Opel will die Eigenständigkeit - doch GM besitzt die so wichtigen Opel-Patente (Foto: dpa)Opel besitzt nach einem Pressebericht die eigenen Patente für die Fahrzeugentwicklung nicht mehr. Diese seien vor vier Jahren an eine Gesellschaft von General Motors im US-Bundesstaat Delaware mit dem Namen GM GTO abgetreten worden, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) und bezieht sich dabei auf Aussagen von Opel-Mitarbeitern und auf den Jahresabschluss zum Dezember 2007. Deshalb sei Opel jetzt zur Entwicklung von Fahrzeugen auf Überweisungen von GM angewiesen und müsse im Gegenzug für jedes verkaufte Auto eine Lizenzgebühr an den Mutterkonzern entrichten. Ohne eigene Patente sei der deutsche Autobauer nicht mehr in der Lage, seine eigenständige Produktion fortzuführen, so die Einschätzung.
Früher sei das umgekehrt gewesen. Da habe Opel je außerhalb von Deutschland im GM-Verbund verkauftem Fahrzeug eine Lizenzgebühr von fünf Prozent erhalten. Dem "FAZ"-Bericht zufolge waren erhebliche Beträge dadurch zusammengekommen, da zum Beispiel in Südamerika die Modelle Corsa, Astra und Vectra sehr gefragt waren. So wurde unter anderem nach Japan in Spitzenzeiten bis zu 50.000 Fahrzeuge oder Teilesätze geliefert, berichtet die Zeitung.
Vereinbarung belastet Opel sehr
Die Auswirkungen die durch den heutigen Europachef Carl-Peter Forster vollzogene Vereinbarung belastet den deutschen Autobauer schwer. Opel sei dadurch nicht mehr in der Lage ein Entwicklungsbudget selbst aufzustellen und zu verdienen, so die "FAZ".
Bericht: Ohne Rechte ist Opel kaum überlebensfähig
Nach Informationen der Zeitung ist Opel ohne Rückübertragung oder Rückerwerb der Rechte nicht in der Lage eine eigenständige Produktion aufrecht zu erhalten. Außerdem bediene GM den im Gegenzug der Vereinbarung erhaltenen Schuldschein, der 1,8 Milliarden Euro ausmache, bislang nicht, und es sei unsicher, ob dieser Betrag jemals fließe. In jedem Fall reiche er nicht aus, um die Produktion von Opel aufrechtzuerhalten. Dazu seien noch viele Milliarden Euro mehr notwendig, so der Bericht.
Stunde der Wahrheit schlägt
Unterdessen schlägt für Opel heute die Stunde der Wahrheit. Der Aufsichtsrat des angeschlagenen Autobauers will bei einer Krisensitzung über den Rettungsplan des Managements beraten. Ein solcher Plan ist Voraussetzung dafür, dass die Bundesregierung Opel wie gewünscht unter die Arme greift. Schlüsselelement des Konzepts dürfte die Trennung von dem ums Überleben kämpfenden Mutterkonzerns General Motors werden.
Braucht Opel bis zu neun Milliarden Euro?
Von dem Sanierungsplan werden auch offizielle Angaben dazu erwartet, wie viel Hilfe Opel benötigt. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wurde von General Motors - und Opel-Managern in den Verhandlungen mit Bund und Ländern ein langfristiger Kapitalbedarf von acht bis neun Milliarden Euro genannt. Opel-Chef Hans Demant wies diese Größenordnung als "völlig aus der Luft gegriffen" und "absurd hoch" zurück. Bisher war von Krediten oder Bürgschaften von rund 3,3 Milliarden Euro die Rede gewesen.
GM-Chef zu Gesprächen in Washington
In den USA traf sich unterdessen die Führung des Mutterkonzerns GM zu einem Krisengespräch mit der Regierung in Washington. Nach Angaben informierter Kreise bekräftigte GM-Chef Rick Wagoner bei dem sechsstündigen Treffen am Donnerstagabend seine Forderung nach weiteren Staatshilfen in Höhe von 16 Milliarden Dollar (12,6 Milliarden Euro). Es war das erste Treffen von General Motors mit der sogenannten Auto-Task-Force der Regierung von Präsident Barack Obama. Weitere Einzelheiten der als vertraulich eingestuften Gespräche wurden nicht bekannt.
Milliarden-Verlust in 2008
Zuvor hatte der Konzern für 2008 einen schwindelerregenden Verlust von 30,9 Milliarden Dollar (24,3 Milliarden Euro) bekanntgegeben. Auch das Geschäft in Europa mit der Hauptmarke Opel rutschte tiefer in die roten Zahlen. Der operative Verlust verfünffachte sich auf 2,9 Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro).
Deutschland verärgert über GM
Die Bundesregierung zeigt sich inzwischen zunehmend verärgert über GM und mahnte in den USA tragfähige Konzepte an, um die mehr als 25 000 Arbeitsplätze an den vier deutschen Standorten zu bewahren. Mehrere Tausend Opel-Beschäftigte demonstrierten in Europa am Donnerstag für ihre Jobs.