14.09.2009, 10:08 Uhr | Financial Times Deutschland, Nina Schwab
Viele Mittelständler scheuen die Medien. (Foto: Imago)
Familienunternehmen scheuen die Medien - dahinter liegt oft Absicht. Daher fehlt vielen die Expertise für kluges Medienmanagement. Das führt oft dazu, dass Mittelständler, einmal ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt - eine schlechte Figur abgeben.
Familienunternehmen gelten als die Guten. Die Bösen, das sind die Konzerne mit ihren Massenentlassungen, Schmiergeldskandalen und grotesk überbezahlten Managern. Gibt es alles nicht bei den als bescheiden geltenden Familienunternehmen. Zumindest weiß es keiner, denn anders als die Konzerne - meist börsennotiert und daher wesentlich transparenter - tauchen diese in den Medien nur selten auf.
Dahinter steckt Absicht, haben Forscher der Zeppelin University Friedrichshafen im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen herausgefunden. Um auf der guten Seite zu bleiben, arbeiten diese Mittelständler lieber im Stillen. "Familienunternehmen haben ein ganz eigenes Verhältnis zur Transparenz", sagt Studienleiter Markus Rhomberg.
Da sie nicht dazu verpflichtet seien, Bilanzen oder gar Interna herauszugeben, falle Verschwiegenheit besonders leicht. Das ist vor allem bequem. "Wie schnell das Bild in der Öffentlichkeit durch Negativmeldungen geprägt wird, ist den Unternehmen durchaus bewusst", sagt Rhomberg. "Die Menschen lesen lieber über einen handfesten Skandal, als dass sie sich mit trockenen rechtlichen Details beschäftigen." Also gelte es, öffentliche Fehltritte zu vermeiden.
Wenn das misslingt, wie kürzlich beim Übernahmeversuch von Continental durch die Schaeffler Gruppe, leidet das Renommee des Familienunternehmens erheblich. Dann passiert, was keiner will: Der eigene Name wird in den Schmutz gezogen. Anders als bei Konzernen ist der Unternehmens- zugleich der Familienname. Daraus ergebe sich eine ganz besondere Vorsicht im Umgang mit den Medien, sagt Rhomberg. Viele verzichteten auf jedwede Berichterstattung.
Die mangelnde Expertise im Umgang mit der Öffentlichkeit rächt sich jedoch in dem Moment, in dem negative Meldungen dann doch publik werden. Dann igelt man sich entweder ein oder wirft mit Dementis um sich. Beides ist wenig klug, sagt Rhomberg: "Eine Krisenkommunikation im Hauruckverfahren bringt wenig. "Vielmehr gelte es, in guten Zeiten ein positives Image aufzubauen, von dem das Unternehmen im Krisenfall zehren könne. Folgerichtig bewerten die Forscher der Zeppelin University das Vorgehen der Familienunternehmen im Bereich Public Relations als unzureichend. Und das betrifft nicht nur Krisenkommunikation, sondern generell das Vermitteln von Interessen. Das liegt laut Studie zum einen daran, dass die Interessen von Familienunternehmern schwer über einen Kamm zu scheren sind. Deshalb würden sie öffentlich als uneinheitliche Gruppe wahrgenommen.
Die Mittelständler haben jedoch den Eindruck, die Medien würden stets verallgemeinern. Doch statt ihr Bild in den Medien zu korrigieren, ziehen sich die Unternehmer zurück. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Familienunternehmer unerkannt bleiben möchten, selbst die Positivbeispiele unter ihnen. Deshalb gebe es auch kaum Unternehmerpersönlichkeiten, die überregional bekannt seien.
Die Folge: Es fehlt es an Verständnis für die oft sehr speziellen Belange dieser Mittelständler, sagt Rhomberg. Hier schließt sich der Kreis: Wer sich abschottet, kann in der Bevölkerung kein Verständnis für seine Belange aufbauen. Rhomberg empfiehlt Familienunternehmern, ihre Forderungen künftig mit Gesichtern zu verbinden - denn Machergeschichten läsen die Menschen gern.
Financial Times Deutschland, Nina Schwab
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