
07.06.2010, 19:05 Uhr | Financial Times Deutschland
Vor fast genau einem Jahr meldete die Karstadt-Mutter Arcandor Insolvenz an. Seither buhlen Bieter um die Tochter des Handelskonzerns. Der Rivale Metro hat wieder gute Chancen, die Warenhauskette zu übernehmen. (Lesen Sie hier: Spektakuläre Insolvenzen der vergangenen Jahrzehnte)
Der Handelskonzern wird nach FTD-Informationen aus Unternehmens- und Gläubigerkreisen seinen Plan einer Auffanglösung für etwa die Hälfte der Karstadt-Häuser im Gläubigerausschuss einreichen. Das Vorhaben sei mit Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg abgestimmt, hieß es. Damit reagiert Görg darauf, dass der von ihm seit Monaten vorangetriebene Komplettverkauf von Karstadt platzen könnte. Zwar gibt es vier Interessenten für den insolventen Konzern: den deutsch-skandinavischen Finanzinvestor Triton, den Milliardär Nicolas Berggruen, das Karstadt-Vermieterkonsortium Highstreet um die US-Bank Goldman Sachs sowie den russischen Unternehmer Artur Pachomow. Pachomow hat jedoch bislang keine verbindliche Offerte vorgelegt. Die Gebote der drei Rivalen lehnte der Gläubigerausschuss vor gut einer Woche wegen unannehmbarer Bedingungen ab und forderte sie auf nachzubessern.
Falls deren Verbesserungen nicht ausreichen, müsste Karstadts Gläubigerausschuss wohl am Montag die Liquidation von Karstadt besiegeln. Eckhard Cordes' Vorstoß ist für den Insolvenzverwalter deshalb ein willkommener Plan B. Kaufhof will 45 bis 60 größere der 120 Karstadt-Filialen übernehmen und unter Kaufhof-Regie weiterbetreiben. Zudem würde Metro auch die 27 Karstadt-Sport-Häuser erwerben. Von den 25.000 Mitarbeitern sollten nach Metros Plan zumindest 18.000 ihre Arbeitsplätze behalten. Noch ist es aber nicht so weit: Insbesondere dem Vermieterkonsortium Highstreet werden in Finanzkreisen relativ gute Chancen eingeräumt, bis zu Sitzungsbeginn am Montag doch noch eine akzeptable Offerte auf die Beine zu stellen. Schlecht sieht es dagegen für Triton und Berggruen aus.
Highstreet verhandelte am Sonntag selbst mit Vertretern der Gewerkschaft Verdi und Betriebsräten über weitere Zugeständnisse der Mitarbeiter. Highstreet will die Mitarbeiter an Karstadt beteiligen, eine leistungsorientierte Vergütung sowie bis zu zwei Stunden Mehrarbeit einführen. Ferner will Highstreet für Karstadt FTD-Informationen zufolge einen Betriebsmittelkredit in dreistelliger Millionenhöhe sichern, worüber unter anderem mit der Deutschen Bank und der staatlichen KfW gesprochen wird.
Goldman-Sachs-Deutschlandchef Alexander Dibelius hat als Sprecher von Highstreet auch einen weiteren Mietverzicht von 230 Millionen Euro über fünf Jahre angeboten - zusätzlich zu den bereits gewährten 160 Millionen Euro in den kommenden drei Jahren. Dennoch hat auch Highstreet kein Interesse an einem dauerhaften Betrieb der Warenhäuser, sondern strebt einen geordneten Rückzug an.
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Quelle: Financial Times Deutschland
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