarlehen. Dazu hat das Unternehmen die Institute Bank of America, BNP Paribas und Commerzbank ins Boot geholt. Ein Teil der Finanzierung soll später durch Anleihen ersetzt werden. Dabei strebt Merck weiterhin ein solides Investment-Grade-Rating an.
Merck will Ergebnis stärken
"Diese Übernahme ist für uns ein wichtiger Schritt bei der Weiterentwicklung von Merck", sagte Merck-Chef Kley weiter. Millipore trage ab Tag eins der Übernahme positiv zum Ergebnis von Merck bei. "Der Preis ist fair für alle Beteiligten. Das Angebot bewertet Millipore mit dem 15,1-fachen des für 2010 erwarteten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA)." Durch die Übernahme gelinge es Merck, mit dem Chemiegeschäft eine substanzielle Größe in den USA zu erreichen.
Stagnation bei Merck
2009 wies Merck mit 366,3 Millionen Euro unter dem Strich einen im Vergleich zum Vorjahr stagnierenden Gewinn nach Fremdanteilen aus. Wegen Abschreibungen und Rückstellungen im Pharmageschäft verbuchte Merck beim operativen Ergebnis einen Einbruch von 43 Prozent auf 649 Millionen Euro. Der Umsatz stieg um 2,1 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro. Das Wachstum wurde vor allem von der größten Sparte Merck Serono getragen. Die Sparte erwirtschaftete 2009 rund 60 Prozent der Gesamterlöse und 55 Prozent des operativen Ergebnisses der Gruppe. Merck hatte 2007 Serono für mehrere Milliarden Euro übernommen, nachdem der Kauf des Berliner Pharmakonzerns Schering gescheitert war.