02.02.2009, 09:34 Uhr | FTD, Friederike Meier-Burkert
Eine Firmennachfolge sollte gut vorbereitet werden. (Foto: Imago)
Firmenchefs sollten sich für die Nachfolge alle Optionen offenhalten und die Übergabe langfristig vorbereiten. Wenn die eigenen Kinder das Unternehmen weiterführen, sollten alle Bedingungen geklärt sein.
Harmonische Zusammenarbeit
Bei Rösch bleibt alles in der Familie. Vater und Mutter, Sohn und Schwiegertochter führen gemeinsam das Textilunternehmen Gerhard Rösch im schwäbischen Tübingen. Zu seinen Marken zählen Rösch Creative Culture und Blanche Fleur, unter Lizenz produziert das Unternehmen für Daniel Hechter und Féraud Paris. Arnd-Diether Rösch übernahm die Firma bereits von seinem Vater, dem Gründer Gerhard Rösch, seine Frau Adelheid ist für das Design der Wäschekollektionen verantwortlich. Sohn Arnd-Gerrit hat erste Erfahrungen in einem fremden Unternehmen gesammelt, bevor er Ende 2005 in die väterliche Firma wechselte. Ein Jahr später wurde er Mitgeschäftsführer. Seine Frau Anna Evita ist zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit und übernimmt schrittweise die Aufgaben der Schwiegermutter. Die Zusammenarbeit funktioniere harmonisch, auch "weil wir genug Freiheit bekommen, Neues auszuprobieren", sagt Anna Evita Rösch.
Wahl zwischen 130 Arbeitszeitmodellen
Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. Mitte 2009 wollen Arnd-Diether und Adelheid Rösch sich aus dem Tagesgeschäft zurückziehen. Arnd-Gerrit und Anna Evita Rösch werden "mit frischem Wind auf Bewährtem aufbauen". Ein seltener Fall, aber bei Rösch herrscht ohnehin ein besonderer Stil: So haben die rund 400 Mitarbeiter in Deutschland die Wahl zwischen 130 verschiedenen Arbeitszeitmodellen. Für seine Personalführung hat das Unternehmen schon mehrere Auszeichnungen bekommen. Jetzt ist Rösch im Rennen beim Axia-Award für nachhaltige Unternehmensführung der Beratungsgesellschaft Deloitte.
Unternehmer setzen auf ihren eigenen Nachwuchs
Die Firma an die eigenen Kinder weiterzugeben schaffen nicht einmal die Hälfte der Unternehmer, die davon träumen. Von jährlich mehr als 70.000 Nachfolgen in Deutschland bleiben weniger als 44 Prozent in der Familie, errechnet das Bonner Institut für Mittelstandsforschung. Der Anteil schrumpft weiter. Die Landeskreditbank Baden-Württemberg hat ermittelt, dass von 1997 bis 2002 noch mehr als 74 Prozent der Unternehmensnachfolgen in Baden-Württemberg familienintern gelöst wurden. Für die Jahre 2003 bis 2007 rechnet das Institut nur noch mit 51 Prozent. Trotzdem setzen viele Unternehmer allein auf ihren leiblichen Nachwuchs. "Nur etwa ein Drittel der anstehenden Unternehmensnachfolgen in Deutschland sind wirklich geregelt", schätzt Egbert Kahle von der Leuphana Universität Lüneburg. "Dabei geht es hier um einen echten Überlebensfaktor." So geht die Europäische Kommission davon aus, dass fast zehn Prozent aller Konkursanträge bei kleinen und mittleren Unternehmen auf eine schlecht vorbereitete Erbfolge zurückgehen.
Gefährdung von Arbeitsplätzen
Das gefährdet jedes Jahr mindestens 30.000 Unternehmen und 300.000 Arbeitsplätze. Wie eine falsche oder ungenügende Nachfolgeregelung das Überleben eines Unternehmens gefährdet, hat Hubertus Hatlapa untersucht. Er ist Inhaber der Uetersener Maschinenfabrik und hat seine Dissertation "Erfolgsfaktoren bei der Übernahme nicht börsennotierter Unternehmen" an der Universität Witten/Herdecke geschrieben. Hatlapa warnt: "Unternehmer, die nur die eine Form des Exits vor Augen haben, übersehen dabei häufig, dass das eigene Unternehmen über die Jahre schleichend an Wert verliert."
Grundvoraussetzung ist das richtige Timing
Diesen Fehler hat Walter Schatt nicht gemacht. Der Gründer der bayerischen Schattdecor, einem weltweit führenden Hersteller von Holzdekoren für Möbel und Laminatböden, hat dafür gesorgt, "dass alle Optionen offenbleiben". Schließlich, sagt Schatt, "ist es auch im Falle eines bei uns nicht zur Debatte stehenden Verkaufs besser, wenn man ein funktionierendes Management mitverkaufen kann". Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Nachfolgeplanung ist das richtige Timing. "Man sollte den eigenen Ausstieg spätestens mit 50 konkret planen", empfiehlt Manfred Drax, Partner der Unternehmensberatung Concentro Management. "Mit 60 reicht die Energie des Unternehmers häufig für einen solchen Prozess schon nicht mehr aus." Dabei sei es "weniger wichtig, die Person des Nachfolgers konkret zu bestimmen, als vielmehr ein klares Verfahren und möglichst auch den Stichtag für den eigenen Ausstieg festzulegen", empfiehlt Kahle.
Thema wird verdrängt
Viele Firmeninhaber verdrängen das Thema einfach. "Der größte Fehler vieler Unternehmer ist zu glauben, dass sie ewig leben", beobachtet Schatt, der seinen Ausstieg von langer Hand vorbereitet hat. Seine Wahl fiel dabei "praktisch automatisch" auf seinen langjährigen Weggefährten Reiner Schulz, der zunächst zum Mitgeschäftsführer und nach der Umwandlung in eine AG zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden bestellt wurde. Entscheidend bei der Wahl war auch der Wunsch, "den Lebensweg der eigenen Töchter nicht zu überfrachten".
"Ein wenig Selbstdisziplin gehört aber schon dazu"
Den Einfluss der Familie sichert Schatt seit 2007 als Aufsichtsratsvorsitzender. Dass ihm der Rückzug aus dem Tagesgeschäft so leicht fällt, hat ihn allerdings selbst überrascht. "Ein wenig Selbstdisziplin gehört aber schon dazu", betont er. "Wenn man sich weiterhin in alle Entscheidungen einmischt, nimmt den Nachfolger natürlich niemand ernst." Sein kooperativer Führungsstil hat sich auf lange Sicht auch beim Thema Nachfolgeregelung ausgezahlt. "Wer 20 Jahre lang keine andere Meinung neben sich duldet, wird mit 65 keinen kompetenten Nachfolger im eigenen Haus finden", sagt Schatt.
FTD, Friederike Meier-Burkert
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