Peking im Griff der Kälte (Foto: Reuters)Gleich mehrere Preis treibende Faktoren haben den Ölpreis (siehe WTI) zu Wochenbeginn auf ein neues 15-Monatshoch gehievt: Für ein Barrel Rohöl der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate wurde am Montag zwischenzeitlich ein Preis von 83,94 Dollar genannt, das waren 1,20 US-Dollar über dem Schlusskurs der New Yorker Mercantile Exchange vom Freitag. Am Dienstag gab der Preis moderat nach. Neben dem eisigen Winter in Europa und in den USA verwiesen Marktteilnehmer auf die anhaltende Konjunkturerholung in China und die steigende Nachfrage im Reich der Mitte. Ferner setzen Spekulanten wieder verstärkt auf das schwarze Gold, wie der Aufbau von Kaufkontrakten an den Terminbörsen belegt.
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Der Markt ignoriert Belastungsfaktoren
Die Rohstoffmärkte schienen derzeit nur auf positive Nachrichten zu reagieren, kommentierten die Analysten der Commerzbank. Dagegen ignorierten die Broker am Ölmarkt Nachrichten, die den Preis eigentlich senken müssten. So hätten die schwachen US-Arbeitsmarktdaten vom Freitag die Rohstoffpreise nur geringfügig belastet - im Dezember wurden in den USA per Saldo überraschend 85.000 Stellen abgebaut, Analysten hatten nur mit einem Minus von 8000 Jobs gerechnet.
China zieht den Ölpreis hoch
Zum Wochenauftakt sorgen die Importdaten aus China für positive Marktstimmung und steigende Rohstoffpreise, kommentierte die Commerzbank weiter. Die chinesischen Rohölimporte stiegen im Dezember erstmals über die Marke von fünf Millionen Barrel pro Tag, dies entsprach einem Anstieg um gut zwanzig Prozent gegenüber dem Vormonat. Marktteilnehmer hätten diese Zahlen zum Anlass genommen, den Ölpreis weiter nach oben zu treiben - ungeachtet der Tatsache, dass gleichzeitig auch die Exporte von Ölprodukten stark angestiegen sind. China habe also mehr Rohöl importiert und verarbeitet, als für den Eigenbedarf benötigt wurde.
Kältewelle im Reich der Mitte
Derweil fachte eine neue Kältewelle über weiten Teilen Chinas neue Fantasien am Ölmarkt an. Die Temperaturen in der Volksrepublik sollen in den nächsten Tagen noch weiter fallen - im Nordosten zum Beispiel auf mehr als minus 30 Grad. Auch Peking, das vergangene Woche mit minus 16 Grad bereits den kältesten Tag seit fast 40 Jahren verzeichnete, könnte wieder Rekordwerte melden. Selbst Shanghai, wo es nicht einmal Heizungen gibt, meldete zum Wochenbeginn Schneefall. Mehrere südchinesische Provinzen meldeten einen Rekordverbrauch an Energie, weil die Menschen mit Klimaanlagen und Heizgeräten die Wohnungen warm halten. Die Stromversorgung für Industriebetriebe wurde weiter rationiert. Wegen der niedrigen Temperaturen verringern sich die Kohlevorräte vielerorts rapide. Engpässe gibt es selbst in der nordchinesischen Provinz Shanxi, die ein Drittel der chinesischen Kohlereserven besitzt.
Anleger setzen auf Preissteigerung
Für den deutschen Mineralöl Wirtschaftsverband erschien der Verweis auf China aber "nur im gewissen Maße plausibel", wie Sprecherin Karin Retzlaff im Gespräch mit der Nachrichtenagentur DAPD betonte. "Viele Anleger haben umgeschichtet und in Rohöl investiert", erläuterte Retzlaf weiter. "Die Leute wetten darauf, dass die Preise weiter ansteigen." An einem zu geringen Angebot auf dem Markt könne diese neue Preissteigerung nicht liegen. Derzeit sei genügend Rohöl vorhanden: "Die OPEC hat die Förderquoten nicht nach unten gesenkt", sagte Retzlaff. In die gleiche Richtung wiesen auch die Experten der Commerzbank: Daten zur Marktpositionierung verdeutlichten, dass der Ölpreisanstieg der vergangenen Wochen in erster Linie spekulativ getrieben ist.
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Long-Positionen schon vor der Kälte auf Rekord
Demnach haben die spekulativen Anleger ihre Netto-Long-Positionen in der Woche zum 5. Januar um weitere 21.000 auf 154.775 Kontrakte ausgebaut. Diese Zahl liege nur noch knapp unter dem schon Ende Oktober verzeichneten Allzeithoch, urteilte die Commerzbank weiter. Allein seit Mitte Dezember seien die Netto-Long-Positionen um 66 Prozent gestiegen. Somit baue sich aber auch ein erhebliches Korrekturpotenzial auf, wenn es zu einer Rückabwicklung dieser Positionen kommt.
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Heizöl wird teurer
Weiter steigende Preise könnten sich ansonsten negativ auf die Konjunktur ausüben. "Möglicherweise kann ein hoher Preis auch ein Bremsklotz für die Weltwirtschaft sein", analysierte Retzlaff weiter. Zuletzt hatten deutsche Autofahrer den Anstieg des Dieselpreises an den Tankstellen gespürt, da die hohe Nachfrage für Heizöl im strengen Winter auch die Rohölpreise angefeuert hatte. "Diese Entwicklung war überhaupt nicht vorherzusehen", sagte Retzlaff. Noch im Herbst hätten sich die Händler über ein schlechtes Geschäft beschwert (siehe auch US-Heizoel).