26.01.2011, 14:04 Uhr | dpa-tmn, t-online.de/business
Partybilder im Netz: Doch kein Karrierekiller? (Foto: imago)
Freizügige Fotos von der letzten heißen Disconacht oder Bilder vom feuchtfröhlichen Junggesellenabschied des besten Freundes im Internet? Bislang waren Bewerbungsexperten der Meinung, dass solche Bilder der Karriere schaden können, weil Personalverantwortliche ihre Bewerber gerne in sozialen Netzwerken ausspähen. War das nur ein Trugschluss? Studenten der Universität Erfurt haben Personaler und Jobkandidaten nach dem Einfluss sozialer Netzwerke bei der Stellensuche und -besetzung befragt. Wir verraten Ihnen, was sie herausgefunden haben.
Angeblich spionieren Personaler ihren Bewerbern nur selten mithilfe von Suchmaschinen nach. Soziale Netzwerke wie Facebook oder StudiVZ oder aber Google spielen bei der Bewerberauswahl kaum eine Rolle, lautete das Ergebnis der Befragung im Bachelorstudiengang Kommunikationswissenschaft der Uni Erfurt in Zusammenarbeit mit dem Karriereportal monster.de. In den Interviews wurden 19 Personaler und 14 Bewerber befragt. Sie sollten Aufschluss darüber geben, welchen Einfluss soziale Netzwerkseiten auf den Bewerbungs- und Rekrutierungsprozess haben.
Vielen Personalabteilungen sei der Zeitaufwand für einen vorherigen Check der Bewerber im Internet zu hoch, sagte Heiner Stahl von der Universität Erfurt, der das Hochschulprojekt betreute. "Der googelnde Personaler ist ein urbaner Mythos", so der Kommunikationswissenschaftler. "Vielen Studien, die das behaupten, fehlt eine empirische Grundlage. Vom gläsernen Bewerber sind wir weit entfernt."
Für die Experten in den Personalabteilungen sei das überhaupt kein Thema. Vom "schnüffelnden Personaler" oder dem "Karrierekiller Internet" könne keine Rede sein. "Zwischen Unternehmensrealität und medialer Präsenz klafft eine große Lücke", sagte Stahl. Den Ergebnissen zufolge googelt der größte Teil der Personaler nur selten nach den Stellensuchenden. Als ein Grund dafür nannte einer der befragten Personaler, dass es ein Zeichen von Unprofessionalität sei, wenn der potenzielle Arbeitgeber Bewerber im Netz ausspähe.
Die Interviewer der Universität Erfurt kommen außerdem zu dem Schluss, dass auch die oftmals angeführten peinlichen Partybilder bei Personalern nicht zum Tragen kommen. Zugleich heißt es in der Auswertung der Befragung aber, dass es zwei konkrete Fälle bei den 14 befragten Bewerbern gab, die aufgrund einer Internetrecherche einen Job nicht bekommen haben. Im ersten Fall habe eine Bewerberin gebrauchte Unterwäsche im Netz verkauft und ein anderer Bewerber sei als Mitglied einer Gruppe identifiziert worden, die der Gothic-Szene nahe stehe.
Das klassische Bewerbungsverfahren verlaufe immer noch "analog", erläuterte Stahl. Geeignete Kandidaten würden, wenn überhaupt, erst zum Ende einer Bewerbungsphase "digital durchleuchtet". "Nur wenn zwei oder drei Bewerber gleich gut sind, recherchieren manche Unternehmen noch einmal im Internet", so der Experte. Ausschlaggebend für eine Anstellung sei nach wie vor der persönliche Eindruck.
Eine gute Präsentation in den sozialen Netzwerken könne aber nicht schaden. Da der Einfluss des Internets auf den Rekrutierungsprozess wachse, sollte auch die digitale Welt in die Planungen miteinbezogen werden. Stahl rät, zwei Profile anzulegen: "Ein Freizeitprofil, das ich privat nutze und in den Einstellungen 'unsichtbar' mache, und ein Bewerbungsprofil, das mein Arbeitgeber sehen darf." Überzeugen müsse der Bewerber aber letztlich nicht online, sondern offline.
Quelle: T-Online , dpa
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