06.06.2008, 13:26 Uhr | dpa / T-Online
Ikea-Mitarbeiterin (Foto: imago) Kranke, ältere und alleinerziehende Mitarbeiter werden unter Druck gesetzt, Betriebsräte massiv behindert: Mitarbeiter und Gewerkschaft erheben schwere Vorwürfe gegen Ikea. Der schwedische Möbelkonzern verlangt von den Mitarbeitern absolute Flexibilität, und körperlichen Einsatz bis zur Erschöpfung. "Krankheit wird kaum akzeptiert. Da sind wir fast schon wieder im Frühkapitalismus angelangt", so Christina Frank von der Gewerkschaft Ver.di gegenüber dem ZDF-Magazin "Frontal 21". Die dünne Personaldecke führe zu körperlichen Zusammenbrüchen von Mitarbeitern, von Teilzeitkräften werde totale Flexibilität bei schlechter Bezahlung erwartet. So sollen Teilzeitkräften einer Ikea-Filiale die Sozialversicherungsausweise abgenommen worden sein, um sie an der Ausübung eines Zweit-Jobs zu hindern.
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Mitarbeiter sollen trotz Krankheit arbeiten
In mehreren Briefen an die Geschäftsführung, die "Frontal 21" vorliegen, äußern Mitarbeiter ihre Empörung: "Wie lange soll dieser Wahnsinn noch andauern? Die Kolleginnen und Kollegen aus allen Bereichen gehen jeden Tag an ihre körperliche und seelische Belastungsgrenze, leisten zahlreiche Überstunden und krank zu arbeiten ist Normalzustand und wird unterschwellig sogar erwartet." Weiter heißt es: "Wir gehen ja jetzt schon auf dem Zahnfleisch. Ausbeutung der Mitarbeiter auf großem Niveau und das bei einer Weltfirma. Jetzt gehen wir auf das Niveau von Schlecker, Lidl und Aldi."
Mitarbeiter heimlich überwacht
Nach den Recherchen von "Frontal 21" wurden Ikea-Mitarbeiter auch ohne Zustimmung des Betriebsrates von Kameras überwacht. Nach Discounter Lidl und weiteren Firmen soll auch der Möbelriese Mitarbeiter heimlich gefilmt und Betriebsräte unter Druck gesetzt haben. Zudem seien illegal Protokolle über den Gesundheitszustand von Beschäftigten angefertigt worden. Eine Vertreterin der Dienstleistungs-Gewerkschaft Ver.di sagte dem Bericht zufolge, Betriebsräte würden bei Ikea "wie Vogelfreie" behandelt. Der Möbelriese wies die Vorwürfe zurück.
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"Der Betriebsrat ist der Gegner"
Wer bei Ikea Betriebsrat geworden sei, könne eigentlich darauf warten, "dass er irgendwann mal zur Aufgabe seines Arbeitsplatzes gezwungen wird", sagte Ver.di-Vertreterin Christina Frank. Eine ehemalige Ikea-Führungskraft sagte dem TV-Magazin: "Man bekommt immer eingebläut: Der Betriebsrat ist der Gegner." Frank sagte zudem, Ikea verlange alles von den Mitarbeitern, "absolute Flexibilität, körperlichen Einsatz bis zur Erschöpfung, Krankheit wird kaum akzeptiert."
Ikea wehrte sich gegen die Vorwürfe
In den Konzernhäusern werde grundsätzlich ein offener, fairer und respektvoller Umgang miteinander gepflegt, erklärte das Unternehmen. Es werde in keinem Fall geduldet, dass Führungskräfte von den Grundsätzen abwichen. Die in dem Fernseh-Beitrag gegen einzelne Führungskräfte erhobene Kritik werde jedoch ernst genommen und jede einzelne Behauptung überprüft. Sollten sie zutreffen, würden auch die nötigen Konsequenzen gezogen. Ikea warf dem ZDF-Magazin allerdings vor, überwiegend schon seit Jahren zurückliegende Vorkommnisse aufzuführen. In diesen Fällen habe der Konzern längst gehandelt und teilweise auch personelle Konsequenzen gezogen.
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Quelle: t-online.de
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