Minivan von Fiat: seit 1994 gemeinsame Plattform mit Peugeot. (Bild: Fiat)Medienberichten zufolge erwägen die Autobauer Fiat und PSA, der Mutterkonzern von Peugeot und Citroën, eine Fusion. Die italienische Wirtschaftszeitung "Milano Finanza" berichtet, auch der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi und der französische Präsident Nicolas Sarkozy seien an den Gesprächen über einen Zusammenschluss beteiligt. "Milano Finanze" beruft sich auf italienische Regierungskreise. Möglicherweise stehe eine Fusion auch am Mittwoch (17.12.) auf der Tagesordnung, wenn sich Berlusconi mit John Elkann trifft, dem Chef des größten Fiat-Aktionärs IFI.
Weder die Regierung in Rom noch die beiden Autokonzerne haben sich bisher zu dem Artikel geäußert. Doch schon am 8. Dezember hatte Fiat-Vorstandschef Sergio Marchionne dem US-Fachmagazin "Automotive News" gesagt, es sei für Fiat nicht vertretbar, eigenständig weiter zu arbeiten. Mögliche Partner nannte er in dem Gespräch nicht, doch der Manager stellte klar: Ein Untenehmen wie Fiat müsse "mindestens fünfeinhalb bis sechs Millionen Autos (pro Jahr) herstellen, wenn es eine Chance zum Geldverdienen haben will."
Fiat und PSA haben viel gemeinsam
Diese Stückzahl entspricht ungefähr der Produktion von Peugeot und Fiat zusammen. Die beiden Konzerne kooperieren bereits seit Jahrzehnten: 1978 gründeten Fiat und PSA ihr erstes Gemeinschaftsunternehmen Sevel zur Produktion kleinerer Nutzfahrzeuge (z. B. Fiat Fiorino). Seit 1994 produziert die gemeinsame Tochter Eurovan die Plattformen für die Minivans von Fiat, Lancia, Peugeot und Citroën. Analysten zufolge wäre eine Zusammenarbeit auch bei Kleinwagen sinnvoll, da beide Unternehmen in diesem Bereich einen hohen Marktanteil und große Erfahrung besitzen.
Marchionne rechnet mit weiterer Konzentration
2005 löste Fiat sich aus einer glücklosen Allianz mit General Motors und setzte seitdem die Zusammenarbeit mit PSA fort. Durch eine Fusion der beiden Konzerne entstünde der viertgrößte Autokonzern der Welt. Marchionne prophezeite in der "Automotive News", die Zahl der Autobauer werde weiter schrumpfen: "In den kommenden 24 Monaten wird es noch einen Autokonzern in Amerika geben, einen riesigen in Deutschland, einen Euro-Japaner – wahrscheinlich mit einem japanischen Ableger – einen weiteren Japaner, einen Chinesen und einen Europäer." Darüber hinaus rechnet das Fiat-Management fest mit den asiatischen Schwellenländern: In China kooperieren die Italiener mit mehreren Unternehmen, in Indien besteht ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Mischkonzern Tata.
Zwangsurlaub und Stellenabbau
Beide Unternehmen leiden auch unter der aktuellen Autokrise. Der Turiner Konzern, der ebenfalls Ferrari und Alfa Romeo herstellt, hatte bisher besser abgeschnitten als andere Hersteller des Sektors. Im November waren jedoch die Verkaufszahlen auf dem italienischen Heimatmarkt um 29,5 Prozent auf 138.352 verkaufte Fahrzeuge eingebrochen. Das sind die schlechtesten Zahlen seit 1993. Marchionne rechnet damit, dass der Konzerngewinn im Jahr 2009 um bis zu 85 Prozent einbrechen wird und schickt als Notmaßnahme 48.000 Mitarbeiter bis zum 12. Januar nach Hause. PSA will im vierten Quartal die Produktion um 30 Prozent senken und hat seit Oktober den Abbau von insgesamt 7550 Stellen angekündigt.