Der Ölpreis steigt - Raffinerie in Bagdad (Foto: dpa) Anschläge in Nigeria, Angst vor der Inflation: Der Ölpreis steigt weiter. Gerade kletterte der Preis für die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) auf 73,38 Dollar und der Brent-Preis auf 73,50 Dollar. Damit hat der Ölpreis erneut ein neues Jahreshoch markiert. Dass die Reise gen Norden weiter geht, ist jedoch fraglich: Die weltweite Nachfrage sinkt nämlich. Und gerade hat China die Preise für Benzin erhöht. Außerdem werden in Kürze Unmengen an irakischem Öl den Weltmarkt erreichen.
Stärkster Preisanstieg im Quartal seit fast zwanzig Jahren
Die Analysten der Commerzbank verwiesen darauf, dass der Ölpreis mit dem Schub über die Marke von 73 Doller auf ein Achtmonatshoch gestiegen ist. Und nicht nur das: Mit dem Schluss von über 69 Dollar am letzten Tag im Juni weise das zu Ende gehende Quartal die beste prozentuale Wertentwicklung seit 19 Jahren auf.
Unruhen in Nigeria
Händler verwiesen zur Begründung zum einen auf geopolitische Risiken wie die angespannte Lage in Nigeria, dem größten Förderland Afrikas. Dort stellte der Mineralölkonzern Royal Dutch Shell nach einem erneuten Anschlag auf eine Ölförderanlage die Förderung im Westen des Nigerdeltas teilweise ein. Am Wochenende hatte sich die Lage noch etwas entschärft, nachdem vier Rebellengruppen ein Amnestieangebot der Regierung akzeptiert hatten.
Angst vor der Inflation
Zum anderen nannten Marktteilnehmer die anhaltende Hoffnung auf einen konjunkturellen Aufschwung als Grund für den Preisschub. Wenngleich die Angst vor einer liquiditätsgetriebenen Inflation kurzfristig übertrieben sei, so könne doch der Liquiditätsüberhang bei Anspringen der Konjunktur zu stärkerem Preisdruck führen, kommentierte die Berenberg-Bank. Die Analysten der Privatbank rieten den Anlegern daher unter anderem, in Unternehmen zu investieren, die mit Rohstoffen zu tun haben, oder aber gleich das Investment in Erdöl.
Der Markt ignoriert den sinkenden Verbrauch
Preisbelastende Faktoren fanden zuletzt kein Gehör: Die Internationale Energieagentur (IEA) hat gerade die mittelfristigen Prognosen für die weltweite Ölnachfrage deutlich nach unten revidiert. Im optimistischen Szenario soll die Ölnachfrage bis 2012 auf 86,76 Millionen Barrel pro Tag steigen und damit um drei Millionen Barrel pro Tag niedriger liegen als bislang erwartet. Die IEA geht von einer deutlich sinkenden Nachfrage aus. Diese Zahlen sprechen für die Commerzbank gegen einen starken Ölpreisanstieg in den kommenden Jahren.
China würgt die Nachfrage ab
Die Commerzbank-Analysten wiesen auch noch auf einen anderen Faktor hin, der für Preisdruck sorgen könnte: China hat die Benzin- und Dieselpreise gerade erneut um neun bis zehn Prozent erhöht. Die deutliche Preiserhöhung vor einem Jahr um 18% könnte den kräftigen Ölpreisrückgang in der zweiten Jahreshälfte mit ausgelöst haben.
Irakisches Öl schwappt bald in den Markt
Unterdessen sind Vertreter der irakischen Regierung und von Energieunternehmen zu einem Treffen zusammengekommen, bei dem erstmals seit 1972 wieder Ölförderlizenzen an ausländische Konzerne vergeben werden sollen. Verteilt werden zunächst die Förderrechte für sechs große Ölfelder sowie zwei Gasfelder. Beworben haben sich nun laut Ölministerium 31 Unternehmen, darunter westliche Großkonzerne wie BP, Shell und Total.
Ölgigant im Zweistromland
Der Irak verfügt über die drittgrößten Erdölreserven weltweit, allerdings war nach dem Einmarsch der irakischen Truppen in Kuwait 1990 und dem folgenden Krieg die Ölförderung im Irak fast zusammengebrochen. Wegen UN-Sanktionen konnte das Land später lange Zeit nur eingeschränkt Öl exportieren. Heute fehlt es an Geld, Technik und Infrastruktur, um die riesigen Vorkommen besser auszubeuten.