Mit dem Hebel auf die Normalisierung bei Kaffee setzen
25.06.2010, 06:38 Uhr | Portfolio Exclusiv
Geröstete Kaffeebohnen (Foto: imago)Auf den höchsten Stand seit März 2008 ist der Preis für Kaffee der Sorte "Arabica" in den vergangenen Tagen geklettert. Aktuell kostet das koffeinhaltige Heißgetränk an der Warenterminbörse rund 1,60 US-Dollar pro amerikanisches Pfund (453,59 Gramm). Dabei kam es in der Vorwoche zu einem plötzlichen Höhenflug. Um rund 20 Prozent schoss der Preis nach oben.
Dabei sah es in den vergangenen Monaten nach einer klaren Angelegenheit aus: Der Preis pendelte in einer engen Range zwischen 1,30 und 1,50 US-Dollar. Doch offensichtlich sorgten Spekulanten für ein Ende der Bewegung. Denn ein Rohstoffhändler soll auf eine physische Lieferung von großen Mengen gedrängt haben. Dem standen Hedge Fonds gegenüber, die schon geraume Zeit auf weiter fallende Preise gesetzt hatten.
Geringe Lagerbestände
Am Markt sind jedoch derzeit verhältnismäßig geringe Mengen an Kaffeebohnen physisch vorhanden. Die Bestände sind in Europa seit September 2009 rund 40 Prozent gesunken. So mussten die Hedge Fonds zu einem ungünstigen Zeitpunkt ihre Short-Positionen eindecken. Und schon war der Höhenflug perfekt, da es sich beim Future-Handel auf Kaffee um einen recht engen Markt mit geringer Liquidität handelt.
Allerdings hat es auch fundamentale Gründe, die für den Preissprung gesorgt haben können. So sind die Kaffee-Exporte Vietnams von Oktober 2009 bis April 2010 rund 20 Prozent gesunken. Gleichzeitig kam es in den Anbaugebieten Mittelamerikas zu Unwettern und zahlreichen Überschwemmungen. Hier befürchten die Analysten daher Ernteausfälle beziehungsweise zumindest deutlich niedrigere Ernteerträge.
Preissprünge bei Kaffee nicht ungewöhnlich
Extreme Sprünge beim Kaffeepreis sind jedoch auch in der Vergangenheit schon öfters aufgetreten. So bewegte sich schon im Jahr 2008 der Preis binnen weniger Tage von einem Niveau bei 1,30 US-Dollar auf über 1,60 US-Dollar. Wenige Tage später hatte sich die Lage wieder beruhigt und der Preis war auf sein ursprüngliches Niveau zurückgekehrt.
Brasilianische Regierung will Exporte niedrig halten
Dem steht gegenüber, dass neueste Daten aus Brasilien auf einen deutlich höheren Ernteertrag schließen lassen. Im größten Erzeugerland der Welt soll die Ernte rund 20 Prozent steigen. Somit stehen mehr Bohnen für den Export zu Verfügung. Doch Brasiliens Machthaber wollen den Preis offensichtlich künstlich hoch halten. So kündigte die Regierung an, Arabica-Kaffee im Wert von knapp 500 Millionen US-Dollar direkt von den Farmern zu erwerben und den Lagerbeständen zuzuführen.
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Rollgewinne und -verluste nicht bedeutend
Sofern diese Menge dann tatsächlich nicht ins Ausland verkauft wird, dürfte es sogar zu einem Export-Rückgang kommen. Da auch Brasilien Exporteinnahmen benötigt, erwartet Portfolio Exclusiv, dass die Regierung ihre Meinung schnell ändern wird, sofern am Markt leicht steigende Priese erkennbar sind. Für die sofortige Lieferung werden aktuell rund 1,66 US-Dollar bezahlt. Für in der Zukunft liegende Fälligkeiten sind die Preise hingegen etwas günstiger. So kostet der Future mit Fälligkeit im Juli 2011 lediglich 1,65 US-Dollar, der Termin Dezember 2011 ist für 1,57 US-Dollar erhältlich. Hohe Rollgewinne beziehungsweise Rollverluste sind daher in den kommenden Monaten nicht zu erwarten.
Über 1,70 Dollar aussteigen
Trotzdem rät Portfolio Exclusiv von langfristigen Engagements ab, da aus fundamentaler Sicht keine großen Preissprünge zu erwarten sind. Vielmehr bietet sich für den risikofreudigen Investor eine kurzfristige Short-Spekulation an, die den jüngsten Kurssprung ausgleicht. Dazu bietet sich ein nicht währungsgesicherter MINI Short (ISIN: DE000GS1NZ15) mit einem Knock Out bei 1,80 US-Dollar von Goldman Sachs an. Er hebelt Verluste mit dem Faktor acht und bezieht sich auf den Future mit Fälligkeit September 2010. Ein Stopp darf bei diesem riskanten Basiswert allerdings nicht fehlen: Sollte der Kaffeepreis deutlich über 1,70 US-Dollar klettern, empfiehlt Portfolio Exclusiv den Ausstieg.