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"GM-Entscheidung ist völlig inakzeptabel"
04.11.2009, 07:53 Uhr | dpa-AFX, AFP, AP
GM wird Opel behalten (Foto: ddp)Der monatelange Übernahme-Poker um Opelist mit einem Paukenschlag zu Ende gegangen. Der Verwaltungsrat des US-Autokonzerns General-Motors entschied in der Nacht zum Mittwoch, die deutsche Tochter doch nicht an den Zulieferer Magna zu verkaufen und verwies dabei auf das sich "verbessernde Geschäftsumfeld" und die Bedeutung von Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall für die "globale Strategie" des Unternehmens. Die Bundesregierung reagierte mit Bedauern.
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Unverständnis in Berlin
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hat mit scharfer Kritik auf die Absage von General Motors an einen Opel- Verkauf reagiert. "Das Verhalten von General Motors ist völlig inakzeptabel" sowohl den Arbeitnehmern als auch Deutschland gegenüber, sagte Brüderle am Mittwoch vor einer Kabinettssitzung in Berlin. Er forderte von GM und Opel die rasche Vorlage eines Konzepts zur Restrukturierung
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GM-Chef entschuldigt sich
Das Ziel General Motors sei es gewesen, "die beste langfristige Lösung für unsere Kunden, Angestellten, Zulieferer und Händler zu finden" - "das spiegelt sich in der heute getroffenen Entscheidung wider", erklärte GM-Chef Fritz Henderson. In Kürze wolle der Konzern Deutschland und den anderen Ländern mit GM-Standorten einen Restrukturierungsplan vorlegen. Zugleich kündigte das Unternehmen an, Berlin um Hilfe bei der Umsetzung der Pläne zu bitten. Henderson bezifferte die Kosten für die Sanierung auf drei Milliarden Euro. Gleichzeitig entschuldigte sich der GM-Boss für den monatelangen Verhandlungsmarathon um die Zukunft Opels, an dem unter anderem mehrere Regierungen, Unternehmen, der Opel-Betriebsrat und die EU- Kommission beteiligt waren: "Wir verstehen, dass die Komplexität und Dauer dieses Themas für alle Beteiligten anstrengend war."
Verwaltungsrat war gespalten
Schon nach der ersten Empfehlung für Magna galt der GM-Verwaltungsrat als gespalten. Einige Mitglieder wollten Opel behalten, weil beide Hersteller aufeinander angewiesen seien: Opel allein sei zu klein zum Überleben, und GM brauche Opel wegen der modernen Technologie der Deutschen und deren Zugang zum europäischen Markt. Dieser Marktzugang gab nun als "wichtiger Bestandteil der globalen Strategie von GM" auch den Ausschlag für den Stimmungswandel bei GM.
EU-Kommission hatte Bedenken
Der Verwaltungsrat von GM hatte sich noch im September für einen Verkauf der Anteilsmehrheit von Opel an den österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna und die russische Sberbank ausgesprochen. Allerdings meldete die EU-Kommission Mitte Oktober Bedenken an.
Berlin fordert Staatsgeld zurück
Mit der Entscheidung gegen einen Verkauf von Opel sei "ein Investorenprozess abgebrochen worden, der über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten von allen Beteiligten - einschließlich GM - intensiv geführt wurde", erklärte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm in der Nacht zu Mittwoch. Die Bundesregierung erwarte, dass GM die Brückenfinanzierung von 1,5 Milliarden Euro fristgerecht zurückzahle, erklärte Wilhelm.
Merkel hatte sich für Magna stark gemacht
Das Thema Opel steht auch auf der Tagesordnung der ersten Arbeitssitzung des neuen Bundeskabinetts. Regierungssprecher Wilhelm zufolge bat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP), im Kabinett über das Thema zu berichten. Merkel hatte sich persönlich für einen Verkauf von Opel an Magna stark gemacht - auch gegenüber US-Präsident Barack Obama, den sie noch am Dienstag vor ihrer Rede vor dem Kongress getroffen hatte.
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US-Regierung ist Mehrheitseigner
Die US-Regierung ist mit Anteilen in Höhe von 60 Prozent Mehrheitseigner bei GM. Eine Sprecherin des US-Finanzministeriums erklärte jedoch, dass die Regierung an der Entscheidung nicht beteiligt gewesen sei.
Magna-Vizechef versteht GM-Entscheidung
Magna-Vizechef Siegfried Wolf zeigte Verständnis für die Entscheidung von GM. "Wir verstehen, dass der Verwaltungsrat zu dem Schluss gekommen ist, dass es im besten Interesse von GM ist, Opel zu behalten", erklärte er.
Hessens Ministerpräsident betroffen und verärgert
Hessens Ministerpräsident Roland Koch zeigte sich "betroffen" und "verärgert". "Angesichts der negativen Erfahrungen der letzten Jahre mit der Unternehmenspolitik von GM mache ich mir große Sorgen um die Zukunft des Unternehmens und seiner Arbeitsplätze", erklärte er. Noch am Dienstag hatte sich der Opel-Betriebsrat mit Magna auf Beiträge der Belegschaft zur Kostensenkung verständigt und damit eigentlich den Weg für die Übernahme freigemacht.
Betriebsrat: "Wir brauchen endlich Klarheit"
Der Betriebsratschef des Bochumer Opel-Werks, Rainer Einenkel, forderte den Erhalt der deutschen Standorte. "Ohne Opel hat GM keine Zukunft in Europa", sagte er der in Essen erscheinenden "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung". Einenkel wies darauf hin, dass der zweite Rettungsplan, den GM im Frühjahr der Bundesregierung vorgelegt hatte, einen Erhalt der deutschen Standorte vorgesehen habe. Für die Beschäftigten sei die "Hängepartie" allerdings "unerträglich", sagte der Betriebsratschef. "Wir brauchen endlich Klarheit."
Keine Finanzhilfen an Magna
Opel-Gesamtbetriebsratschef Franz forderte die Bundesregierung auf, die für den Fall eines Verkaufs zugesagten Finanzhilfen nicht zu zahlen. "Ich gehe auch davon aus, dass sich die Bundesregierung von GM nicht erpressen lässt, zumal es mit Magna eine andere Alternative gibt", sagte Franz. Es sei auch unwahrscheinlich, "dass GM aus anderen Ländern Geld bekommt, da diese die Zusage nur auf Basis des industriellen Konzeptes von Magna getroffen" hätten.
Opel-Betriebsrat Franz: Werke akut gefährdet
Zudem sieht Franz durch die Entscheidung der US-Mutterkonzerns, Opel doch nicht zu verkaufen, die Werke in Bochum, Kaiserslautern und Antwerpen von der Schließung bedroht. Nun sei "der alte GM Plan wieder auf dem Tisch", sagte Franz. Das bedeute, dass die drei Werke "akut gefährdet sind". Die Arbeitnehmer würden nun alle Zusagen über Einsparungen zurückziehen und zunächst über das weitere Vorgehen beraten, so Franz weiter.
Arbeitnehmer wollten auf Millionen verzichten
Noch in der letzten Woche hatte der Betriebsrat von Opel den Weg frei gemacht für eine Übernahme des Autobauers durch den Zulieferer Magna. Die Opel-Beschäftigten waren bereit, pro Jahr auf Millionen an Lohnzahlungen zu verzichten. Im Gegenzug sollten die Beschäftigten Anteile an "New Opel" erhalten. Die Vereinbarungen waren allerdings an die Bedingung des Verkaufs des Rüsselsheimer Unternehmens an Magna geknüpft.
Experte: GM wird Sanierung nicht schaffen
Beobachter in Europa trauen GM nicht zu, die Opel-Sanierung finanziell stemmen zu können. Nach Ansicht von Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer fährt GM "mit höchst möglichem Risiko". Für Opel seien die Entwicklungsmöglichkeiten bei seiner alten Mutter um ein Vielfaches schlechter. West-Europa sei ein Markt ohne Wachstum und mit großem Verdrängungswettbewerb, so Dudenhöffer. "Russland wird für Opel-GM deutlich schwieriger werden als für Opel-Magna-GAZ." GM beginne erst jetzt, "den x-ten Restrukturierungsplan für Opel auszuarbeiten". "Und dies mit enttäuschten Mitarbeitern, die nicht hinter GM stehen, mit einem weiter geschwächten Management und hohen Verlusten, die finanziert werden müssen."
GM ist optimistisch
Die Amerikaner geben sich hingegen zuversichtlich: "Die Finanzkraft und Stabilität von GM haben sich in den vergangenen Monaten deutlich verbessert. Das macht uns zuversichtlich, das Europa-Geschäft erfolgreich restrukturieren zu können." GM wolle zudem seine Beziehungen mit dem russischen Autobauer GAZ weiter ausbauen.
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Quelle: dapd
, AFP
, dpa