20.05.2008, 14:35 Uhr | dpa / AFP / T-Online
Unter dem Hammer: Der Münchner Transrapid (Foto: dpa) Vom Milliarden-Projekt zum Ein-Euro-Schnäppchen - nach dem Aus für den Münchner Transrapid wegen zu hoher Kosten wird nun das Ausstellungsstück am Münchner Flughafen für den symbolischen Preis von einem Euro verkauft. Das fast 50 Tonnen schwere rote Fahrzeug bekommt die Firmengruppe Max Bögl aus Neumarkt in der Oberpfalz, wie ein Sprecher der DB Magnetbahn mitteilte. Die Firma will es als "Innovationssymbol" in ihrem Hauptwerk aufstellen.
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Käufer gehört zu den Entwicklern
Der Abbau des sperrigen Relikts aus den Zeiten der Münchner Transrapid-Träume soll am 26. Mai beginnen und am 4. Juni abgeschlossen sein. Die Firma Max Bögl gehört zu dem Industriekonsortium um Siemens, ThyssenKrupp und Bilfinger Berger, das den Transrapid vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen bauen wollte. Sie hat die Fahrwegtechnik entwickelt und auch den ausgemusterten roten Flitzer, der zuvor im Emsland über die dortige Testrecke brauste, am Flughafen aufgestellt.
1,4 Millionen nutzten "Modellschwebebahn"
"Es waren diejenigen, die es aufgebaut haben, und sie bauen es auch wieder ab. Die Firma hat die detaillierten Bau- und Projektpläne dazu", sagte der Magnetbahn-Sprecher. Bis zum Scheitern des Milliardenprojekts am 27. März konnten Flughafenbesucher in dem ausgemusterten "TR 07" Platz nehmen und per Videofilm an einer simulierten Fahrt teilnehmen. Rund 1,4 Millionen Neugierige haben binnen sechs Jahren das Ausstellungsfahrzeug bestiegen. Erstes Zugriffsrecht auf das Modell hatte die Gemeinde Lathen im Emsland, die aber verzichtete.
Technik noch lange nicht tot
Max Bögl wünscht sich das ausrangierte Werbe-Modell als Zeichen für "Innovationskraft in Sachen Fahrwegtechnik" für Kunden wie auch Mitarbeiter, wie Sprecher Jürgen Kotzbauer sagt. Das Fahrzeug solle an exponierter Stelle im Hauptwerk aufgestellt werden. Denn für die Firma bedeutet das Scheitern der Münchner Pläne noch lange kein Aus für die Magnetschwebetechnik insgesamt. "Es gibt weltweit noch mehrere Projekte in Planungsstatus. Zusammen mit den Projekten und den Kunden werden wir die Technologie weiterentwickeln", sagt Kotzbauer. Allein in den USA seien zwei bis drei Projekte in Planung, dort seien auch Mittel bereitgestellt. "Das ist für uns ein Signal, dass andere Länder aktiv an dieser Technologie festhalten."
Abtransport wird Schwerarbeit
Ganz billig werden Abbau und Abtransport des Transrapidfahrzeugs vom Flughafen für den neuen Eigentümer jedoch nicht werden. Er rechne mit mehreren tausend Euro, sagt Kotzbauer. Die nötige Logistik ist jedoch im Haus vorhanden. Insgesamt drei Kräne zwischen 100 und 300 Tonnen werden im Einsatz sein, um das 25 Meter lange Fahrzeug aus dem Flughafen zu schälen. In der Nacht zum 29. Mai sollen die entscheidenden Arbeiten stattfinden. Zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens wird der ausgemusterte Flitzer auf einen Rollwagen gesetzt, zwischen sieben und acht Uhr wird er nach hinten aus dem Gebäude geschoben. Danach wird ein Kran das rote Modell um 90 Grad drehen, damit es auf einen Tieflader verladen werden und seine Reise in die Oberpfalz antreten kann.
Anfragen aus aller Welt
Nicht nur Bögl hatte Interesse an dem schnittigen roten Transrapid. Die Lokwelt Freilassing hätte zumindest nicht Nein gesagt, vor allem aber der Oldtimerclub Mittleres Vilstal aus der Nachbarschaft von Reisbach im Landkreis Dingolfing-Landau - der Heimat von CSU-Chef Erwin Huber - hätte das Stück sehr gerne für sich gehabt. "Wir sind Transrapidfreunde und bestrebt, dass er in Bayern bleibt. Wenn wir ihn schon in Natur nicht bekommen, wollen wir das Modell behalten", begründete der zweite Vorsitzende des Clubs, Hans Esterl, damals den Antrag. Der Zuschlag für Bögl sei keine Missachtung der Oldtimerfreunde, betont der Sprecher der DB Magnetbahn. "Der Club hat einen großen Sympathiebonus gehabt" - der persönliche Einsatz der Oldtimerfreunde für ihren Traumzug habe imponiert. Und nicht nur dieser, denn Anfragen kamen aus aller Welt - eine sogar aus Brasilien.
Wollen Sie mehr über die Vorgeschichte und Technik des Transrapids erfahren? Mit einem Doppelklick auf das Wort "Transrapid" öffnet sich ein kleines Fenster. Mit einem Klick auf "Wikipedia" finden Sie weitere Informationen zur Magnetschwebebahn aus der Online-Enzyklopädie.
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Quelle: t-online.de
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