Opel-Mitarbeiter demonstrieren für Zukunft ohne GM
26.02.2009, 16:23 Uhr | mfu
Opel-Mitarbeiter demonstrieren für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze (Foto: AP)Rund 15.000 Opel-Mitarbeiter haben in Rüsselsheim für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze demonstriert. Dabei wurde eins klar: Viele Opelaner können sich eine Zukunft unter dem Dach der Konzernmutter General Motors (GM) nicht mehr vorstellen und fordern die Abtrennung. Auch die Bundesregierung begegnet den US-Autoriesen zunehmend skeptisch.
Der Chef des Opel-Betriebsrats, Klaus Franz, forderte bei der Kundgebung am Stammsitz des Autobauern, aus Opel ein "eigenständiges europäisches Unternehmen" zu machen. Sonst bestehe die Gefahr, dass GM die Töchter in Europa mit in den Abgrund reißt: Einschnitte seien beim Umbau des Autoherstellers aber wohl nicht zu vermeiden. Ziel der Opel-Führung bei der Neuausrichtung des Traditionsunternehmens müsse es sein, weitgehend auf Werkschließungen und betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten, sagte Franz.
Zahlreiche Hilfsangebote für Opel
Es sei beeindruckend von welcher Seite Opel in den vergangenen Tagen Hilfsangebote erhalten habe, sagte Franz. So hätten die europäischen Opel-Händler dem Unternehmen angeboten, in beträchtlichem Umfang Unternehmensanteile zu kaufen, wenn dies GM zulasse. Bei der vom Händlerverband Euroda angebotenen Summe habe es sich "nicht nur um zweistellige Millionenbeträge gehandelt, sondern viel mehr". Auch gebe es eine erhebliche Bereitschaft der Opel-Mitarbeiter, sich an dem Unternehmen zu beteiligen.
Steinmeier warnt vor Opel-Pleite
Auf der Opel-Demo äußerte sich auch SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier zur Krise des Autobauers: So warnte er vor den Folgen einer möglichen Opel-Pleite für den Industriestandort Deutschland. "Was jetzt in Deutschland wegbricht, kommt nicht wieder", sagte Steinmeier. Deswegen müssten sich Bund und Länder nun zusammensetzen, um über Hilfen für Opel zu diskutieren. Steinmeier regte auch Gespräche mit ebenfalls betroffenen EU-Mitgliedstaaten an, um eine gemeinsame europäische Lösung für Opel zu finden.
Auch Demos an anderen GM-Standorten
Die Demo in Rüsselheim war Teil eines "Europäischen Aktionstags" an den Standorten von GM in Europa. Demnach demonstrierten auch Mitarbeiter der Opel-Schwester Vauxhall und der insolventen schwedischen GM-Tochter Saab für eine Zukunft ihrer Unternehmen. GM hatte in der vergangenen Woche den Abbau von 47.000 Stellen angekündigt, 26.000 davon außerhalb der USA. Unterdessen meldete GM am Donnerstag, im vergangenen Jahr einen massiven Milliardenverlust eingefahren zu haben. Der Konzern verbuchte 2008 ein Minus von 30,9 Milliarden Dollar (24,1 Milliarden Euro), wie das Unternehmen mitteilte
Bundesregierung über GM verärgert
Die Riesenverluste des Konzerns dürften die Rettungsbemühungen des Staates erschweren. Neben den Beschäftigten reagieren zunehmend auch Politiker verärgert auf General Motors. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) warf dem US-Konzern vor, zu wenig Informationen über das Zukunftskonzept für Opel zu liefern.
Keine Hilfen ohne Konzept
Bisher hätten potenzielle Investoren und auch die Bundesregierung nicht einmal ansatzweise eine Ahnung davon, wohin der Konzern überhaupt wolle. Guttenberg forderte einen Sanierungsplan mit "konzeptioneller Tiefe". Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stellte Hilfen nur bei einem tragfähigen Zukunftskonzept in Aussicht. An diesem Freitag soll das Konzept dem Opel-Aufsichtsrat vorgelegt werden. Guttenberg will danach mit den zuständigen Regierungschefs der "Opel-Länder" Rheinland-Pfalz, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen zusammenkommen. Er wolle spätestens an diesem Samstag mit den Ministerpräsidenten sprechen, kündigte Guttenberg an.