22.09.2009, 11:08 Uhr | Sebastian Knoppik, dpa/tmn
Projektleiter sind gefragt (Foto: Archiv)
Trotz Wirtschaftskrise werden sie gesucht: Projektmanager trotzen dem Trend. Neben Organisationstalent müssen sie vor allem Kommunikationsfähigkeit mitbringen. Die meisten Projektmanager sind Quereinsteiger, die sich nebenbei weitergebildet haben. Inzwischen gibt es aber auch spezielle Studiengänge, die einem die nötigen Kompetenzen vermitteln. Das wichtigste aber ist praktische Erfahrung in der Leitung von Projekten.
Um ein Viertel sind die Mitgliederzahlen der Gesellschaft für Projektmanagement (GPM) mit Sitz in Nürnberg in den vergangenen beiden Jahren gestiegen. Zur Jahrtausendwende hatte der Berufsverband noch weniger als 2.000 Mitglieder. Inzwischen sind es mehr als 5.000. "Projektarbeit boomt", fasst GPM-Vorstand Reinhard Wagner die Entwicklung zusammen. "Der Bedarf an Projektmanagern ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen", bestätigt Klaus Stephan, Präsident der Kölner Regionalgruppe des internationalen Project Management Institute (PMI).
Viele Unternehmen hätten erkannt, dass sich ein vernünftiges Projektmanagement langfristig lohne, meint der Experte. Reinhard Wagner sieht als Grund für die starke Nachfrage nach Projektmanagern die veränderte Situation in den Betrieben: "Aufgaben müssen heute in einem sehr engen Korsett von Terminen und Kosten erledigt werden." Für die Koordination der Aufgaben seien Projektmanager unerlässlich. Ein Projektmanager sei mit einem Handwerker früheren Zeiten vergleichbar, der alle Leistungen aus einer Hand lieferte. Die industrielle Revolution habe diese Funktion verdrängt, die nun wieder im neuen Gewand gefragt sei: "Projektmanager ist der Handwerksberuf der Zukunft."
Projektmanager sind inzwischen in nahezu allen Branchen gefragt. Nicht nur im Baugewerbe, in der Computerbranche oder im Maschinen- und Anlagenbau müssen Projekte koordiniert werden. Sogar in der öffentlichen Verwaltung seien die Prozesse inzwischen so komplex, dass auch hier Projektmanager gebraucht würden, erläutert GMP-Vorstand Wagner. Allerdings gebe es gerade in diesem Bereich auch noch einen Nachholbedarf: "Ich würde mir wünschen, dass die öffentliche Verwaltung das Thema noch mehr für sich entdeckt."
Projektmanager sollten vor allem gut mit anderen Menschen umgehen können. "Projektmanager müssen alle an einem Projekt Beteiligten zusammenführen", sagt PMI-Präsident Stephan. Daher müssten sie für ihre Tätigkeit vor allem über gute Kommunikationsfähigkeit verfügen: "Es reicht nicht aus zu theoretisieren, sondern man muss fundiert aus der Praxis heraus argumentieren können." Obwohl Projektleiter auch zwischen den Beteiligten vermitteln müssen, dürften sie keine Softies sein, meint Wagner: "Es sollten selbstbewusste Leute sein, die ein gewisses Standing aufweisen. Es weht ja ein rauher Wind in den Unternehmen."
Die meisten Projektmanager haben ein Fachstudium absolviert, etwa Ingenieur- oder Wirtschaftswissenschaften, wie Stephan erklärt: "Die notwendigen Fähigkeiten zum Projektmanagement kann man sich dann durch berufsbegleitende Weiterbildung oder in speziellen Aufbau-Studiengängen aneignen." Am wichtigsten sei die berufliche Erfahrung: "Sie macht man am besten, indem man einen gestandenen Projektleiter begleitet."
Einen dieser Aufbaustudiengänge bietet die Hochschule Merseburg an. Jedes Semester werden 30 Studierende ausgebildet. Das Studium dauert zwei Jahre und schließt mit einem Master ab. Voraussetzung ist ein Bachelor-Abschluss mit mindestens 180 credit points. Mindestens 120 davon müssen in einem wirtschaftswissenschaftlichen Studium erbracht werden. "Wir arbeiten derzeit daran, dass unsere Studenten künftig eine Zertifizierung als Projektmanager der einschlägigen Verbände erhalten", erklärt Prof. Justus Engelfried von der Hochschule Merseburg. Aufgrund des verhältnismäßig geringen Praxisanteils von einem halben Jahr handele es sich allerdings dabei nur um die Grundstufe der Zertifizierung.
Projektmanager arbeiten entweder fest in einem Unternehmen, als selbstständige Berater oder angestellt bei einem Beratungsunternehmen. Nach Ansicht von Klaus Stehpan ist die Position des Projektmanagers ein Karriere-Sprungbrett: "Viele bleiben nicht auf dieser Stufe stehen. Hier lernt man in kleinerem Maßstab, wie man ein Unternehmen führt und kann so leichter in höhere Positionen hineinkommen."
Auch Reinhard Wagner sieht für gute Projektmanager eine Zukunft: Die Deutschen könnten hier Tugenden wie Ordnungsliebe oder Pünktlichkeit nutzen, für die sie sonst oft kritisiert würden: "Wir werden in Zukunft weniger 'Made in Germany' erleben, dafür aber 'Managed by Germans'."
Sebastian Knoppik, dpa/tmn
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