Arcandor schuldet seinen Gläubigern rund 19 Milliarden Euro (Foto: dpa)Beim bislang größten deutschen Insolvenzverfahren können sich die Gläubiger der Karstadt-Muttergesellschaft Arcandor kaum Hoffnung auf eine Rückzahlung ihrer Milliarden-Forderungen machen. Bei angemeldeten Forderungen in Höhe von rund 15 Milliarden Euro allein für die Obergesellschaft Arcandor AG sei nur mit einer Begleichung "im Promillebereich" zu rechnen, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg.
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50.000 Gläubiger im Fall Arcandor
Der komplizierte Fall stelle alle bisherigen Insolvenzverfahren in der Geschichte der Bundesrepublik in den Schatten. Vier Amtsrichter und sechs Rechtspfleger seien mit den insgesamt 37 Verfahren (darunter Karstadt und Quelle) beschäftigt. Insgesamt 50.000 Gläubiger haben Forderungen von über 19 Milliarden Euro angemeldet. Bei einer Forderung von zehn Euro könne ein Gläubiger nur mit einer Rückzahlung zwischen einem und neun Cent rechnen.
Finanzamt größter Gläubiger von Arcandor
Mit Abstand wichtigster Gläubiger der Obergesellschaft Arcandor ist das Finanzamt, auf das etwa die Hälfte der Forderungen entfallen. Von 851 angemeldeten Gläubigern der Obergesellschaft waren am Montag zu der Versammlung in der riesigen Essener Grugahalle nur 64 erschienen. Niemand wollte von seinem Rederecht Gebrauch machen. Ohne Gegenstimme besiegelte die Versammlung die Abwicklung der Arcandor AG.
Bis zu zehn Jahre Verfahrensdauer
Insgesamt wird mit einer Verfahrensdauer von bis zu zehn Jahren gerechnet. Die Holding Arcandor und ihre wichtigsten Töchter hatten am 9. Juni Insolvenz angemeldet.
Gläubigerversammlung am Dienstag
Höhepunkt der Woche dürfte am Dienstag die Karstadt-Gläubigerversammlung werden, bei der es um das weitere Schicksal von 126 Waren- und Sporthäusern sowie von 28.000 Beschäftigten geht. Bei dieser Veranstaltung haben 33.500 Gläubiger Forderungen von 2,6 Milliarden Euro zu Protokoll gegeben. In der Essener Grugahalle wird mit einem deutlich stärkeren Andrang von Gläubigern gerechnet, zu denen auch die Karstadt-Beschäftigten gehören.
Einigung auf Sanierungsbeitrag
Erst am vergangenen Wochenende hatte sich die Karstadt-Beschäftigten mit dem Insolvenzverwalter auf einen Sanierungsbeitrag der Belegschaft in Höhe von 150 Millionen Euro für einen Zeitraum von drei Jahren geeinigt. Die eingesparten Summen bei Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie bei tariflichen Sonderzahlungen sollen zunächst auf ein Treuhandkonto fließen. Die Tarifkommission der Gewerkschaft Ver.di stimmte der Vereinbarung am Montag zu.
Hoffnung für Karstadt-Mitarbeiter
So will die Gewerkschaft so viele Standorte wie möglich erhalten. Und angeblich können sich viele Karstadt-Mitarbeiter auch Hoffnung auf den Erhalt ihrer Arbeitsplätze machen. Nach einem Bericht des "Handelsblatts" kommt die Sanierung des insolventen Warenhausunternehmens besser voran als erwartet. Insolvenzverwalter Görg werde der Gläubigerversammlung im operativen Geschäft schwarze Zahlen präsentieren, hieß es. Vor allem der Oktober sei sehr gut gelaufen.
Weitere Gläubigerversammlungen
Weniger gut ist die Lage bei Quelle. Am Mittwoch steht die Gläubigerversammlung für das Versandhaus an. Im Lauf des Novembers finden in Essen noch 34 weitere Gläubigerversammlungen von Arcandor-Gesellschaften statt, deren Insolvenzverfahren von Görg abgewickelt werden.