Opel-Chef Hans Demant bei der Präsentation des Rettungsplans. (Quelle: AP)Der angeschlagene Autobauer Opel will mit einer weitgehenden Trennung vom US-Mutterkonzern Generals Motors (GM) den Weg aus der Krise finden. Das sieht der Rettungsplan vor, den Opel-Chef Hans Demant heute am Stammsitz in Rüsselsheim vorstellte. Ganz ohne GM wird es auch in Zukunft nicht gehen, und billig ist der Konzernumbau auch nicht.
Das im Opel-Aufsichtrat vorgestellte Zukunftskonzept sei mit dem US-Mutterkonzern abgestimmt und habe bereits dessen Zustimmung erfahren, sagte Forster. Demnach sollen alle Unternehmensteile von Opel in Europa unter dem Dach der Zentrale in Rüsselsheim zusammengeführt werden. Opel selbst betreibt Werke in mehreren europäischen Ländern wie Belgien, Großbritannien und Spanien und ist eng mit seiner britischen Schwestermarke Vauxhall verbandelt. Der derzeitige Finanzbedarf von Opel beträgt laut Forster 3,3 Milliarden Euro. Damit solle das Überleben des Traditionsunternehmens gesichert werden.
Opel weiter Teil des GM-Verbunds
Opel müsse jedoch Teil des GM-Konzernverbundes bleiben, um auch in Zukunft günstig Autoteile einkaufen zu können und weiterhin Zugriff auf technische Entwicklungen zu haben, die beim Mutterkonzern liegen, sagte Forster. Deshalb werden Opel künftig innerhalb des Konzernverbundes zwar eine "rechtlich abgegrenzte", wohl aber nur "teilverselbstständigte Geschäftseinheit bilden".
Die Opel-Welt: Standorte und Marktanteile (Infografik: dpa)
Werksverkäufe weiter offen
Ob es im Zuge der Unternehmenssanierungen von Opel zur Schließung oder zum Verkauf ganzer Werke komme, sei nach wie vor offen, sagte Forster. Jedoch müssten "in einer außergewöhnlichen wirtschaftlichen Situation (...) eventuelle Werksschließungen in Betracht gezogen werden". Ziel sei es dennoch, das Unternehmen mit "möglichst geringen Auswirkungen auf die Arbeitsplätze zu restrukturieren". Betriebsbedingte Kündigungen sollen demnach so weit es geht vermieden werden. Opel setze auf Lohn- und Gehaltsverzichte seiner Mitarbeiter und wolle sich über Abfindungszahlungen von Mitarbeitern trennen. Insgesamt will der Konzern rund eine Milliarde Euro einsparen.
Opel braucht 3,3 Milliarden Euro
Dazu brauche das Unternehmen Bürgschaften von Landesregierungen in Höhe von 3,3 Milliarden Euro. Das neue Unternehmen könne bis 2011 wieder schwarze Zahlen schreiben und wolle bis 2014 oder 2015 seine Schulden an die öffentliche Hand zurückzahlen, sagte Forster. Opel-Chef Hans Demant sagte, es müsse noch ein "Abschottungskonzept" entwickelt werden, das es verhindern soll, dass staatliche Hilfen an GM abfließen.
Opel offen für Investoren
GM-Europachef Forster sagte, durch die weitgehende Loslösung Opels von der Konzernmutter sei die Tür offen für den Einstieg von Investoren bei Opel. Nach Forsters Angaben ist GM als bisherige 100-prozentige Eigentümerin bereit, zunächst 25 bis 50 Prozent der Anteile an Opel an neue Eigner abzugeben. Der US-Konzern sei im Gegenzug bereit, dem neuen Unternehmen Sachwerte und Patente im Wert von drei Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. Ein späterer Rückzug von General Motors auf eine Minderheitsbeteiligung wurde nicht ausgeschlossen.
Zustimmung von Dudenhöffer
Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen begrüßte das Rettungskonzept. "Letztlich gibt es keine bessere Alternative", sagte Dudenhöffer dem "Münchner Merkur". Der Frankfurter IG-Metallbezirkschef und Opel-Aufsichtsratsmitglied Armin Schild lobte den Zukunftsplan als "richtig, wichtig und zugleich überfällig". Jedoch sei das "Risiko einer unnötigen und unsinnigen Insolvenz noch nicht vom Tisch". Jetzt sei die Politik gefordert.
Vorstellung bei der Bundesregierung
Opel will das Konzept am Montag der Bundesregierung vorlegen. Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums sagte, Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) werde am Samstag in einer Telefonkonferenz mit den Ministerpräsidenten der Länder mit Opel-Standorten beraten. Dabei gehe es um mögliche staatliche Hilfen. Guttenberg selbst sagte am Freitag, es sei "noch lange nicht entschieden", ob und in welcher Form der Staat Opel unter die Arme greife. Vize-Kanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) bekräftigte die grundsätzliche Bereitschaft der Bundesregierung, Opel zu helfen. "Wir müssen tun, was wir können, damit dieses Unternehmen nicht vom Markt verschwindet", sagte Steinmeier dem Radiosender MDR Info.