Magna liegt im Rennen um Opel vorne (Quelle: imago)Der kanadisch-österreichische Autozulieferer Magna liegt im Rennen um die Opel-Übernahme vorne: Bundesregierung und Ministerpräsidenten der betroffenen Länder zeigten sich bei einem Treffen in Berlin in dieser Einschätzung einig. Bei der endgültigen Entscheidung sieht die Bundesregierung jedoch vor allem die US-Regierung und die von Insolvenz bedrohte Opel-Mutter GM am Zug. Die entscheidende Frage über den Verkauf von GM-Europe und Opel sowie über ein Modell zur Eigenständigkeit müsse in den USA beantwortet werden, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin.
SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier zeigte sich nach dem Gespräch zuversichtlich über eine mögliche Lösung. Man sei ein gutes Stück vorangekommen. Es gebe drei Interessenten, darunter sei auch ein "sehr tragfähiges Konzept" sagte der Außenminister und SPD-Vize mit Blick auf die Offerte der österreichisch-kanadischen Zuliefererfirma Magna. Die noch offenen Fragen sollten von Mitarbeitern der Bundesregierung schnellstmöglich geklärt werden. Mit endgültigen Entscheidungen rechnet Steinmeier in den nächsten Tagen. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) betonte, es gebe ein "Bündel an offenen Fragen". Er "plädiere sehr dafür", alle drei Interessenten im Blick zu halten. Magna habe ein interessantes Konzept vorgelegt, entscheidend sei aber die "Risikobewertung". Es habe sich gezeigt, dass sich Konzepte auch sehr kurzfristig ändern könnten.
Rüttgers stellt sich quer
Nach Worten Guttenberg soll nach dem Treffen in Kürze auch eine Entscheidung fallen. "Wir müssen bis nächste Woche Grundentscheidungen getroffen haben", sagte Guttenberg. Als Problem könnte sich dabei jedoch das Land Nordrhein-Westfalen erweisen, das nach Aussage seines Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) dem Konzept von Magna nicht zustimmen kann. Rüttgers sprach von einer überproportionalen Belastung seines Landes im Unterschied zu den anderen Bundesländern. Zustimmung signalisierten hingegen seine Kollegen Roland Koch (CDU) und Kurt Beck (SPD). Koch sagte Magna habe das interessanteste Übernahmeangebot vorgelegt. Beck erklärte, es gebe einen "gemeinsamen Willen", die Verhandlungen mit Schwerpunkt Magna fortzuführen. Dabei sollen jedoch auch laut Beck die anderen beiden Angebote nicht als aussichtslos eingeordnet werden.
Deutsche Werke sollen erhalten bleiben
Magna International will für den Fall einer Opel-Übernahme alle deutschen Standorte des Autobauers erhalten. Auch die Zentrale in Rüsselsheim und die dortige Entwicklungsabteilung sollen erhalten bleiben, sagte Geschäftsführer Siegfried Wolf in Berlin. Unternehmenssprecher Daniel Witzani bestätigte, der dem Bundeswirtschaftsministerium vorgelegte Plan sehe eine Beteiligung von jeweils 35 Prozent für die Opel-Mutter General Motors (GM) und die russischen Magna-Partner, den Autobauer Gaz und die Sberbank, vor. Magna selbst wolle eine 20-prozentige Beteiligung, zehn Prozent würde die Opel-Belegschaft halten.
Keine Garantie für England und Antwerpen
Um Stellenstreichungen wird Opel wohl in keinem Fall herumkommen. Wolf kündigte an, bei der Verwirklichung der Magna-Pläne würden jedoch "deutlich weniger als 18.000 Arbeitsplätze" bei Opel abgebaut. Wie viele es genau sein würden, lasse sich noch nicht sagen. Magna könne aber keine Garantie für die Opel/Vauxhall-Werke in England sowie in Antwerpen abgeben. Für diese Standorte werde man versuchen, "andere europäische Autobauer zu gewinnen", sagte Sprecher Witzani. Insgesamt erwartet der Konzern Staatsgarantien zur Absicherung des Betriebs bei Opel in Höhe von etwa vier bis fünf Milliarden Euro. Das Magna-Konsortium selbst will nach Angaben von Wolf bis zu 700 Millionen Euro investieren.
Fiat widerspricht Berichten über Stellenstreichungen
Fiat widersprach unterdessen Medienberichten, wonach im Falle eines Einstiegs bei Opel rund 18.000 Stellen gestrichen werden sollen - auch in Fiat-Werken. Magna plant den Berichten zufolge den Abbau von rund 10.000 Stellen. Tatsächlich sollten bei einem Fiat-Einstieg europaweit etwa 10.000 Arbeitsplätze gestrichen werden, teilte der Konzern in Turin mit. Das Fiat-Konzept sehe "eine über einen längeren Zeitraum gestreckte Reduktion von Arbeitsplätzen von insgesamt 10.000 Stellen in ganz Europa vor." Opel beschäftigt in vier deutschen Werken rund 25.000 Menschen.
GM erzielt Einigung mit Gewerkschaft
GM hat unterdessen mit der Autogewerkschaft UAW eine vorläufige Einigung zu milliardenschweren Forderungen erzielt. GM steht bei den Gewerkschaften mit rund 20 Milliarden Dollar (14,4 Mrd Euro) für den Gesundheitsfonds der Betriebsrentner in der Pflicht. Diese Summe will GM halbieren und weitere Zugeständnisse bei den Lohnkosten erreichen. Im Gegenzug hat der Autobauer der UAW einen Anteil von 39 Prozent am Konzern angeboten, der Staat soll nach bisherigen Plänen 51 Prozent bekommen. Ein Ultimatum von US-Präsident Barack Obama für GM läuft Ende Mai ab. Kann der Konzern bis dahin keinen tragfähigen Rettungsplan vorlegen, droht die Insolvenz.