28.02.2010, 14:28 Uhr | bab mit dpa
Atomkraftwerk: Die Ökostrom-Branche ist gegen das Geld, das die Meiler erwirtschaften (Quelle: imago)Die Ökostrombranche in Deutschland lehnt eine mögliche Milliarden-Förderung ab, die ihr die Bundesregierung durch eine geplante Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken in Aussicht stellt. "Wir brauchen das Geld nicht", sagte der Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE), Dietmar Schütz, dem "Tagesspiegel". "Ich halte die Verteilung von Extra-Gewinnen aus der Atomwirtschaft an einzelne Unternehmen, die sich mit der Gewinnung von Strom aus Wind- oder Sonnenkraft beschäftigen, außerdem für rechtlich bedenklich und praktisch nicht umsetzbar", sagte Schütz dem Blatt.
Schütz reagierte damit auf Vorschläge aus Regierungskreisen zur Verteilung der Gewinne aus längeren Laufzeiten der Meiler. Die Regierung prüft zurzeit Optionen für einen möglichen längeren Betrieb der 17 deutschen Atomkraftwerke und ist sich dabei bisher nur in einem Punkt einig: die Betreiber sollen einen Teil der Gewinne abgeben. Das Geld soll in die Förderung erneuerbarer Energien, den Ausbau von Stromnetzen und die Erforschung von Stromspeichern investiert werden. Streit herrscht neben der Frage nach der Verteilung der Gelder dabei auch über die Höhe der Abgaben.
Zur Debatte stehen dabei gewaltige Summen. Nach einer Studie der Landesbank Baden-Württemberg aus dem vergangenen Jahr könnten sich die Zusatzgewinne bei einer Verlängerung der Laufzeit um 25 Jahre auf 200 Milliarden Euro summieren - eingerechnet die Steigerung des Börsenwerts der Energieversorger. Eine Verlängerung um zehn Jahre brächte der Studie zufolge mehr als 30 Milliarden Euro ein und auch die Versorger machen aus diesen Zahlen keinen Hehl. RWE-Chef Jürgen Großmann hat den zusätzlichen Gewinn bei einer Laufzeitverlängerung von 25 Jahren sogar auf 250 Milliarden Euro beziffert.
Eine endgültige Entscheidung in der Frage wird voraussichtlich im Herbst getroffen. Dann will die Bundesregierung endgültig über eine Verlängerung der Laufzeiten entscheiden. Auch die unmittelbar vor der Abschaltung stehenden Uralt-Meiler Neckarwestheim I in Baden-Württemberg und Biblis A in Hessen sollen nach den Vorstellungen der schwarz-gelben Bundesregierung und der vier großen Energieversorger E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall, deren Vorstände vergangenen Freitag zu einem Spitzentreffen in Berlin waren, am Netz bleiben.
Nach dem Spitzentreffen teilte Bundesumweltminister Norbert Röttgen mit, dass der Entwurf eines Energie-Gesamtkonzepts vor der Sommerpause vorgelegt werden soll. Die Entscheidung über die künftige Versorgung mit Öko-Energie sowie Atom- und Kohlestrom ist im Oktober vorgesehen. Offen ließ er dabei die genaue Endlaufzeit. "Die Kernkraftwerke laufen nur so lange, bis der Ausbau der erneuerbaren Energien sie überflüssig macht", sagte er der "Financial Times Deutschland". Konkrete Zahlen will er erst nennen, wenn mögliche Ausbaupfade der Öko-Energien feststehen. "Grundlage unserer Überlegungen werden deshalb Energieszenarien sein, die Wirtschaftsminister Rainer Brüderle und ich in den nächsten Wochen gemeinsam berechnen lassen".
Quelle: dpa , t-online.de
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