Die Personalpolitik von Schlecker soll per Gesetz gestoppt werden (Quelle: imago)Geht es nach dem Willen führender Arbeitsmarktpolitiker von CDU/CSU und FDP, muss Schlecker seine Personalpolitik bald neu ausrichten. Wie das Magazin "Wirtschaftswoche" berichtete, soll das umstrittene Zeitarbeitsmodell der Drogeriekette per Gesetz gestoppt werden. #
Der Drogeriediscounter schloss im vergangenen Jahr rund 800 kleinere Läden, dafür wurden größere XL-Märkte eröffnet. Schlecker kündigte den Mitarbeitern der alten Läden betriebsbedingt. Dann wurde ihnen eine Stelle in den größeren Märkten angeboten. Angestellt sind die Mitarbeiter nicht mehr direkt bei Schlecker, sondern bei der Zeitarbeitsfirma Meniar. Diese zahlt laut Ver.di allerdings bis zu 50 Prozent weniger Lohn als tariflich festgelegt. Geleitet wird Meniar von einem langjährigen Schlecker-Personalmanager.
Gesetzesänderung so schnell wie möglich
Karl Schwierling, Arbeitsmarktexperte der Unions-Fraktion, will noch im Januar mit Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) über eine Änderung des Arbeitnehmer-Überlassungsgesetzes sprechen, so das Magazin. Mit dieser Änderung sollen solche Praktiken verhindert werden. "Schlecker macht genau das, was der Gesetzgeber nicht wollte, als er die Zeitarbeit liberalisierte", sagte Schiewerling gegenüber der "Wirtschaftswoche". Die FDP-Fraktion unterstütze das Vorhaben.
Zeitarbeits-Verband gegen Lohndumping
Derweil berichtete die "Berliner Zeitung" (BZ), der Bundesverband Zeitarbeit (BZA) distanziere sich ausdrücklich von der Geschäftspolitik Schleckers. Schlecker nutze mit der Firma Meniar die Zeitarbeit lediglich dazu, die Arbeitsbedingungen der ursprünglich direkt bei Schlecker beschäftigten Arbeitnehmer zu drücken. BZA-Hauptgeschäftsführer Ludger Hinsen sagte: „Solch ein Geschäftsgebaren entspricht nicht dem ursprünglichen Sinn der Zeitarbeit und schadet unserem Image.“ Der Verband kritisierte auch im allgemeinen die Praxis von konzerninterner Arbeitnehmerüberlassung, wenn dadurch Tarifverträge ausgehebelt, bestehende Löhne gedrückt und die Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmer verschlechtert werden.
Auch andere Betriebe umgehen Tarife
Hat die Initiative der Politiker Erfolg, müssten Unternehmen den Zeitarbeitskräften in Zukunft genau soviel wie ihren eigenen Beschäftigten bezahlen. Und davon wäre nicht nur Schlecker betroffen. Etliche andere Unternehmen wie Krankenhausgesellschaften und Betriebe der Arbeiterwohlfahrt, aber auch Konzerne in Staatshand nutzen die bislang noch legalen Winkelzüge, um Tarifvereinbarungen zu umgehen.