Arcandor-Aktie legt zu (Foto: dpa)Neue Hoffnung an der Börse: Die Aktie von Arcandor ist nach Berichten über ein neues Kaufangebot um mehr als vierzig Prozent nach oben gesprungen. Am Freitagabend war bekannt geworden, dass neben der Triton-Gruppe auch der Privatinvestor Nicolas Berggruen Kaufinteresse angemeldet hat. Einem Pressebericht zufolge will zudem das Immobilien-Konsortium Highstreet die 120 Karstadt-Häuser vollständig übernehmen und als Konzern erhalten. Ein Sprecher von Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg dementierte das allerdings: "Uns liegen zurzeit zwei konkrete Angebote vor." Der Insolvenzplan könnte allerdings noch an der Stadt Köln scheitern.
Video - Deutsche Bank Video - Werbung Gold-Kongress Ranking - Umsatzstärkste Unternehmen Deutschlands Quiz - Welcher Konzern sitzt wo?
Will Goldman Sachs Arcandor retten?
Kurz vor Ablauf der Bieterfrist für die insolvente Kaufhaus-Kette Karstadt ist somit offenbar noch einmal Bewegung in das Verfahren gekommen. Das Immobilienkonsortium Highstreet, Vermieter eines großen Teils der Karstadt-Gebäude, will laut einem Bericht der "Bild am Sonntag" die 120 Filialen vollständig übernehmen. Highstreet will laut "BamS" in den kommenden Tagen ein Angebot für Karstadt abgeben. Das Konsortium gehört zu 51 Prozent der Investmentbank Goldman Sachs. Weitere Anteilseigner sind die Deutsche Bank und zwei italienische Investoren.
Angeblich kaum Entlassungen
Laut "BamS" plant Highstreet bei Karstadt keine Entlassungen in größerem Umfang. Die Wochenarbeitszeit solle aber von 37,5 auf 39,5 Stunden ohne Lohnausgleich erhöht werden. Für "individuelle Leistungen" sollen die Mitarbeiter demnach einen Bonus erhalten. Sie sollen mit 15 Prozent an Karstadt beteiligt werden. Als Kaufpreis seien 40 Millionen Euro im Gespräch.
Gewerkschaft gibt sich gelassen
Eine Sprecherin der Gewerkschaft Ver.di sagte der Nachrichtenagentur AFP, das mögliche Angebot von Highstreet überrasche sie nicht. Der Vermieter habe bei allen Verhandlungen "immer indirekt mit am Tisch gesessen". Dass sich das Konsortium mit Ver.di "in Geheimverhandlungen" über Details der Übernahme geeinigt haben soll, wie die "BamS" berichtete, sei ihr aber nicht bekannt.
Noch zwei andere Bieter
Weitere Interessenten für Karstadt sind der europäische Investor Triton, der Ende April ein Angebot abgegeben hatte, und die Investmentgesellschaft Berggruen, die erst am Freitag eine Offerte eingereicht hatte. Nicolas Berggruen, Sohn des 2007 verstorbenen deutschen Kunstsammlers Heinz Berggruen, sagte der "Berliner Morgenpost", er habe kein Interesse an kurzfristiger Gewinnmaximierung und einem schnellen Weiterverkauf. Er erwarte auch keine weiteren Zugeständnisse der Belegschaft. Damit müsse jetzt "Schluss sein".
Auch Metro will wohl kaufen
Nach wie vor interessiert ist offenbar auch der Handelskonzern Metro: Die "BamS" zitierte aus einem Brief von Vorstandschef Eckhard Cordes an Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg, er wolle einen Teil der Häuser übernehmen.
Keine Zerschlagung der Karstadt-Mutter
Karstadt war 2009 zusammen mit dem Mutterkonzern Arcandor Pleite gegangen. Der Insolvenzverwalter sucht seit Monaten nach einem Käufer; er will alle Filialen an einen Bieter verkaufen und so eine Zerschlagung des Unternehmens vermeiden. Die Bieterfrist wurde auf Wunsch von Triton bis zum 28. Mai verlängert.
Stadt Köln stellt sich quer
Kurz vor Ablauf der Bieterfrist tauchte derweil ein neues Hindernis auf. Der Insolvenzplan könnte noch an der Stadt Köln scheitern, sagte der Sprecher von Görg zu AFP. Als letzte von 94 Kommunen mit Karstadt-Standort müsse Köln bis Dienstagvormittag mitteilen, ob die Stadt dem Kaufhaus die Gewerbesteuer erlässt - und diese Entscheidung stehe noch aus. "Wenn sie nicht kommt, kann der Insolvenzplan nicht rechtskräftig werden". Die Gebote für Karstadt würden dann wahrscheinlich "hinfällig".
Die Gläubiger verzichten
Gläubiger wie Mitarbeiter oder Lieferanten haben Karstadt Millionen an Forderungen erlassen, um das Überleben der Kette zu ermöglichen. Damit kommt Karstadt wieder in die schwarzen Zahlen und wird gewerbesteuerpflichtig.