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Ostdeutschland droht erneute Deindustrialisierung

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Wirtschaftsforscher: Ostdeutschland droht erneute Deindustrialisierung

02.07.2010, 17:08 Uhr | bv

Industrieruine: die Ostwirtschaft wird abgehängt (Foto: imago)

Industrieruine: die Ostwirtschaft wird abgehängt (Foto: imago) (Quelle: imago)

Dem Osten Deutschlands droht zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung eine erneute Deindustrialisierung. Das ist die Einschätzung des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). "Die Gefahr besteht, weil uns immer weniger Fachkräfte zur Verfügung stehen. Das wird den Kampf um die besten Köpfe verschärfen", sagte der IWH-Ost-Experte Udo Ludwig der "Berliner Zeitung". Die Ostwirtschaft stagniere seit langem, zudem werde die Situation durch den demografischen Wandel verschärft, der in den östlichen Bundesländern besonders dramatisch sei.

Der deutsche Osten leidet unter einem Bevölkerungsschwund: Junge Menschen wandern ab, unter anderem, weil sie im Westen besser verdienen, so Ludwig. Deshalb müssten die Ausbildungssysteme verbessert werden, um den ostdeutschen Unternehmen stetig einen guten Facharbeiternachwuchs zu erhalten. Gleichzeitig sollten mehr Einwanderer aus den östlichen Nachbarländern kommen, um die Lücken aufzufüllen. Ludwig zur "Berliner Zeitung": "Am besten wäre es, die jungen Leute kommen in einem Alter, in dem sie noch einen Teil der deutschen Schule durchlaufen, damit sie sich besser integrieren lassen." Eine ähnliche Forderung hatte kürzlich bereits der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) aufgestellt.

Aufschwung im Osten zum Erliegen gekommen

Der Aufschwung im Osten sei schon vor zehn Jahren ins Stocken geraten, sagte Ludwig: "Bis Ende der 90er Jahre hatte die Ostwirtschaft stark aufgeholt und in der Pro-Kopf-Produktion 67 Prozent des Westniveaus erreicht. Doch zwischen 2000 und heute gab es quasi Stagnation. Da machten die neuen Länder nur noch drei Prozentpunkte gut, so dass wir nun bei 70 Prozent des Westniveaus liegen."

Um vollends aufzuschließen, müsse die Ost-Wirtschaft doppelt so stark wachsen. Derzeit gebe es jedoch keine Anzeichen, das sie überhaupt stärker wachse. Beim derzeitigen Tempo brauche der Osten noch 50 Jahre um gleichzuziehen, sagte Ludwig. Grund für das Zurückbleiben seien Fehler bei der Wiedervereinigung. Es gebe sehr viele Klein- und Kleinstbetriebe, auch einen gewissen Mittelstand, aber keine großen Marktführer mit Sitz im Osten, von denen Effekte auf das ganze Land ausgingen, so der Wirtschaftsforscher.


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Kommentare (86)

zum Forum

Thema: "Ostdeutschland droht erneute Deindustrialisierung"

Ich als Großvater schrieb: am 3. Juli 2010 um 02:15:33
(0) (0) Programmierte "Landflucht"!
in Thüringen bin einesteils froh, dass sich einer meiner Söhne mit zwei Dritteln eines in Aussicht gestellten
Gehaltes in Hessen bescheidet und hier bleibt. Andererseits verfluche ich die Idiotie einer langjährigen CDU- Alleinregierung, die junge leistungsfähige und -willige Leute aus dem Bundesland und sogar ins Ausland trieb. Paradoxerweise fanden junge Thüringer Fachkräfte sogar in Polen bessere Arbeits- und Lebensperspektiven als zu Hause. Polen hatte vor Jahrzehnten die gleichen sozialpolit
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Theodor schrieb: am 2. Juli 2010 um 22:35:48
(0) (0) Ursachenforschung
Was die Verhandlungen mit den Siegermächten vor der Wiedervereinigung anbelangt, war Helmut Kohl ein guter
Verhandler/Handelnder. Was den industriellen Um- und Neuaufbau der Ostindustrie - also die Ökonomie anbelangt --war er m.E. eine Niete. Es wurde viel Brauchbares nicht renoviert. sondern brutal beseitigt und das werden wir Bundesbürger gemeinsam bis weit in die Zukunft mit stagnierendem oder absinkendem Lebensstandard zu bezahlen haben. Schade um die vergeudeten Hunderte Milliarden Euro.
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AVA schrieb: am 2. Juli 2010 um 21:06:55
(0) (0) Aufbau Ost?
Es war doch von Anfang an klar, dass ein Wirtschaftsstandort, der mit aberwitzigen Subventionen aufgebaut wird, spätestens dann
stirbt, wenn diese enden. Es wäre sicherlich für alle gesünder gewesen, ein natürliches Wachstum, das ohne Zweifel gekommen wäre, aufzubauen, als mit Gewalt etwas zu puschen, dass nur von kurzer Dauer ist.
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