05.06.2009, 09:32 Uhr | Financial Times Deutschland
Opel bleibt weiterhin ein gefragter Übernahmekandidat (Montage t-online.de, Foto: imago)Der Autobauer BAIC gibt sich im Kampf um einen Einstieg bei Opel nicht geschlagen. Der chinesische Autobauer Beijing Automotive Industry Corporation (BAIC) hat sich FTD-Informationen zufolge die Dienste der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) gesichert, falls die Verhandlungen zwischen der Opel-Mutter General Motors (GM) und dem kanadisch-österreichischen Konzern platzen.
"PwC soll bereitstehen, falls BAIC intensiven Einblick in die Bücher von Opel bekommt", sagte ein Verhandlungsteilnehmer. Ein PwC-Sprecher lehnte einen Kommentar ab. Das Vorpreschen der Chinesen erhöht den Druck auf Magna, schon bald zu einem Verhandlungsergebnis zu finden. Derzeit ist der Zulieferer der präferierte Interessent und hat deswegen als Einziger Zugang zu den internen Daten von Opel. Magna befinde sich nun in einer vertieften Prüfung der Opel-Bücher (Due Diligence), hieß es aus dem Umfeld der Verhandlungen. Allerdings gebe es für den Konzern keine formale Exklusivität im Opel-Investment. "Es gibt weder eine mündliche Zusage noch eine schriftliche", hieß es.
Magna auf dem richtigen Weg
Magna gilt aber als nicht mehr aufzuhalten, wenn der Konzern sich an seine Zusagen hält. Mit PwC hat BAIC bereits das dritte Schwergewicht an ihrer Seite: Das chinesische Unternehmen hat die Deutsche Bank als Investmentbank verpflichtet, Daimler, mit dem BAIC seit Langem eine Zusammenarbeit unterhält, hilft beim industriellen Konzept.
Chinesen wollen ihr Angebot nachbessern
Dennoch werben BAIC-Vertreter derzeit bei General Motors (GM) in den USA, um ebenfalls möglichst rasch in eine intensive Due Diligence einsteigen zu können, um dann ihr Konzept aufzubessern. Vorigen Dienstag hatten sie bereits das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin über ihre Pläne informiert. Die Bundesregierung stellt für das Überleben Opels Bürgschaften und Kredite und hat deswegen ein wichtiges Mitspracherecht.
GM hat das letzte Wort
"Der Schlüssel für die Chancen der Chinesen liegt wohl bei GM", sagte der Verhandlungsteilnehmer. BAIC will die Amerikaner unter anderem mit dem Angebot einer engen Kooperation auf dem wichtigen chinesischen Markt überzeugen, war allerdings deutlich später als Magna in den Bieterprozess eingestiegen.
Magna hat nur einen Vorvertrag
Auch für Fiat würde sich die Tür zu Opel wieder öffnen, sollte Magna sich nicht mit General Motors und der Bundesregierung einigen. Berlin hatte vor Kurzem betont, dass es mit Magna lediglich einen Vorvertrag gebe, der Prozess aber weiter offen für andere Bieter sei. Das bedeutete hoffentlich, dass die Entscheidung zugunsten von Magna in einem halben Jahr überprüft werde, sagte Italiens Industrieminister Claudio Scajola am Donnerstag.
Fiat wittert auch noch eine Chance
Dies biete Fiat noch Chancen. Der italienische Autobauer war vor allem deshalb aus dem Rennen ausgeschieden, weil Magna einen kurzfristigen Überbrückungskredit an Opel von 300 Millionen Euro zugesagt hatte, den Fiat nicht leisten wollte. Nun hat jedoch der deutsche Staat über die Staatsbank KfW den Kredit selbst geleistet.
Sberbank will Opel-Anteil zügig wieder verkaufen
Gleichzeitig sorgte die russische Sberbank, Magnas Partner für den Einstieg bei Opel, für Irritationen. Sberbank-Chef German Gref kündigte am Donnerstag an, dass die Bank ihren Anteil nach dem Umbau Opels wieder verkaufen werde. "Sberbank plant nicht, als strategischer Partner in diesem Geschäft zu bleiben", sagte er laut Agentur Interfax auf dem Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg. Magna plant, dass GM 35 Prozent an Opel behält, und zehn Prozent an Händler sowie Mitarbeiter gehen. Magna will 20 Prozent halten, die Sberbank 35 Prozent. Der Zugang zum russischen Automarkt ist wesentlicher Teil des Magna-Konzepts. Gref betonte, als späterer Investor komme in erster Linie ein russischer Partner infrage.