31.01.2012, 16:33 Uhr | dpa, dapd, dpa-AFX
Kahlschlag bei Nokia Siemens Networks (NSN): Jede dritte Stelle in Deutschland fällt weg, nur fünf Standorte von derzeit 35 bleiben erhalten. Die Mitarbeiter des angeschlagenen Netzwerkausrüsters hierzulande trifft das Sanierungsprogramm hart. 2900 Stellen sollen wegfallen - größtenteils bis Ende des Jahres, wie das Unternehmen mitteilte.
Auch der mit Abstand größte Standort in München soll geschlossen werden. Allein dort sind rund 3600 Mitarbeiter betroffen, die ihren Arbeitsplatz verlieren sollen oder umziehen müssen. Wie das kriselnde Unternehmen mitteilte, will NSN das Geschäft in Deutschland künftig auf die fünf Standorte in Berlin, Bonn, Bruchsal, Düsseldorf und Ulm konzentrieren.
Die übrigen 30 Niederlassungen im gesamten Bundesgebiet sollen geschlossen werden. Darüber, wie die Stellen nun abgebaut werden, werde NSN rasch Gespräche mit dem Betriebsrat aufnehmen, sagte ein Sprecher des Konzerns. Von den Einsparplänen erfuhren die Mitarbeiter durch eine E-Mail am Mittag, die im ganzen Unternehmen für Entsetzen sorgte. Erst am Nachmittag sollten die Mitarbeiter in München in einer Betriebsversammlung persönlich informiert werden. "Brutaler geht es nicht", kommentierte Michael Leppek von der IG Metall München diese Art der Kommunikation.
Mit scharfer Kritik hat auch die bayerische Landesregierung auf die geplanten Jobstreichungen reagiert. Die in Finnland getroffene Standortentscheidung sei das bittere Resultat einer "missglückten Unternehmensstrategie" und "klarer Managementfehler", sagte Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP).
Den Hauptsitz in München zu schließen, sei eine "unternehmerische Fehlentscheidung, die auf dem Rücken langjähriger Mitarbeiter ausgetragen" werde. Vor allem für ältere Mitarbeiter sei das ein harter Schlag. Zeil betonte: "Wir fordern NSN und vor allem seine Gesellschafter auf, eine tragfähige Kompensationslösung für Bayern zu finden." NSN müsse seiner sozialen Verantwortung gerecht werden.
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NSN ist eine Tochter des finnischen Handyherstellers Nokia und des Münchner Elektroriesen Siemens. Der seit Jahren schwächelnde Konzern hatte bereits Ende November nach einer weiteren Milliarden-Spritze der Eigentümer Pläne für eine umfassende Schrumpfkur vorgestellt. Weltweit sollen 17.000 Jobs gestrichen und zahlreiche Standorte geschlossen werden. NSN hatte zuletzt rund 74.000 Mitarbeiter.
"Uns ist bewusst, dass dies eine erhebliche Reduzierung der Mitarbeiterzahl ist und wir möchten diese mit Respekt und unter Einhaltung aller rechtlichen Rahmenbedingungen umsetzen", teilte NSN-Deutschland-Chef Hermann Rodler mit. NSN will mit den Plänen bis Ende 2013 eine Milliarde Euro pro Jahr einsparen und Geschäftsbereiche eindampfen. Ein Siemens-Sprecher kündigte an, dass geeignete NSN-Mitarbeiter bei der Vergabe von offenen Stellen bei Siemens bevorzugt behandelt würden.

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Derzeit arbeiten in den NSN-Standorten zum Teil nur zehn Menschen. In Nordrhein-Westfalen, wo NSN mit Kunden wie Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica 80 Prozent seines deutschen Geschäfts macht, werden künftig Bonn und Düsseldorf weitergeführt. In Berlin und Bruchsal findet Fertigung statt. In Ulm entwickelt NSN etwa Technik für den neuen Mobilfunkstandard LTE.
Die IG Metall kündigte umgehend Widerstand gegen die Pläne an. "Wir wehren uns zusammen mit den Beschäftigten gegen diesen Kahlschlag", sagte Michael Leppek. Ziel sei, möglichst viele Jobs zu erhalten und die Schließung des Standorts München noch zu verhindern.
Die Beschäftigten hätten schockiert reagiert, sagte NSN-Gesamtbetriebsratschef Georg Nassauer. "Wir Betriebsräte werden zusammen mit der IG Metall alles tun, um den Abschied von NSN aus Deutschland zu verhindern." Am Mittwoch soll es in München in Anschluss an eine Betriebsversammlung Proteste geben.
Die Gewerkschaft hatte die Abbaupläne und die Informationspolitik der Firmenleitung bereits im November heftig attackiert. Laut IG Metall hat NSN seit dem Start im April 2007 in Deutschland bereits mehr als 5000 Arbeitsplätze abgebaut - über Aufhebungsverträge, Ausgliederungen und zuletzt sogar über betriebsbedingte Kündigungen.
Schuld sei das Management, das stets falsche Weichenstellungen getroffen habe. Nun will NSN sein Geschäft komplett auf schnelle mobile Internet-Netze ausrichten, andere Unternehmensbereiche wie etwa das Festnetz-Geschäft werden entsprechend weichen müssen.
Bis Ende des Jahres 2013 soll der weltweite Job-Abbau abgeschlossen sein. Der Netzwerkausrüster kommt seit Jahren auf keinen grünen Zweig. Er leidet unter einem harten Preiskampf und der scharfen Konkurrenz. Die Suche nach einem Käufer für die schwierige Tochter haben Nokia und Siemens bereits einmal abgesagt, ebenso einen Börsengang.
In Finnland will NSN ebenfalls massiv Stellen streichen. Wie eine Unternehmenssprecherin mitteilte, sollen in Espoo, Oulu und Tampere bis zu 1200 Arbeitsplätze abgebaut werden. Keiner der Standorte werde aber komplett geschlossen. Man habe Verhandlungen mit den Gewerkschaften eingeleitet. Mit bisher 6900 Beschäftigten ist Finnland das zweitwichtigste Standbein von Nokia Siemens Networks nach Deutschland mit 9100 Mitarbeitern.
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Quelle: dpa-AFX , dapd , dpa
Grossi schrieb:
am 31. Januar 2012 um 21:33:06
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Nokia Siemens
Zum Stellenabbau
Man müsste einfach die Nokiaprodukte boykottieren
dann werden die Finnen vielleicht wach!
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Katzengreis schrieb:
am 31. Januar 2012 um 21:21:42
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NOKIA...
was soll man da noch sagen ??? Die größten Arbeitgeberschwei.e auf diesem Planeten !!! Das hatten wir schon mal mit NOKIA ! Ein
Konzern der weg gehört !
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Ingrid schrieb:
am 31. Januar 2012 um 21:17:36
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Nein
Seit Bestand der EU gehen Firmen in die Insolvenz (manchmal je nach Großenordnung vermeintlich). Die Erben haben Angst, das
Vermächtnis der Eltern zu verlieren. Ob Dilletanten oder Irre. Aufgebaut wird hier in Deutschland nichts mehr - außer die Migranten versuchen ihr Glück, denn sie sind hier besser beraten als in ihrem Land. Soweit so gut in "Made in Germany". Mal sehen, wie es weitergeht. Die EU spinnt jedenfalls und die Politik bei uns so wie so. Brüssel regelt nichts - nur Unsinn.
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