Ölpreis steigt - Hoffnung auf wirtschaftliche Erholung
12.05.2009, 20:53 Uhr | sky
Neue Konjunktur-Hoffnung - Ölpreis steigt (Foto: imago)Der Ölpreis nimmt wieder Kurs auf die Marke von 60 Dollar. Zuletzt kostete ein Fass der US-Sorte WTI so viel wie seit sechs Monaten nicht mehr. Marktteilnehmer begründen diese Entwicklung vor allem mit der Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung. Diese würde die Nachfrage nach Plastik, Farbe, Benzin, Diesel oder Schmierstoffen wieder kräftig ankurbeln.
Der Ölpreis hat in den vergangenen Tagen kräftig angezogen: Ein Fass der Rohöl der Sorte West Texas Intermediate WTI) kostete zuletzt 58,22 Dollar. Anfang Dezember vorigen Jahres hatte der Barrel noch bei rund 34 Dollar notiert. Nach der Veröffentlichung der Ergebnisse des "Stresstests" für die US-Banken sei Optimismus in den Markt eingekehrt, sagten Händler. Auch die Aktienmärkte reagierten mit Kursaufschlägen, nachdem die Veröffentlichung keine unangenehmen Überraschungen gebracht hatte. "Wir sind aber noch nicht über den Berg", warnte ein Händler. Die Wirtschaft müsse sich erst noch erholen und es könne immer noch zu einem erneuten Preisrückgang am Ölmarkt kommen.
Experten sehen kurzfristigen Rücksetzer
Die Commerzbank beurteilt die Lage zweigeteilt. Kurzfristig halten die Experten den zuletzt starken Preisanstieg für verfrüht. Die Analysten erwarten in Kürze eine starke Korrektur bei Rohstoffen. Eine baldige Rückkehr in die Preisspanne zwischen 45 und 55 Dollar je Barrel sei wahrscheinlich, da die Angebotsrisiken im Ölgeschäft noch nicht zurückgegangen seien. Zuletzt kursierten immer wieder Presseberichte über Rohöl, das wegen der niedrigen Nachfrage auf Öltankern gebunkert werde.
Wohl bald wieder mehr Öl aus Venezuela
Die Verstaatlichung von weiten Teilen der Ölindustrie in Venezuela bezeichnete die Commerzbank als einen Akt der Verzweiflung: Zuletzt hätten sich Meldungen gehäuft, dass staatliche Gesellschaft Petroleos de Venezuela (PDVSA) bei den Dienstleistern in Zahlungsverzug geraten sei. Insofern könnte der jüngste Rückgang der Ölproduktion Venezuelas um knapp zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr teilweise unfreiwilliger Natur gewesen sein.
Venezuela verstaatlicht Ölindustrie
Künftig will die PDVSA die Kontrolle über Anlagen und Güter von Zulieferern, Transport- und anderen Subunternehmen in der ölreichen Gegend um den Maracaibo-See selbst übernehmen. Laut dem venezolanischen Energieminister Rafael Ramirez bleiben private Bohrfirmen von den Maßnahmen unberührt. Das südamerikanische Land ist Mitglied der OPEC und besitzt Ölreserven in einem Umfang von etwa 99 Milliarden Barrel. Bei den Service-Unternehmen der Ölindustrie des Landes arbeiten etwa 20.000 Menschen. Angesichts der auf fast acht Milliarden Dollar geschätzten Verschuldung des Staatsunternehmens PDVSA sind sich jedoch auch Gewerkschafter darüber uneins, ob die Verstaatlichung den Arbeitnehmern Vorteile bringt. Die Commerzbank urteilte, Venezuela brauche jetzt einen weitaus höheren Ölpreis, um Budget zu finanzieren.
Die Preise dürften langfristig zulegen
Langfristig sieht die Commerzbank den Ölpreis wieder auf dem Weg in Richtung Norden: Die anhaltend hohen geopolitischen Risiken und schleppende Investitionen seien ein wichtiger Grund für die langfristige positive Einschätzung zum Ölpreis der Bank. Gerade hat das bedeutende Ölförderland Saudi-Arabien einer Förderausweitung eine Absage erteilt. Das Angebot übersteige weiterhin die Nachfrage, sagte der Chef von Saudi Aramco, Khalid al-Falih.