Ölmarkt bleibt auch die nächsten fünf Jahre angespannt
07.07.2008, 10:53 Uhr | bv
IEA-Direktor Nobuo Tanaka (Foto: Reuters)Die Internationale Energie-Agentur (IEA) glaubt nicht an rasch sinkende Ölpreise. Zwar werde sich die Lage am Ölmarkt bis 2009/2010 zunächst entspannen, da neue Förderprojekte die Produktion aufnehmen, sagte der IEA-Exekutivdirektor Nobuo Tanaka der Montagsausgabe des "Handelsblatts". Danach werde die Förderung aber sinken und gleichzeitig die Nachfrage steigen, vor allem in den Entwicklungsländern. Die Union hat unterdessen den deutschen Autoherstellern Versäumnisse beim Klimaschutz vorgeworfen. Die Fluggesellschaft Swiss klagt derweil, Airlines könnten die Preisaufschläge beim Treibstoff nur teilweise an die Kunden weiterreichen.
Tanaka sagte: "Bis 2013 bleibt die Lage am Markt sicher gespannt." Der IEA-Direktor rief die Produzenten auf, mehr zu investieren. Aber auch die Verbraucher seien in der Pflicht, Energie zu sparen. Die Schwellenländer forderte Tanaka auf, Benzinpreise nicht länger künstlich niedrig zu halten. Zugleich warnte er die Industrieländer davor, ihre Steuern auf Öl zu senken: "Das Preissignal muss ungefiltert den Verbraucher erreichen. Das gibt nötige Anreize, das Wirtschaftswachstum vom Energieverbrauch zu entkoppeln."
Ursachen für Spekulation beseitigen
Spekulation verstärkt nach Tanakas Einschätzung die Bewegungen des Ölpreises, sei aber nicht die Ursache. Um den Ölmarkt zu entspannen, müssten sich die Marktfundamente ändern: Mehr Investitionen auf der Angebotsseite, stärkere Energiesparbemühungen auf der Nachfrageseite. "Dann verschwindet auch die Spekulation, die auf weiter steigende Ölpreise setzt", sagte der IEA-Chef.
Union macht Autobauern Vorwürfe
Unterdessen hat die Unionsfraktion den deutschen Autobauern Versäumnisse im Kampf gegen den Klimawandel vorgeworfen. Die Autohersteller hätten es jahrelang versäumt, sich stärker um die Entwicklung umweltfreundlicher Elektromotoren zu kümmern, sagte der Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Volker Kauder (CDU), dem Magazin "Der Spiegel". Die Unternehmen sollten stärker in die Forschung investieren, um leistungsfähigere Batterien auf den Markt zu bringen: "In zehn Jahren werden Elektroautos eine große Rolle spielen." Dies dürfe die deutsche Autoindustrie nicht verschlafen.
Aufschub beim Ausstoß
Die Europäische Union will strengere Abgaswerte für die Autoindustrie einführen. Bis 2012 soll der Ausstoß an Kohlendioxid (CO2) im Durchschnitt der Fahrzeugflotte auf 120 Gramm pro Kilometer gesenkt werden. Deutschland und Frankreich haben allerdings vereinbart, dass es einen gleitenden Aufschub bis 2015 geben soll, der auf Produktionszyklen Rücksicht nimmt. Die Autoindustrie hatte Kritik an ihren Klimaschutz-Bemühungen zurückgewiesen.
Unterbrecher 70-Tage
Airlines holen Mehrkosten nur teilweise herein
Trotz der weiter steigenden Ölpreise können die Fluggesellschaften ihre höheren Kosten nach Einschätzung von Swiss-Chef Christoph Franz kaum auf die Kundschaft abwälzen. "Auf der Langstrecke holen wir etwa ein Drittel unserer Mehrkosten wieder rein. Doch innerhalb Europas ist dies nur in geringerem Ausmaß oder gar nicht möglich. Hier sind die Preise generell bereits stark unter Druck", sagte Franz der "WirtschaftWoche". Swiss ist eine Tochtergesellschaft der Deutschen Lufthansa.
Swiss profitiert von Absicherungen der Lufthansa
Zur Kostendämpfung will Swiss auch die Lieferanten einbinden. "Der höhere Ölpreis belastet die ganze Wertschöpfungskette Flug. Doch die Fluglinien tragen das Marktrisiko fast allein", sagte Franz. "Das müssen wir ändern." Zudem profitiere die Swiss von Termingeschäften der Lufthansa, mit denen sich der Konzern gegen plötzliche Schwankungen absichert. "So trifft uns der Ölpreis zwar, aber im vollen Umfang erst mit Verzögerung. Das gibt uns Zeit, zu reagieren."
Fluggesellschaften legen Maschinen still
Die hohen Kerosinpreise sind im reinen Fluggeschäft inzwischen der größte Kostenfaktor vieler Fluggesellschaften. In den vergangenen Monaten hatten mehrere Airlines angekündigt, ihre Flotten wegen der Kostenentwicklung reduzieren zu wollen. In Deutschland hatte nach TUI und Air Berlin zuletzt die Lufthansa-Beteiligung Germanwings erklärt, vier von derzeit 29 Flugzeugen zum 1. November abzugeben.