Öl-Raffinerie: Überkapazitäten machen den Ölgiganten zu schaffen (Foto: imago)Bei der Deutschen BP sind die Margen dramatisch eingebrochen. "Wir schreiben bei den Raffinerien keine Gewinne in diesem Jahr, eher leicht rote Zahlen", zitiert die "Financial Times Deutschland" (FTD)Uwe Franke, den Chef der deutschen BP-Tochter. "In der nahen Zukunft wird es nicht leicht werden, auskömmliche Renditen zu erzielen." Franke befürchtet nun ein globales Raffineriesterben.
In konjunkturellen Hochzeiten wurde den Ölkonzernen noch vorgeworfen, durch fehlende Raffineriekapazitäten den Preis für Benzin, Diesel und Heizöl in die Höhe zu treiben und den Aufschwung zu bremsen. Heute leiden sie unter Überkapazitäten. Die Nachfrage ist gering, die Tanklager sind voll. Wie hoch die Überkapazitäten in Europa genau sind, sei schwer zu schätzen, sagte Franke. "Bis 2020 oder 2030 rechnen wir mit ungefähr 20 bis 30 Prozent. Es werden Raffinerien schließen müssen." BP betreibt Deutschlands zweitgrößtes Raffinerienetz.
Nachfrage sinkt weiter
Gründe für die Überkapazitäten sind dem Bericht zufolge nicht nur die Rezession, sondern auch strukturelle Probleme. Die Nachfrage sinkt dank effizienterer Motoren, alternativer Energien und Sparsamkeit. "Auch die Abwrackprämie hat ihren Teil dazu beigetragen", erläuterte Franke. "Jeder Wechsel des Autos führt dazu, dass weniger verbraucht wird." Vor der Krise nahmen die sprithungrigen USA den Benzinüberschuss ab. Nun wird auch dort gespart. "Es wird immer schwerer, Benzin aus Europa zu exportieren."
Shell will Raffinerien verkaufen
Der größte deutsche Raffineriebetreiber Shell versucht dem Bericht zufolge derzeit, zwei der fünf deutschen Standorte zu veräußern. Es liefen Gespräche mit Interessenten für die beiden Anlagen in Norddeutschland, sagte eine Sprecherin dem Blatt zufolge. BP-Chef Franke zeigte sich skeptisch über diese Pläne: "Wenn Shell die zwei Raffinerien verkauft, ist dem Problem der Überkapazität nicht geholfen", sagte Franke demnach. "Das wäre wohl gut für Shell, aber nicht für den Markt."
Produktion schwer zurückzufahren
Ein Nachteil der Rohölverarbeiter ist dem Bericht zufolge, dass die Raffinerien bei sinkender Nachfrage nicht ohne weiteres die Produktion zurückfahren können. Aus technischen Gründen können sie den Ausstoß der Anlagen nur auf 70 bis 80 Prozent reduzieren, darunter muss ganz abgestellt werden. Weil die Fixkosten nicht gleich stark sinken wie der Ausstoß, schrumpft die Marge.