26.08.2010, 10:00 Uhr | Financial Times Deutschland
Der Preis für Erdgas folgt nicht mehr dem Ölpreis (Foto: imago)Die Debatte über Sinn und Unsinn der Kopplung von Gas- und Ölpreisen erledigt sich derzeit von selbst. Nach einer Erhebung des Verbraucherportals Verivox folgen die Preise von Erdgas für private Verbraucher seit einem Jahr nicht mehr den Ölpreisen.
Danach sind die Durchschnittspreise für leichtes Heizoel zwischen August 2009 und Juli 2010 um 28,8 Prozent gestiegen. Gleichzeitig verbilligte sich der Gaspreis im Schnitt um 5,5 Prozent. "Erstmals sehen wir einen deutlichen Trend zur Entkopplung des Gaspreises vom Heizölpreis ", sagte Peter Reese, Leiter Energiewirtschaft bei Verivox.
Die Gaspreisbindung bricht auf
Die Anbieter brechen mit einer seit Jahrzehnten geltenden Regel. Danach folgen die Gaspreise den Ölpreisen (siehe WTI-Öl und Brent) mit einer Verzögerung von einigen Monaten. Basis war die Kopplung der Gaspreise an Ölindizes in privatrechtlichen Abnahmeverträgen über die gesamte Lieferkette, also von Gaslieferanten über Importeure bis zu Stadtwerken.
Mobiles Flüssiggas schafft einen echten Markt
In der Aufbauzeit der Gaswirtschaft wollte die Branche einen konstanten Preisabstand zur Konkurrenzenergie Öl halten, um keine Marktanteile zu verlieren. So schützte sie ihre kapitalintensive Infrastruktur aus Pipelines, Speichern und Anlagen vor Wertverlust. Inzwischen bildet sich aber ein eigenständiger Gasmarkt heraus. Der Brennstoff ist als Flüssiggas auch unabhängig von Pipelines zu transportieren, Wettbewerbsbehörden drängen immer mehr auf Marktöffnung.
Die Kunden profitieren
Gasanbieter fahren nun unterschiedliche Marktstrategien. "Die jeweiligen Unternehmensziele prägen die Preispolitik der Anbieter", so Verivox. So versuchten einige Unternehmen, über niedrige Preise Kunden zu gewinnen, während für andere die Optimierung der Marge im Vordergrund stehe. Die Preisdifferenzierung nehme daher zu. Ein Musterhaushalt könne durch einen Wechsel zu einem günstigeren Anbieter im Schnitt 238 Euro sparen.
Gazprom warnt vor steigenden Gaspreisen
Die großen Gaslieferanten pochen dagegen weiter auf Langzeitverträge mit Preisbindung an Öl. Die Erosion der Kopplung werde größere Preisschwankungen zur Folge haben, warnte Gazprom-Vize Alexander Medwedew in einem Interview mit der "Financial Times Deutschland". Er sagte eine stetige Steigerung der Gaspreise voraus. Die Nachfrage werde 2012 wieder das Vorkrisenniveau erreichen.