Startseite Jetzt online bestellen und 10% Rabatt sichern

Sie sind hier: Home > Wirtschaft >

Ostdeutschland hinkt wirtschaftlich hinterher

...

Das lange Leiden des Ostens

25.07.2011, 11:04 Uhr | Financial Times Deutschland

Ein denkmalgeschütztes Haus am Dorfanger im Leipziger Ortsteil Baalsdorf (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Ein denkmalgeschütztes Haus am Dorfanger im Leipziger Ortsteil Baalsdorf (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Die neuen Länder werden auch nach 2019 Geld brauchen. Paradoxerweise liegt das auch an der höheren Produktivität der Betriebe. Fürs Erste ist die Gefahr gebannt: Der Solizuschlag ist rechtens und der Finanzminister darf die Zusatzsteuer weiter verlangen und für seinen allgemeinen Haushalt verwenden. Doch die ökonomische Frage bleibt: Ist der Zuschlag - eingeführt vor 16 Jahren, um das Mammutprojekt Aufbau Ost zu stemmen - überhaupt noch nötig? Wie bedürftig ist der Osten wirklich? Eine Bestandsaufnahme.

Milliardentransfers nach Ostdeutschland

Mehr als 20 Jahre nach der Wiedervereinigung hängt der Osten nach wie vor am Tropf. 50 bis 60 Milliarden Euro netto zahlt der Bund alljährlich an Transfers an den Osten. Zugleich hinkt Ostdeutschland dem Westen immer noch spürbar hinterher. Die Wirtschaftsleistung ist geringer, die verfügbaren Einkommen niedriger und die Arbeitslosigkeit höher als in den alten Bundesländern. Und: Der Aufholprozess stockt.

Gerade im Aufschwung sind die neuen Länder wieder ins Hintertreffen geraten. Alle fünf Ostländer plus Berlin zählten 2010 beim Wirtschaftswachstum zu den Schlusslichtern, was daran liegt, dass die Wirtschaft hier weniger exportgetrieben ist. "Ostdeutschland wird niemals über 90 Prozent des Westniveaus kommen", sagte Ulrich Blum, Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle der "Financial Times Deutschland" (FTD). Und das sei schon das absolute Limit.

Partner-Angebot
Traum-Job finden
Jobsuche bei t-online.de (Foto: t-online.de)

Sie suchen einen neuen Job? Finden Sie den passenden Job aus fast 60.000 Stellenangeboten. Jobsuche starten

Dem Osten fehlen Großkonzerne

Als Grund führt Blum die Regionalstruktur an: Im Osten fehlten schlicht die großen Kraftzentren mit vielen Firmensitzen und internationalen Unternehmen. Tatsächlich hat von den 100 größten deutschen Dienstleistern nicht ein einziger seinen Hauptsitz in Ostdeutschland. Stattdessen finden sich dort verlängerte Werkbänke großer Westfirmen und viele kleine und mittelständische Betriebe. Damit fehlen also Unternehmen, die tausende Mitarbeiter beschäftigen, hohe Einkommen zahlen und Innovationen vorantreiben. Das Problem sei, so Blum, die Global Player seien weltweit verteilt.

Die hohen Subventionen hält Blum für gerechtfertigt "Dem Aufbau Ost haben die Transfers eine Menge gebracht. Die Stabilisierung ist richtig, auch wenn sie teuer ist." Immerhin beträgt die Wirtschaftskraft im Osten pro Kopf gut 70 Prozent des Westniveaus - 1991 waren es erst 33 Prozent. Das verfügbare Einkommen pro Kopf - also auch Kinder und Nichterwerbstätige mitgerechnet - liegt in den neuen Bundesländern heute bei rund 15.600 Euro - 1991 waren es nur knapp mehr als 8000 Euro. In den alten Bundesländern verfügt der Durchschnittsbürger über 20.000 Euro.

Newsletter
Die wichtigsten News kostenlos ins Postfach
Werktags die wichtigsten Neuigkeiten rund um Wirtschaft und Finanzen per E-Mail in Ihr Postfach  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Der Newsletter bietet Ihnen die wichtigsten Meldungen aus der Welt von Wirtschaft und Geldanlage werktags kostenlos per E-Mail. Jetzt abonnieren!

Zuschüsse für Infrastruktur

Eine raschere Abschmelzung der sogenannten Solidarpaktmittel II hält der Forscher für nicht geboten. Auch das Problem der Fehlverwendungen bestünde schließlich nicht mehr: Zeitweise hatten fast alle Länder die Mittel nicht wie vorgeschrieben eingesetzt, sondern für Konsum und Konsolidierung.

Bis 2019 muss der Bund insgesamt 156,5 Milliarden Euro gen Osten schicken. Die Zuschüsse für Infrastruktur und zum Ausgleich der schwachen Finanzkraft werden allerdings Jahr für Jahr abgeschmolzen. Auch wenn 2019 mit den Extrazahlungen Schluss sein wird, dürften die Ostländer allesamt Empfängerländer des Finanzausgleichs bleiben, prognostiziert Blum.

Westen hat höheres Steueraufkommen

Denn die eigene Steuerkraft ist schwach. Und das Steuersystem wirke zugunsten des Westens, räsoniert Blum. So werde beispielsweise die Gewerbesteuer nach Personal- und Lohnschlüsseln erhoben - da der Osten aber mit den produktivsten Arbeitsstätten und entsprechend wenig Beschäftigten ausgestattet ist, habe der Westen ein höheres Steueraufkommen. Aus eigener Kraft könnten die Ostländer ihre Einnahmensituation deshalb kaum verbessern.

Dass die Ostdeutschen bei der Haushaltskonsolidierung zum Teil besser vorankommen als das Gros der Westländer, liegt an der höheren Ausgabendisziplin. Stiegen die Schulden vor der Jahrtausendwende in den neuen Ländern - außer Sachsen - schneller als im Westen, ist seither ein Wandel zu erkennen. Die Finanzpolitiker bauten verschärft Personal im öffentlichen Dienst ab und verkleinerten ihre Verwaltungen. Als Ergebnis wuchsen die Schuldenstände der neuen Länder zwischen 2000 und 2010 langsamer als der Bundesdurchschnitt.

Mäßigend wirkt bei vielen zudem, dass die sogenannten Solidarpaktmittel jedes Jahr weniger werden. Im nächsten Jahr steuern Sachsen-Anhalt und Thüringen einen ausgeglichenen Haushalt an. Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern nehmen bereits in diesem Jahr keine neuen Kredite mehr auf.


Partner-Angebot
Kfz-Versicherung
Über 180 Tarife vergleichen, online abschließen und bis zu 500 € sparen! (Foto: transparo)

Jetzt Kfz-Versicherung wechseln und bis zu 500 Euro jährlich sparen.

Versicherungsvergleich starten

Quelle: Financial Times Deutschland

Inhalt versenden Versenden
Leserbrief An die Redaktion
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus.
Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Diese Mail an
mailing-ifrarr
Artikel versenden
Empfänger
Absender
Name
Name
E-Mail
E-Mail
Nachricht
 

"Ostdeutschland hinkt wirtschaftlich hinterher" verlinken

Verlinken Sie uns, wenn Ihnen der Artikel "Ostdeutschland hinkt wirtschaftlich hinterher" gefallen hat.

 
schließen

Kommentare (29)

zum Forum

Thema: "Ostdeutschland hinkt wirtschaftlich hinterher"

Pinkepinke schrieb: am 24. Juli 2011 um 19:17:05
(3) (0) Das lange Leiden
Ich habe noch von keinem Politiker gehört, daß er das Geld das er gegrabscht hat, man könnte es auch ordinärer
ausdrücken, wieder herausgerückt hätte. Die Stützung der EU und deren Inflationsgeld braucht alle Finanzkräfte und alle faulen Ausreden. Wird jetzt nicht auch Libyien für ein gedachtes Demokratie-spiel mit 100 Mio. beglückt. Und mein Fahrraddynamo der die Welt mit Gesundheitsstrom versorgen soll wird auch nicht billig. Also ihr Ostler, gut daß wir euch haben!
mehr Kommentar melden

CT schrieb: am 24. Juli 2011 um 19:10:21
(5) (1) Soli
@WachtamRheinbeiRhöndorf. Kohl und Konsorten hat uns für`n Appel und`Ei verkauft und plattgemacht! War alles da: Großbetriebe,
Infrastruktur, wir hatten alle Arbeit und genug Einkommen, fast jeder einen Beruf, es gab vernünftige Schulen und genug Kindergärten und Krippen. Keine Sozialhilfe oder H4. Selbst die Wertstoffe gingen ihren Kreislauf. Aber es mußte alles plattgemacht werden, damit der Westen erstmal seinen Schund loswerden konnte. Und den Soli bezahlen wior genauso wie der Westen!
mehr Kommentar melden

WachtamRheinbeiRhöndorf schrieb: am 24. Juli 2011 um 18:49:40
(3) (3) Kohl hat alles falsch gemacht
@Nostradamos: dieser "Reibach" hat der BRD 200 Milliarden Miese eingebracht. Der Kardinalsfehler war es
, "Euch" die DM zu geben. Damit wurdet Ihr zum Problemfall, den wir aber ohne EU-Schekel und die wahnwitzige Osterweiterung(= Alimentierung des gesamten Warschauer Paktes- des Klassenfeindes(!!) hätten schultern können.
mehr Kommentar melden

alle Kommentare
Seite:

Kommentar schreiben

Name
Betreff
Kommentar: (Maximal 500 Zeichen)

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Haken

Vielen Dank. Ihr Kommentar wurde versendet!

Kommentar schreiben



Zu diesem Artikel/Thema können keine weiteren Kommentare mehr abgegeben werden.

Kommentar melden

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

 

Haken

Vielen Dank! Ihr Hinweis wurde von der Redaktion entgegengenommen.
mailing-ifrarr

Shopping

Einkaufswelt
Prämierte Riserva
Spitzenweine bei Hawesko

Acht Flaschen 2007er San Martino plus Dekanter jetzt für nur 49,- € statt 78,10 €. von Hawesko

Einkaufswelt
Bis zu 92% günstiger
Angebot bei druckerzubehoer.de

Testsieger-Patronen für Marken-
drucker im TÜV-geprüften Online-
Shop kaufen. mehr

Einkaufswelt
Tablet zum Sensationspreis
Knüller knallhart bei euronics.de

24,6 cm Tablet-PC mit Android 4.0, 1 GHz Prozessor inkl. Ledertasche für nur 229,- €. bei euronics

Einkaufswelt
Schicke Brillen für alle
Schicke Brillen - bei optikplus

Für einen klaren Durchblick: Lese-
brillen, Komplettbrillen u.v.m. zu top Preisen! bei optikplus.de


Downloads & Shops

Minus 29%: CutOut PRO
CutOut PRO (Quelle: Softwareload)

Der Meister für feinste Freistellungen und präzise Montagen. mehr

Historische Traktoren
Agrar Simulator: Historische Landmaschinen (Quelle: Koch Media)

Landmaschinen der 50er bis 70er Jahre fahren. Spiel jetzt kaufen

Badeurlaub in Kroatien ab 572,- €/P.
Last Minute bei t-online.de Reisen (Quelle: t-online.de)

1 Woche im 4-Sterne- Hotel mit AI und Flug.


Aus anderen Bereichen

"Mit einem Unfall haben alle gerechnet"
Der Todesfahrer von Hamburg-Eppendorf raste im März 2011 mit Tempo 100 in eine Fußgängergruppe (Quelle: dpa)

Ex-Chef belastet Todes- fahrer schwer. mehr

Whistleblower gefeu- ert: Firma muss zahlen
Altenpflegerin Brigitte Heinisch (Quelle: dpa)

Altenpflegerin erhält 5- stellige Abfindung. mehr


Anzeigen

Anzeige

Zur breiten Ansicht
© Deutsche Telekom AG 2012

Anzeige