Beratungen über Opel-Rettungskonzepte (Foto: ddp) Der US-Autokonzern General Motors (GM) hat sein Europa-Geschäft mit der Hauptmarke Opel rechtlich abgespalten. Die Unternehmenswerte wie die europäischen Werke, die Patente und der Zugriff auf Technologien sei auf die deutsche Tochter Adam Opel GmbH schuldenfrei überschrieben worden, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Rüsselsheim mit. Fast gleichzeitig ist die Einigung von General Motors mit den Gläubigern gescheitert, so dass eine GM-Insolvenz nur noch eine Frage der Zeit ist.
Der ums Überleben kämpfende Opel-Mutterkonzern ist mit seinem Angebot an die Gläubiger zum Schuldenverzicht gescheitert. Damit gilt ein baldiger Insolvenzantrag als unvermeidlich. Die Zustimmung unter den mehreren zehntausend Kreditgebern sei bei weitem niedriger gewesen als zur Annahme nötig, teilte GM am Konzernsitz in Detroit mit.
Opel frei für neuen Investor
Opel ist dagegen jetzt frei für einen neuen Investor und soll aus der möglichen GM-Insolvenz in den USA herausgehalten werden. Die Bundesregierung hat gemeinsam mit den Ländern für Mittwochabend eine entscheidende Runde angesetzt, um den künftigen Investor festzulegen. Auf dem Spitzentreffen will die Bundesregierung heute die Weichen für die Zukunft des angeschlagenen Autobauers Opel stellen. Unmittelbar vor der drohenden Insolvenz der Opel-Mutter geht es dabei unter anderem um die Bewertung der Konzepte der drei Interessenten Fiat, Magna und Ripplewood. Berater der Bundesregierung äußerten an den Plänen vorab teils herbe Kritik.
Guttenberg fordert Nachbesserungen - sonst...
Bisher überzeugen die Angebote Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) noch nicht. Der Minister forderte Nachbesserungen, andernfalls sei auch eine Insolvenz von Opel möglich. Zudem will die deutsche Seite General Motors und die US-Regierung dazu bringen, den deutschen Hersteller aus dem Konzern herauszulösen und an einen Treuhänder zu übertragen. Auch die geplante und von Bund und Ländern verbürgte Brückenfinanzierung über 1,5 Milliarden soll festgezurrt werden. Damit soll Opel im Falle der erwarteten GM-Insolvenz genügend Liquidität bekommen, um die Zeit bis zum Abschluss der Investorensuche zu überbrücken.
Keine schnelle Entscheidung
Unterdessen fällten die Berater der Bundesregierung ein vernichtendes Urteil über die Konzepte der Bieter für den angeschlagenen Autobauer Opel. Sie empfehlen der Bundesregierung nach Informationen des "Handelsblatt" deshalb, keinesfalls bereits in der Nacht zum Donnerstag einen Bieter auszuwählen. "Eine Vorfestlegung wäre eine Katastrophe", hieß es in Beraterkreisen.
Spitzentreffen bis in die Nacht
An dem Treffen werden neben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg weitere Bundesminister sowie Spitzenvertreter der Länder mit Opel-Produktionsstätten, hochrangige Repräsentanten der Bieter und des Opel-Mutterkonzerns GM teilnehmen. Zunächst hatte es geheißen, am Ende des Treffens, das sich wahrscheinlich bis in die Nacht zum Donnerstag erstrecken wird, werde eine Vorfestlegung für einen Bieter stehen.
Harte Kritik an Magna-Konzept
Besonders kritisch sehen die Berater dem Bericht zufolge das Konzept des österreichisch-kanadischen Autozulieferers Magna International. Würde das Magna-Konzept umgesetzt, "wäre das neue Unternehmen vom ersten Tag an insolvent", hieß es in den Kreisen. Magna fordert nach bisherigen Informationen Bürgschaften der öffentlichen Hand für Kredite im Umfang von 4,5 Milliarden Euro und will weitere 700 Millionen Euro "mitbringen". Es sei irrtümlich der Eindruck entstanden, dass es sich bei den 700 Millionen Euro um eigenes Geld handele, hieß es. Tatsächlich verlange Magna aber für 200 der 700 Millionen Euro staatliche Bürgschaften, die restlichen 500 Millionen Euro seien Mandatory Convertibles. Dabei handelt es sich um Schuldtitel, die zu einem definierten Zeitpunkt in Stamm- oder Vorzugsaktien umzuwandeln sind.
Völlig unzureichende Eigenkapital-Ausstattung
Hinter dem Magna-Konzept steckt dem Bericht zufolge somit eine völlig unzureichende Eigenkapital-Ausstattung. Das Angebot sei in dieser Hinsicht "verheerend" und somit "unakzeptabel". Große Schwächen sehen die Fachleute auch hinsichtlich der Pensionslasten. Hier hatte Magna kürzlich zusätzliche Sicherheit im Umfang von drei Milliarden Euro gefordert. Damit sind nach Angaben der Regierungsberater aber nur etwa 70 Prozent der tatsächlichen Pensionsverpflichtungen abgedeckt.
GM soll mit im Boot bleiben
Zustimmung verdiene aus Sicht der Berater dagegen der Plan des Autozulieferers, den GM-Konzern im Boot zu behalten. Magna will selbst nur 20 Prozent an dem noch zu gründenden Unternehmens halten, in das die europäischen Aktivitäten des GM-Konzerns ausgegliedert werden sollen. Der US-Mutterkonzern soll den Magna-Plänen zufolge mit 35 Prozent an dem Unternehmen beteiligt werden, weitere 35 Prozent gehen an den russischen Partner von Magna, zehn Prozent soll die Belegschaft halten. Dieses Modell stelle aus Sicht der Amerikaner einen gangbaren Weg dar, hieß es.
Fiat will neue weltweite Autofirma
Fiat dagegen will den europäischen GM-Teil komplett aus der bisherigen Konzernstruktur herauslösen. Die Italiener wollen aus der Fiat-Autosparte, dem europäischen GM-Teil und dem kürzlich von Fiat erworbenen Autobauer Chrysler einen neuen, weltweit agierenden Player machen. "GM dürfte kaum dazu beitragen wollen, einen neuen Konkurrenten entstehen zu lassen", hieß es. Positiv bewerten die Berater den Plan der Italiener, die mit sechs Milliarden Euro bewertete eigene Autosparte in das künftige Unternehmen einzubringen: "Da gibt es hinsichtlich der Eigenkapitalausstattung keine Probleme", hieß es.
Grundlegendes noch nicht geklärt
Aus Sicht der Berater weisen aber nicht nur die Konzepte selbst eklatante Schwächen auf. Wesentliche Dinge im künftigen Verhältnis zwischen GM und Opel seien unklar. Dazu zähle etwa die Frage, welche Zugeständnisse GM bei Schulden gegenüber Dritten und hinsichtlich der Patente mache. Opel hatte seine Patente bereits vor Jahren an den Mutterkonzern abgeben müssen. GM wiederum hat die Rechte im Gegenzug für staatliche Kredite als Sicherheit an die US-Regierung abtreten müssen. "Solange solche grundlegenden Dinge nicht geklärt sind, lässt sich der Fall nicht ausverhandeln", hieß es.