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Mischkonzern Evonik treibt Börsengang voran

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Evonik zerlegt sich selbst

05.01.2010, 15:21 Uhr | Financial Times Deutschland

Mischkonzern Evonik treibt Börsengang voran (Foto: imago)Mischkonzern Evonik treibt Börsengang voran (Foto: imago)Der Mischkonzern Evonik bereitet einen milliardenschweren Börsengang seiner Wohnungstochter vor. Nach "Financial Times Deutschland"-Informationen will das Unternehmen mit den drei Geschäftsfeldern Chemie, Kraftwerke und Immobilien auch einen Teil seiner Energiesparte zu Geld machen.

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Strategieschwenk abgesegnet

"Wir nehmen Partner ins Energiegeschäft, behalten es aber als Beteiligungsunternehmen im Konzern", sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person am Mittwoch nach einer Aufsichtsratssitzung. Dort segneten die Kontrolleure den Strategieschwenk ab. Evonik treibt mit diesem radikalen Einschnitt die Konzentration auf das Kerngeschäft Spezialchemie voran. Bereits jetzt trägt es drei Viertel zum Umsatz des Konzerns bei, der 2007 aus dem Bergbauunternehmen RAG und der Chemiefirma Degussa entstand.

Börsengang in etwa zwei Jahren

Die Vorbereitungen für einen Börsengang bei Wohnimmobilien sollen kurz nach der Jahreswende beginnen. In einer ersten Stufe soll die 100-Prozent-Tochter Evonik Immobilien mit dem Wohnungsbetreiber THS fusioniert werden, an dem Evonik und die Gewerkschaft IG BCE zu je 50 Prozent beteiligt sind. "Darüber werden möglichst bald Gespräche geführt", hieß es. Ergebnis wäre der mit 130.000 Wohnungen drittgrößte Vermieter Deutschlands. Ein Börsengang komme etwa in zwei Jahren in Betracht. Gemessen an früheren Verkäufen dürfte der Wert der Wohnungen bei fünf bis sechs Milliarden Euro liegen.


Erster Börsengang wegen der Finanzkrise gescheitert

Evonik braucht die Einnahmen, um seine Eigner zufriedenzustellen. Der mit 25,01 Prozent beteiligte Finanzinvestor CVC will 2013 aussteigen. Der Minderheitseigner übt Druck auf das Management aus, bis dahin eine möglichst hohe Wertsteigerung zu erreichen. Der Mehrheitseigner, die RAG-Stiftung, soll das Evonik-Vermögen nutzen, um die Restkosten des auslaufenden Steinkohlebergbaus zu bezahlen, ohne den Steuerzahler zu belasten. Ziel bleibe letztlich, den Evonik-Konzern reif für den Kapitalmarkt zu machen, so Unternehmenskreise. Ein erster Versuch eines Börsengangs war wegen der Finanzkrise gescheitert.

Expansion geplant

Das Kraftwerksgeschäft soll künftig weitgehend eigenständig sein. Der fünftgrößte Stromerzeuger Deutschlands soll mithilfe von externen Kapitalgebern vor allem sein Geschäft als unabhängiger Betreiber von Kohlekraftwerken im Ausland ankurbeln. Daneben ist eine Expansion bei erneuerbaren Energien wie Geothermie und Biomasse geplant.

Chemie-Branche konzentriert sich auf drei Märkte

Die Kernsparte Chemie wird sich den Plänen zufolge auf drei Märkte konzentrieren - darunter Produkte für mehr Energieeffizienz wie Lithiumionenbatterien und Wirkstoffe für die Ernährungs- und Pharmaindustrie, etwa Tablettenüberzüge. Dritte Sparte sind Chemikalien, die bei der Industrialisierung von Schwellenländern eine Schlüsselrolle spielen, etwa Vorprodukte für die Produktion von Laptop-Bildschirmen. Evonik Chemicals ist eigenen Angaben zufolge mit 11,5 Milliarden Euro Umsatz (2008) zweitgrößter Spezialchemiehersteller nach Akzo Nobel. Sparten, die nicht in dieses Schema passen, sollen entweder umgebaut oder verkauft werden. Dies betrifft nach einer ersten Schätzung Geschäfte mit einem Umsatz von rund einer Milliarde Euro.

Bank sollte Konzernstrategie überprüfen

Bereits vor einem halben Jahr hatte der Konzern die Bank JP Morgan damit beauftragt, die Konzernstrategie zu überprüfen. Der nun beschlossene Umbau ist das Ergebnis. Der neue Evonik-Chef Klaus Engel, der zu Jahresbeginn gestartet war, habe sich einen "unverstellten Blick auf das Portfolio verschaffen" wollen, hieß es damals im Konzern.

Evonik wird Sparziel übertreffen

Die Ziele für Einsparungen im operativen Geschäft werde Evonik in diesem Jahr übertreffen, sagte Finanzchef Wolfgang Colberg kürzlich vor Investoren. Bei einem kurzfristigen Sparziel von 300 Millionen Euro habe der Konzern die Kosten bereits im ersten Halbjahr um mehr als 200 Millionen Euro gekürzt.


Quelle: Financial Times Deutschland

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