Guttenberg hält alle Opel-Angebote für unzureichend
25.05.2009, 11:13 Uhr | bab
Viel Kopfzerbrechen um die Zukunft von Opel (Quelle: Reuters)Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hält alle drei Angebote zur Übernahme von Opel bislang für unzureichend. Guttenberg sagte der "Bild am Sonntag" (BamS): "Uns liegen jetzt drei Angebote für eine Übernahme von Opel vor. Das bedeutet aber nicht, dass eines davon automatisch und zwingend zum Tragen kommt. Zuvor müssen wir eine hohe Sicherheit dafür haben, dass die erheblichen Steuermittel, die wir dafür einsetzen müssen, nicht verloren gehen. Diese Sicherheit gewährleistet bislang aus meiner Sicht noch keines der drei Angebote in ausreichender Weise."
Die Konsequenzen sind für den Minister klar: "Bliebe es bei diesen Defiziten, wäre eine geordnete Insolvenz die klar bessere Lösung - auch sie könnte Chancen für die Zukunft Opels eröffnen", sagte Guttenberg der "BamS". Viel Zeit für Nachbesserungen bleibt jedoch nicht mehr, wird die Lage bei General Motors (GM) doch immer dramatischer. Die ums Überleben kämpfende Opel-Mutter hat am Freitag (22.) vorzeitig weitere vier Milliarden Dollar (2,9 Milliarden Euro) von der US-Regierung geliehen. Ursprünglich hatte GM erklärt, bis zum 1. Juni weitere 2,6 Milliarden zu benötigen. In der Eingabe hieß es aber, noch vor diesem Termin seien zusätzlich 1,4 Milliarden nötig. Insgesamt hat GM damit 19,4 Milliarden Dollar vom US-Finanzministerium erhalten.
Fiat geht auf Opelaner zu
Im Ringen um Opel hat Fiat-Chef Sergio Marchionne für den Fall einer Übernahme durch die Italiener den Beschäftigten unterdessen weitere Zugeständnisse gemacht. Der "BamS" sagte Marchionne: "Im ungünstigsten Fall wären in Deutschland maximal 2000 Arbeitsplätze durch die Integration von Opel in ein schuldenfreies Gemeinschaftsunternehmen mit Fiat betroffen." Nach seinen Worten bekennt sich Fiat zudem zu "allen in Deutschland geltenden arbeitsrechtlichen Bestimmungen, insbesondere zum Betriebsverfassungsgesetz und der Mitbestimmung." Nach Darstellung des Fiat-Chefs sind auch die rund vier Milliarden Euro Pensionsverpflichtungen in das Fiat-Konzept eingerechnet. Marchionne gab eine Garantie dafür, dass ein aus Fiat und GM Europe gebildetes Unternehmen in spätestens fünf Jahren die Staatsgarantien ablösen werde. Der Fiat-Chef gab sich zuversichtlich, das Fiat das Bieter-Rennen gewinnen werde.
Franz warnt vor Unterbietungswettbewerb
Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Opel, Klaus Franz, warnte die Interessenten als Reaktion auf die aktuelle Debatte vor einem Unterbietungswettbewerb. "Man muss aufpassen, dass man sich nicht wie beim Lotteriespiel mit immer neuen Zahlen unterbietet", sagte Franz der "Bild". Aussagen zu Arbeitsplätzen müssen "garantiert und festgeschrieben sein und über mehrere Jahre Bestand haben, nicht nur für zwei Tage", forderte Franz. Der Betriebsratschef mahnte zudem: "Es geht um das Beste für die Beschäftigten und die Marke Opel in Europa. Das Konzept muss ermöglichen, dass Opel erhaltene Kredite in zwei bis drei Jahren wieder zurückzahlen kann, damit der Steuerzahler am Ende nicht belastet wird." Gleichzeitig kritisierte Franz die Aussagen Guttenbergs. "Es ist unverständlich und völlig kontraproduktiv, wie der Minister jetzt von Insolvenz reden kann. Es gibt schließlich von mehreren Seiten hartes Interesse an Opel."