
23.12.2011, 15:52 Uhr | Financial Times Deutschland
Die Mehrheit der Volkswirte rechnet mit einem Konjunkturabsturz. Sie gehen davon aus, dass die EZB diese Woche den Leitzins senkt und in den Krisenmodus schaltet.
Die große Mehrheit der Chefvolkswirte führender Banken rechnet damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer Sitzung am Donnerstag den Leitzins weiter senken wird. 22 der 33 befragten Ökonomen erwarten, dass Notenbankpräsident Mario Draghi und seine Kollegen im EZB-Rat den Zinssatz um 25 Basispunkte von 1,25 Prozent auf 1,0 Prozent heruntersetzen. Zwei Volkswirte glauben sogar an eine Absenkung auf 0,75 Prozent. Neun Bankenökonomen erwarten hingegen, dass die Zentralbank bei ihrem aktuellen Leitzins von 1,25 Prozent bleibt. Das ist das Ergebnis der aktuellen FTD-Zinsumfrage.
Behält die Mehrheit recht, würde die Euro-Notenbank ab Donnerstag auch beim Leitzins wieder in den Krisenmodus schalten. Denn bereits nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 hatte die EZB den Zinssatz vom Vorkrisenniveau von 4,25 Prozent auf 1,0 Prozent im Mai 2009 gesenkt. Sie beließ den Leitzins bis zum Frühjahr dieses Jahres auf dem historischen Tiefstwert. Im April und im Juli erhöhten die Zentralbanker den Schlüsselsatz dann in zwei Schritten auf 1,50 Prozent. Doch angesichts der Kriseneskalation in der Euro-Zone und des absehbaren Konjunkturabsturzes setzte Draghi im November bei seiner ersten Sitzung als EZB-Chef unerwartet eine erneute Lockerung auf 1,25 Prozent durch.
Auf mittlere Sicht geht ein relevanter Teil der Ökonomen von weiter sinkenden Zinsen aus. So rechnen acht Volkswirte damit, dass der Leitzins bis Februar des kommenden Jahres auf 0,75 Prozent sinken wird, drei tippen sogar auf einen Niedrigzins von nur 0,5 Prozent. Für Dezember 2012 setzen sogar zehn der Experten auf einem Zinssatz von 0,5 Prozent und fünf auf einen Zins von 0,75 Prozent. Die restlichen 18 Ökonomen glauben, dass die EZB den Leitzins bei 1,0 Prozent belassen wird.
Bei der vorherigen FTD-Zinsumfrage hatten die meisten Ökonomen noch keinen starken und dauerhaften Zinsrückgang erwartet. Vor der vergangenen EZB-Sitzung waren mehr als vier von fünf der befragten Volkswirte davon überzeugt gewesen, dass die Euro-Notenbank ihren Leitzins im November sogar bei 1,5 Prozent belassen würde.
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Die Neueinschätzung der Zinsentwicklung geht vor allem auf den markanten Wachstumsabsturz zurück, der sich seit Kurzem deutlich für die Euro-Zone abzeichnet. Bereits bei der November-Sitzung hatte EZB-Chef Draghi vor einer "milden Rezession" zum Jahresende gewarnt. Erst vergangenen Donnerstag sagte der Notenbankpräsident dann, die Abwärtsrisiken für den Wirtschaftsausblick seien gestiegen. "Wir haben ernsthafte Anspannungen bei der Kreditvergabe beobachtet, die zusammen mit der Abschwächung des Geschäftszyklus überhaupt kein gutes Zeichen für die nächsten Monate sind", warnte Draghi.
Die pessimistischen Aussagen des Zentralbankchefs deuten darauf hin, dass die neuen EZB-Stabsprojektionen an diesem Donnerstag erheblich schlechter ausfallen werden als die von vor drei Monaten. Bereits damals senkten die Notenbankökonomen ihre Wachstumsprognose für die Euro-Zone für 2011 von zuvor 1,9 auf 1,6 Prozent. Für 2012 sagten sie damals nur noch ein Plus der Wirtschaftsleistung von 1,3 Prozent voraus. Zuvor hatten sie noch einen Zuwachs von 1,7 Prozent prognostiziert.
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Die Wachstumsprojektionen der von der "FTD" befragten Ökonomen deuten jedenfalls auf einen eindeutigen Konjunkturabsturz hin. Für 2011 rechnen die Volkswirte im Durchschnitt zwar mit einem Plus von 1,6 Prozent. Aber für 2012 senkten sie ihre Wachstumsprognose von 0,7 auf 0,1 Prozent. Zwölf der 33 Volkswirte erwarten sogar eine schrumpfende Wirtschaftsleistung: ein Minus von 0,2 bis 0,7 Prozent.
Die Inflationserwartungen der befragten Experten sind hingegen stabil. Wie im Vormonat rechnen die Volkswirte mit einer Teuerungsrate von 2,6 Prozent für 2011 in der Euro-Zone. Für das nächste Jahr gehen sie hingegen davon aus, dass die Inflation auf 1,9 Prozent fällt. Damit würde die Inflationsrate exakt dem Zielwert von etwas weniger als 2,0 Prozent entsprechen, den die EZB mittelfristig anpeilt. Zuletzt hatte der Preisanstieg bei 3,0 Prozent gelegen. Doch auch die Euro-Notenbank rechnete bereits in ihrer Projektion im September mit einer deutlich nachlassenden Inflationsrate.
Marktakteure blicken zudem mit Spannung auf die Entscheidung der Währungshüter zur weiteren Stabilisierung des Bankensektors. Hier sind zwei- bis dreijährige Liquiditätsgeschäfte im Gespräch. Die EZB könnte auch beschließen, ein Programm zum Aufkauf von Bankanleihen aufzulegen. Denkbar erscheint zudem, dass sie sich dazu entscheidet, die Anforderungen für Sicherheiten weiter zu lockern, die Banken für die Geldleihe hinterlegen müssen.
Quelle: Financial Times Deutschland
uwe1705 schrieb:
am 6. Dezember 2011 um 16:36:52
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Leitzins der EZB
Egal ob die EZB den Leitzins senkt oder nicht, der Verbraucher wird davon wie schon bem letztenmal nichts haben. Die Gier
der Banken ist zu groß um die niedrigen Zinsen an die Kunden weiter zu geben. Davon abgesehen sind die Darlehnszinsen heute schon zu hoch im anbetracht desen das der Leitzins bei 1,25% liegt, und der Dispositionszins ist sowieso schon wucher. Leider verstehen die von Geschäft genauso wenig wie die Regierung und die Firmen, den weniger ist mehr. Wer nichts hat gibt nichts au
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Klugscheisserchen schrieb:
am 6. Dezember 2011 um 14:46:28
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Zinspolitik
Die Inflation frisst die Zukunft der Sparer. Mit den Programmen des billigen Geldes werden wieder enorme Umverteilungen von unten
nach oben beschleunigt. Die bStaaten entschulden sich zu Lasten der Bürger und deren Altersvorsorge.
Wlcher private Kleinanleger kann denn bei einem Guthabenzinssatz von 2% und einer Inflationsrate von derzeit 3%, mit steigender Tendenz, etwas für seine Zukunft ansparen?
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vorwärts58 schrieb:
am 6. Dezember 2011 um 14:21:33
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Marx
Um Gottes willen nicht bei Marx nachlesen.Der hat ja so Unrecht das glaubt kein Mensch.Nein weiter so machen, auf
"Experten"hören und RTL einschalten.Was natürlich aulch wichtig ist,die LINKEN müssen zur Sau gemacht werden,denn das sind zweifelos die "Bösen"...Also,weiter Vertrauen in den Kapitalismus setzen und dann wird alles gut....Verzeihung.Mir gingen gerade die Pferde durch!!
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