24.01.2011, 11:03 Uhr | Marc Herwig, dpa
Bewerben auf einer Klorolle? Das funktioniert nicht immer. (Foto: imago)
Einmal kräftig aus der Reihe tanzen bei der Jobsuche - funktioniert das? Da schreiben Bewerber ihren Lebenslauf auf Klopapierrollen und verteilen sie auf öffentlichen Toiletten. Männer zwängen sich für ihr Bewerbungsfoto in einen Pamela-Anderson-Badeanzug und ziehen eine blonde Perücke auf. Witzigkeit scheint auch bei der Bewerbung kaum Grenzen zu kennen - der Humor von Personalern allerdings schon. Wir stellen Ihnen die schrägsten Ideen von Jobkandidaten vor und erläutern, wann sie eine echte Chance auf die Traumstelle bieten.
Karrierecoach Jürgen Hesse aus Berlin hat dafür einige Beispiele für kuriose Bewerbungsstrategien auf Lager: Eine 19-Jährige forderte etwa auf YouTube alle Nutzer auf, einem Radiosender zu schreiben, dass sie genau die Richtige für ein Praktikum sei. Der Sender erhielt so viel Fanpost, dass die junge Frau den Job bekam. Oder der Koch, der seine Bewerbung in einer Bratpfanne verschickte und prompt eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhielt. Und eine Grafikerin schickte ihrem Wunsch-Arbeitgeber an Weihnachten einen Schoko-Osterhasen - mit dem Kommentar, sie sei ihrer Zeit eben voraus.
Gerade für Leute bis Mitte 20, die einen kreativen Job mit einem Bruttoeinkommen bis 40.000 Euro suchen, seien Guerilla-Bewerbungen durchaus eine Chance, sagt Hesse. Und mit der Bewerbung nach Schema F in einer dunklen DIN-A4-Mappe gehe man auf dem Schreibtisch der Personaler einfach unter.
Allerdings können solche kreativen Einfälle auch nach hinten losgehen, wie das Beispiel einer Marketing-Frau aus Hessen zeigt. Sie fügte ihrer Bewerbung einige kulinarische Spezialitäten bei. Dumm nur, dass die Adressatin gerade Urlaub hatte und das Paket nach einigen Wochen im Warmen ekelerregend stank. Eine andere Frau bewarb sich bei einer Werbeagentur mit einem Fön und dem Slogan "Ich bringe frischen Wind in Ihr Unternehmen". Die Antwort kam prompt: "Heiße Luft können wir selbst produzieren".
Mehr Erfolg hatte ein pfiffiger Franzose: Nach zahllosen erfolglos versendeten Bewerbungen ließ der Sales-Manager aus der Automobilbranche seinen Lebenslauf mit Foto, E-Mail-Adresse und Handynummer auf einem drei mal vier Meter großen Plakat an einer vielbefahrenen Ausfallstraße der südwestfranzösischen Stadt Bordeaux anbringen. Und war von den schnellen positiven Rückmeldungen auf seine Aktion "angenehm überrascht".
Und mit einer frechen Idee konnte sich auch eine 24-jährige Grafik-Designerin durchsetzen: Sie ergatterte ihre erste feste Stelle als Junior Art Director karriere.de zufolge mit einer witzigen Klappkarte an ihren Wunscharbeitgeber. Auf der Vorderseite stand: „Jeder 7. Frosch ...“ unter sechs traurigen Fröschen. Im Inneren der Karte streckte ein Froschkönig seine ausziehbare Zunge heraus mit dem Text „... ist für eine Überraschung gut! Hier kommt Ihr neuer Junior-AD!" Das zog: Der Personaler forderte die Unterlagen ein, berichtet karriere.de. Auch die seien sorgfältig im Froschdesign gestaltet gewesen - und hätten schließlich überzeugt.
Doch nicht immer siegt die kreative Frechheit. Eine solche Bewerbung sei auf jeden Fall eine Gratwanderung, sagt Hesse. Wer den Geschmack des Arbeitgebers nicht trifft, hat alle Chancen verspielt. Und zum Clown sollte man sich erst recht nicht machen. "Stellen Sie sich vor, ein 50-jähriger gestandener Betriebswirt, der seit Jahren Bereichsleiter in einer Firma war, kommt nun mit einer völlig schrägen Bewerbung daher - da hat er sehr schlechte Karten", warnt Hesse.
Sabine Neumaier von der Bewerbungsberatung Ambitio in Berlin hält generell wenig von übertrieben kreativen Bewerbungen. "Damit kommen Sie einfach nicht weiter. Sobald Sie die Professionalität und die Eleganz verlassen, wird eine Bewerbung lächerlich", betont Neumaier. Zwar müsse jede Bewerbung in irgendeiner Weise außergewöhnlich sein, um das Interesse eines Personalers zu wecken. "Aber die Form sollte den Inhalt verpacken und nicht vom Inhalt ablenken", findet die Karrierefachfrau.
Auf jeden Fall brauche jede Guerilla-Bewerbung ein gutes Konzept, erklärt Christoph Weissenböck von Karriere.at, einem Online-Jobportal für Fach- und Führungskräfte mit Sitz in Linz. "Konzeptlosigkeit lässt sich nicht durch oberflächlich zur Schau gestellte Kreativität wettmachen", stellt der Experte klar. Als Erstes sollte man sich über das Unternehmen schlaumachen, bei dem man sich bewerben will. Die entscheidende Frage sei, wie viel Frechheit der potenzielle Arbeitgeber verträgt.
Als Nächstes geht es ans Feintuning. Eine Guerilla-Bewerbung soll zwar aus dem Rahmen fallen - trotzdem muss sie inhaltlich zur Wunsch-Stelle passen. Auch zu verspielt sollte man seine Bewerbung trotz aller Ausgefallenheit nicht gestalten. "Firmen erhalten Dutzende, oft Hunderte Bewerbungen auf eine Stellenausschreibung. Da bleibt keine Zeit, um lange mit einer einzigen Bewerbung herumzuspielen", erläutert Weissenböck.
Auf keinen Fall sollte man versuchen, einen kreativen Einfall zu erzwingen, rät Hesse. "Wem die zündende Idee fehlt, der ist besser beraten, sich auf seine Kompetenz, seine Leistungsbereitschaft und auf seine charakterlichen Stärken zu besinnen", so der Coach. Auch dann muss man nicht gleich langweilig daherkommen. Jede Bewerbung sollte Hesse zufolge "etwas Dynamisches haben und ein bisschen Power transportieren".
Zum Beispiel könne man mit dem Format spielen, so Hesse: Wer ein A4-Blatt quer legt oder einen kleinen Rand abschneidet, steche sofort aus der Masse hervor. "Das ist schon ein totaler Hingucker. Und man läuft nicht Gefahr, den Adressaten geschmacklich total vor den Kopf zu stoßen", erläutert er.
Sabine Neumaier setzt dagegen eher auf Traditionelles. "Achten Sie immer auf hervorragende Materialien. Nehmen Sie nicht ein einfaches Kopierpapier oder eine billige Mappe", lautet Neumaiers Rat Auch mit Farben ließen sich dezente Akzente setzen, insbesondere bei Online-Bewerbungen. Mit der Bewerbungsmappe sei es ähnlich wie mit dem Anzug oder dem Kostüm für das Vorstellungsgespräch: Ein bisschen müsse man einfach investieren.
Den Begriff Guerilla - wörtlich: Kleinkrieg - hat im Übrigen Marketing-Experte Jay C. Levinson Mitte der 1980er Jahre in das Wirtschaftsleben eingebracht. Seine Idee war vor allem für kleine Unternehmen ohne großes Werbe-Budget gedacht: Sie sollten mit völlig ausgefallenen Ideen provozieren und aufrütteln und so ohne hohe Kosten eine möglichst große Öffentlichkeit auf ihr Produkt aufmerksam machen.
Quelle: dpa
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