19.08.2009, 10:25 Uhr | Financial Times Deutschland
Die Regierung verschärft die Einstiegsbedingungen bei Opel (Foto: ddp)Bund und Länder verlangen von den Opel-Interessenten Magna und RHJ International mehr Eigenkapital im Falle eines Einstiegs bei dem deutschen Autobauer: Bedingung für eine staatliche Absicherung des Geschäfts sei eine Eigenkapitalquote von zehn Prozent, gemessen an den beantragten Bürgschaften. Das erfuhr die "Financial Times Deutschland" (FTD) am Dienstag aus Verhandlungskreisen.
Bieter müssen bei Opel nachbessern
Nach den bisher vorliegenden Angeboten erfüllten allerdings weder Magna noch RHJ die Vorgabe. "Da werden sie noch einmal nachbessern müssen", sagte eine an den Verhandlungen beteiligte Person. Allerdings sei man optimistisch, dass man bei den Bietern in diesem Punkt zügig Fortschritte erzielen könne.
Regierung macht im Fall Opel Druck
Die Erfahrung der vergangenen Monate lehrt jedoch etwas anderes: Seit Monaten fordert insbesondere Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), die beiden Interessenten müssten mehr Eigenkapital für den neuen Autokonzern bereitstellen - mit geringem Erfolg. In Verhandlungskreisen gibt man sich jedoch hartnäckig: "Es ist legitim, auch mal Druck zu machen", hieß es hier. Bisher habe General Motors (GM) die Verhandlungen mit den Bietern geführt, die Eigenkapitalausstattung sei dabei nachrangig gewesen. Jetzt müssten Bund und Länder ihre Interessen einbringen.
Franz: Forderung ist realistisch
Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz sagte der "FTD", er wisse nichts von der Forderung. Er halte sie aber für realistisch. "Jeder Investor, der mit einem höheren Maß an Eigenkapital einsteigt, zeigt, dass er es ernst meint", sagte er. Ein Hindernis für den Abschluss des Geschäfts sieht er darin nicht. Er gehe nicht davon aus, dass ein Investor wie Magna deshalb abspringen werde.
Das wollen die Bieter bislang riskieren
Der Finanzinvestor RHJ hat bisher offiziell 275 Millionen Euro Eigenkapital angeboten und fordert Bürgschaften von Bund und Ländern über 3,8 Milliarden Euro. Allerdings hieß es zuletzt, der Investor wolle mit weniger Bürgschaften auskommen. In RHJ-Kreisen war am Dienstag zu hören, angesichts der nun eingeplanten Bürgschaften sei man "zuversichtlich, das Kriterium zu erfüllen". Magna war ursprünglich sogar nur bereit, 100 Millionen Euro Eigenkapital sowie später eine Wandelanleihe über 400 Millionen Euro zu investieren. Inzwischen hat der kanadisch-österreichische Zulieferer seine Offerte aber nachgebessert. Zuletzt war von 350 Millionen Euro Eigenkapital und einer Wandelanleihe über 150 Millionen Euro die Rede. Gemessen an Bürgschaften über 4,5 Milliarden Euro, die der Konzern eingeplant hat, wäre dies aber immer noch zu wenig.
Magna gibt sich "flexibel"
Tatsächlich hieß es auch in Magna-Kreisen, die Zehn-Prozent-Hürde sei "keine unerfüllbare Bedingung". Allerdings will man sich zur Aufteilung zwischen Wandelanleihe und echtem Eigenkapital nicht mehr äußern. Hier sei man "unter Umständen flexibel". Fest stehe aber, dass Magna und die an der Offerte beteiligte russische Sberbank maximal 500 Millionen Euro eigenes Geld investieren wollten.
Entscheidung zu Opel noch diese Woche?
Guttenberg lobte am Dienstag die Magna-Offerte. Der Konzern habe nachgebessert und ein "sehr umfangreiches Konzept vorgelegt", sagte der Minister bei einer Veranstaltung in Nordrhein-Westfalen. "Es sind noch einige positive Elemente drin, die auch Forderungen aus meinem Hause waren. Jetzt hoffen wir, dass das Konzept so gut ist, dass General Motors das auch für das reizvollste erachtet." Wann sich der Opel-Mutterkonzern in Detroit zu den beiden Angeboten äußern wird, ist aber noch unklar. Bund und Länder dringen auf ein Votum möglichst noch diese Woche.