Der Ölhafen von Rotterdam (Foto: dpa)Der Ölpreis rutscht ab: Zeitweise zahlten Händler für ein Fass der führenden Ölsorte West Texas Intermediate (siehe WTI) am Freitag nur noch gut 74 Dollar. Dies war der tiefste Stand seit einem Monat. Doch der Benzinpreis zieht nicht nach - obwohl die Lager in den USA randvoll sind. Der Grund: Eine starke Nachfrage aus Afrika verzerrt derzeit den europäischen Benzinpreis, wie die "Financial Times Deutschland" (FTD) in ihrer Online-Ausgabe berichtet. Der Preis für Benzin der Sorte "Premium Unleaded" in der Region "Amsterdam Rotterdam Antwerpen" (ARA) - dies ist der wichtigste Umschlagplatz Europas - halte sich momentan bei 703 bis 710 Dollar. Dies war deutlich mehr als noch im Dezember.
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Nigeria kauft Unmengen Super
Verantwortlich für die hohen Preise seien Exporte nach Westafrika, sagte Thomas Bakosch, Experte beim Analysehaus OMR, der "FTD". In Nigeria fehle es den Raffinerien an Kapazitäten, deshalb führe das Land enorme Mengen Super ein. Das sei auch für Deutschland relevant, denn die Premium-Unleaded-Preise in der ARA-Region nutzten deutsche Vertragspartner als Kalkulationsgrundlage. Somit fließe der hohe Preis in den Niederlande am Ende also auch in die deutschen Tankstellenpreise ein.
Enger Markt für Benzin
Weniger ausgeprägt, aber immer noch deutlich seien die Ausschläge bei der Benzinsorte EBOB. Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg bewegten sich die Preise bei rund 698 bis 703 Dollar je Tonne, wie die "FTD" weiter erläuterte. Die Differenz zum Nordseeöl Brent liegt laut dem Brokerhaus PVM Oil Associates bei rund acht Dollar je Fass. Das sei der höchste Spread seit dem 12. August, berichtete PVM. "Der Markt für leichte Destillate ist ziemlich eng momentan. Erschwerend kommt hinzu, dass Westafrika und der Nahe Osten viel nachfragen", schrieb auch das Wiener Beratungshaus JBC Energy. "Das stützt den europäischen Benzinpreis."
Washington nimmt Spekulanten ins Visier
Dabei ist der Ölpreis gerade wieder durch die Politik unter Druck geraten: Die Analysten der Commerzbank machten für den jüngsten Preisrutsch US-Präsident Barack Obama verantwortlich, der den Banken den Eigenhandel verbieten will. Damit gerieten einmal mehr die Spekulanten ins Visier. Die neue Unsicherheit dürfte den Ölpreis zunächst weiter belasten, glauben die Analysten. Wie lukrativ die Spekulation ist, hatte gerade die US-Großbank Goldman Sachs bewiesen - sie führte ihren Milliarden-Gewinn unter anderem auf Rohstoff-Trades zurück.
Schon zuvor hatten die Lagerdaten des US-Energieministeriums für negative Stimmung am Energiemarkt gesorgt: Zwar sind die Rohöllagerbestände in den USA in der vergangenen Woche laut Commerzbank entgegen den Erwartungen um knapp 500.000 Barrel gesunken. Auch die Destillate-Vorräte gingen um 3,3 Millionen Barrel zurück. Die Benzinbestände stiegen allerdings mehr als doppelt so stark wie erwartet um vier Millionen Barrel (siehe US-Benzin). Besonders negativ steche die geringe Nachfrage der US-Raffinerien hervor - diese liege bereinigt um Sonderfaktoren wie etwa durch Hurrikane auf dem niedrigsten Niveau seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1989.