Betuchte Investoren setzen in Krisenzeiten auch auf Oldtimer als Geldanlage (Quelle: dpa)Es kriselt, die Banken sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren, und welcher Arbeitsplatz sicher ist, kann auch niemand sagen. Wer sollte in so einer Situation noch an Oldtimer denken? An Autos also, die zwar schön anzusehen, aber weder technisch auf der Höhe der Zeit noch als alltagstauglich gelten. Es gibt dennoch eine Menge Leute, die sich gerade jetzt mit Oldtimern beschäftigen. Denn ein altes Auto gilt nicht nur als schick, sondern auch als Wertanlage.
Der Wert von automobilen Klassikern ist immer wieder ein Thema, etwa beim jährlichem Concours d'Elegance im kalifornischen Pebble Beach. Dort führen die Oldtimer-Fans ihre bis zur Perfektion restaurierte Edel-Mobile vor. Immer wieder wird auch über Auktionen berichtet, bei denen ein historischer Ferrari für mehrere Millionen Euro den Besitzer wechselt. Eines der jüngsten Beispiele war ein lange verschollener Bugatti, der in einer Garage entdeckt wurde und der für 3,5 Millionen Euro den Besitzer wechselte.
Oldtimer sind krisenfest
Im Zeichen der Wirtschaftskrise ist der Oldtimermarkt in Bewegung geraten, denn die alten Flitzer gelten als wertstabiles Anlageobjekt. "Es gibt eine Flucht in die Sachwerte", sagt Dieter Ritter, Oldtimer-Fachmann des Automobilclubs von Deutschland (AvD). Menschen, die das Vertrauen in Wertpapiere verloren haben, stecken ihr Geld in Dinge, bei denen sie auf einen nachhaltigen Werterhalt oder gar eine Wertsteigerung hoffen. Und hier gehören neben alten Weinen und Whiskys auch Oldtimer dazu. Auch die Organisatoren der weltgrößten Oldtimer-Messe Techno-Classica in Essen (2. bis 5. April) sind trotz Autokrise zuversichtlich: Rund 2500 Klassiker werden in diesem Jahr ausgestellt und teils zum Verkauf angeboten. Das sind so viele wie noch nie zuvor.
Gute Autos zu stattlichen Preisen
Allerdings gibt es bei Oldtimern derzeit mehrere unterschiedliche Bewegungen. So werden gute Autos weiterhin zu stattlichen Preisen angeboten und auch gekauft. "Bei den wirklich guten Fahrzeugen sind die Preise sogar gestiegen", sagt Frank Wilke vom Marktbeobachter Classic Data. Anders sieht es dagegen bei den bislang so beliebten Youngtimern in durchschnittlichem Zustand aus. Wilke nennt als Beispiel Fahrzeuge wie die 02-Reihe von BMW, einen Opel Ascona oder den britischen Roadster-Klassiker MG B. "Hier ist als Verkäufer im Augenblick nur über den Preis etwas zu machen."
Kenner sind auf Einkaufstour
Zu bemerken ist laut Wilke aber auch, dass in der aktuellen Situation vor allem Kenner der Materie kaufen. "Bei den wirklichen Neukunden im Oldtimer-Bereich steigt die Zahl nicht mehr so stark wie in den vergangenen Jahren." Tatsächlich aber könnte gerade in dem derzeit nicht so gefragten Bereich der günstigen Autos der Einstieg Sinn machen. Denn dass die Verkäufer sich bei den Preisen nachgiebig zeigen müssen, kann für Käufer nur gut sein: "In diesem Zusammenhang muss man nicht vor einem Kauf warnen, sondern eher dazu raten."
Angebot an Oldtimern ist begrenzt
Wer nach einem hochwertigen Oldtimer vom renommierten Klassiker-Händler sucht, kann dagegen Probleme haben, überhaupt etwas zu bekommen. "Bei einigen Händlern ist das Angebot im Augenblick reduziert", sagt Dieter Ritter. Was eben auch damit zusammenhängt, dass einige private Besitzer ihren Oldtimer gerade jetzt nicht abstoßen. Vielmehr wird er eben als sicheres Kapital behalten.
Experten: Oldtimer eine sinnvolle Anlage
Wie vielseitig das Thema Oldtimer im Augenblick sein kann, erklärt Oldtimer-Experte Johann König vom ADAC mit einem anderen Beispiel: "Es kann passieren, dass der eine oder andere Sammler Fahrzeuge verkaufen wird - einfach aus dem Grund, dass er das Geld braucht." Einig sind sich die Fachleute auf jeden Fall darin, dass der Oldtimer auch in Zukunft eine sinnvolle Geldanlage sein wird. "In den vergangenen 50 Jahren sind die Preise für Oldtimer immer gestiegen", so Wilke. Zwar habe es zeitweise auch Preiseinbrüche gegeben. "Aber die Preise sind dann immer wieder angestiegen, und zwar auch über das vorherige Niveau."
Wertsteigerungen von bis zu acht Prozent
Wie hoch der Wertzuwachs ist, hängt vom Fahrzeug und vom Umgang damit ab. "Nach unseren Erfahrungen liegen die Wertsteigerungen jährlich bei etwa fünf bis acht Prozent", sagt Ritter. Aber dieser Durchschnitt bedeutet nicht, dass es jedes Jahr so bergauf geht. Johann König vom ADAC weist darauf hin, dass "man immer damit rechnen muss, dass es einmal eine Weile keine Wertsteigerung gibt."
Nutzung mindert den Wert
Außerdem ist noch an weitere Punkte zu denken: Wer den Klassiker häufiger auch auf der Straße bewegt, hat zusätzliche Kosten für Unterhalt, Betrieb und Wartung. Außerdem kommt es zu Abnutzung und Gebrauchsspuren, die wiederum den Wert drücken können. Im Endeffekt geht es eben darum, ob ein altes Auto wirklich nur als Investition angesehen wird oder ob es vor allem um die Oldtimer-Liebhaberei geht, bei der eine mögliche Wertsteigerung zweitrangig ist.