Kampf um Opel - Weitere Krisenberatungen (Quelle: AP)Nach der Vorlage der Übernahmekonzepte von Investoren berät die Bundesregierung heute über die Rettung von Opel. Die zuständigen Bundesminister sowie die Ministerpräsidenten der vier Opel-Bundesländer Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Thüringen treffen sich dazu an diesem Freitag im Bundeskanzleramt. Inzwischen ist ein neuer Opel-Interessent aus China aufgetaucht. Ein chinesischer Hersteller habe der Opel-Mutter General Motors (GM) am Donnerstag schriftlich sein Interesse signalisiert, berichtete die US-Wirtschaftsagentur Bloomberg unter Berufung auf informierte Personen.
Der Brief sei einen Tag nach dem Ende der eigentlichen Frist eingegangen, hieß es ohne weitere Angaben. Ob es aber tatsächlich noch zu einem detaillierten Angebot komme, sei offen. Mit der Offerte aus China befinden sich nun vier Investoren im Rennen um Opel. Angebote hatten der italienische Autobauer Fiat, der kanadisch-österreichische Zulieferer Magna International und der amerikanische Finanzinvestor Ripplewood vorgelegt.
Koch: Magna-Offerte für Opel hat beste Perspektive
Hessens Ministerpräsident Roland Koch sieht den angeschlagenen Autohersteller Opel am besten beim österreichisch- kanadischen Zulieferer Magna International aufgehoben. Dem Deutschlandfunk sagt Koch am Freitag, das Angebot von Magna erfülle am ehesten die Hoffnungen der Arbeitnehmer. Die Fiat-Offerte sei dagegen weit von dem entfernt, was man sich erhofft habe.
Konzepte sehen massive Stellenstreichungen vor
Um Stellenstreichungen wird Opel nach Informationen der "Bild"- Zeitung bei keinem der drei bislang bekannten Konzepte herumkommen. Fiat will der Zeitung zufolge im Falle eines Einstiegs europaweit insgesamt 18.000 Stellen streichen, auch in Fiat-Werken. Magna plane den Abbau von rund 10.000 Stellen. Auch das Ripplewood-Konzept sehe Stellenstreichungen in der Größenordnung vor. Opel beschäftigt in vier deutschen Werken rund 25.000 Menschen.
Magna verlangt Bürgschaften in Milliardenhöhe
Laut "Spiegel Online" will Fiat-Chef Sergio Marchionne im Falle einer Übernahme in allen vier deutschen Opel-Werken Stellen streichen, die Standorte aber erhalten. Nach "Bild"-Informationen verlangt Magna Bürgschaften von rund fünf Milliarden Euro, Ripplewood taxiere den abzudeckenden Kreditbedarf auf unter fünf Milliarden Euro; die höchsten Staatsgarantien verlange Fiat mit rund sieben Milliarden Euro. Nach Informationen von "Spiegel Online" favorisiert die GM-Spitze in Detroit den kanadisch-österreichischen Magna-Konzern, während Fiat demnach nur auf Platz drei liegt.
Task-Force der Bundesregierung sichtet Angebote
In Berlin arbeitet die Opel-Task-Force der Bundesregierung daran, die vorgelegten Konzepte zu sichten. Auch Opel will die Konzepte in den kommenden Tagen eingehend prüfen. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) will eine erste Bewertung der Konzepte am heutigen Freitag im Kanzleramt vorstellen.
GM steht vor der Insolvenz
Die Konzepte müssen sehr rasch geprüft werden. Schon Ende des Monats könnte die Opel-Konzernmutter General Motors in den USA Insolvenz anmelden. Die Bundesregierung will aber Opel mit einem Treuhandmodell aus dem Insolvenzstrudel des Mutterkonzerns heraushalten.
Opel-Beschäftigte planen Notlösung
Unterdessen arbeiten die Beschäftigten an einer Notlösung, sollte die Übernahme durch Fiat, Magna oder Ripplewood scheitern. "Wenn alle Stricke reißen, würden die Arbeitnehmer und die Händler von Opel eine gemeinsame Offerte vorlegen", sagte Betriebsratschef Klaus Franz der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Online-Ausgabe). Die Summe könnte bei 1,5 Milliarden Euro liegen. Davon entfielen eine Milliarde Euro auf einen Lohnverzicht der Beschäftigten und weitere 500 Millionen Euro auf den Rettungsfonds, den die 4000 Opel-Händler schon beschlossen haben.
1,5 Milliarden Euro Überbrückung im Gespräch
Der Finanzbedarf des Autobauers soll über einen verbürgten Kredit, für den der Bund und die Länder je zur Hälfte geradestehen, gedeckt werden. Thüringen will 51 Millionen Euro beisteuern, Nordrhein- Westfalen 150 Millionen Euro und Rheinland-Pfalz rund 102 Millionen Euro. Hessen will sich mit 447 Millionen Euro beteiligen. Insgesamt sind 1,5 Milliarden Euro Überbrückung im Gespräch.