20.04.2011, 10:34 Uhr | FTD, Heimo Fischer, Gregor Haake
Der Motorradhersteller MZ könnte schon bald wieder in die Produktion gehen. (Foto: imago)
Der Motorradhersteller kam nach der Wende nie richtig auf die Beine. Zwei ehemalige Rennfahrer wollen den Mythos reanimieren. Schon bald könnten in Sachsen wieder Motorräder entstehen - doch der Weg zu einem einträglichen Geschäftsmodell ist lang.
Für die Motorenwerke Zschopau (MZ) zeichnet sich eine Wende ab. Wenn alles nach Plan läuft, wird der ehemalige DDR-Kulthersteller in den kommenden Monaten wieder Motorräder fertigen. Die erste Voraussetzung dafür hat die sächsische Landesregierung geschaffen. Sie wird nach eigenen Angaben für einen Kredit des Unternehmens bürgen. MZ benötigt mehrere Millionen Euro, um neue Zweiräder auf den Markt bringen zu können - zum Beispiel Hybrid-Roller.
Wenn es dazu kommt, würde in der kleinen Stadt im Erzgebirge ein Unternehmermärchen Wirklichkeit. Vor zweieinhalb Jahren hatte der ehemalige Motorradrennfahrer Martin Wimmer, zusammen mit seiner Frau und seinem Rennkollegen Ralf Waldmann, die marode MZ-Fabrik vom Investor Hong Leong aus Malaysia übernommen. Der hatte sich mit MZ gründlich verhoben und in zwölf Jahren 70 Millionen Euro verloren. Dann zog er die Reißleine.
In den 90er-Jahren gewann Wimmer drei Grand Prix, er ist immer noch ein Idol - weltweit. Jetzt will er schaffen, woran vor ihm alle gescheitert sind, Manager aus dem Westen und Investoren aus Asien. Zu DDR-Zeiten liefen bei MZ bis zu 100.000 Maschinen vom Band - jährlich.
1991 musste der einstige DDR-Vorzeigebetrieb erstmals Konkurs anmelden. Staatliche Fördergelder retten ihn. 1996 folgte dann der zweite Konkurs. Die Investorengruppe Hong Leong kaufte sich ein. Die Malaysier ließen MZ 2008 fallen.
Wimmer weiß, dass die Finanzen eine Achilles-Verse seines Unternehmens sind. Er hat MZ für fünf Millionen Euro gekauft, nun müssen neue Produkte her. Keine Kultgefährte, sondern massentaugliche Zweiräder - zunächst für Europa, später vielleicht für die großen Wachstumsmärkte in China oder Indien. Dort könnte auch ein kleines Motorrad mit 125 Kubikzentimeter Hubraum gut ankommen. Kleine Antriebe waren schon zu DDR-Zeiten eine Spezialität des sächsischen Unternehmens. Zunächst sollen davon europaweit 8000 Stück pro Jahr verkauft werden.
Noch ist die Bürgschaft nicht in trockenen Tüchern. "Ich habe noch nichts Schriftliches in der Hand", sagte Wimmer der FTD. Er geht davon aus, dass die Landesregierung ihn nicht hängen lässt.
Nach einjähriger Suche fand er eine Bank, die den Kredit für die neuen Motorroller gibt. Doch ohne Bürgschaft wollte das Institut nicht zahlen. Wimmer und seine Geschäftspartner mussten die Landesregierung überzeugen. Das ist nun offenbar gelungen. Viel Zeit hat MZ nicht mehr. Denn Motorräder verkaufen sich nur im Frühjahr. Wenn die Produktion nicht bald anläuft, dann muss das Unternehmen ein ganzes Jahr warten, bevor es die nächste große Chance bekommt.
Quelle: Financial Times Deutschland
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