
20.01.2012, 09:50 Uhr | Spiegel Online
Die Solarbranche streitet seit Jahren über ein eigenes Entsorgungssystem für Photovoltaik-Schrott. Jetzt reicht es der EU: Künftig sollen für ausrangierte Module die gleichen Recycling-Regeln gelten wie für andere elektronische Geräte. Das kostet die Industrie viel Geld.
Für Toaster gilt sie, für MP3-Player und Rasenmäher, sogar für Dialysegeräte und Fahrkartenautomaten - nicht jedoch für Solarmodule: Die Elektroschrott-Richtlinie der EU macht ausgerechnet für die "grüne" Photovoltaik eine Ausnahme. Während die Hersteller elektronischer Haushalts-, Unterhaltungs- und Industrieprodukte ausrangierte Geräte einsammeln und fachgerecht entsorgen oder recyceln müssen, unterliegt die Solarbranche keinerlei Reglementierung.
Doch mit diesem Privileg ist bald Schluss. Das EU-Parlament wird wahrscheinlich schon im Januar beschließen, dass künftig auch Solarpanels unter die sogenannte WEEE-Richtlinie (Waste Electrical and Electronic Equipment) fallen. Das wird teuer für die Unternehmen: Sie sind dann gezwungen, in allen EU-Staaten Sammelsysteme für ausrangierte Module einzurichten.
Da die konkrete Ausgestaltung der WEEE die Sache der Mitgliedsstaaten ist, müssen die Hersteller 27 einzelne Systeme aufbauen - ein riesiger bürokratischer Aufwand. Zudem sind sie verpflichtet, jedes einzelne Modul in dem Land registrieren zu lassen, in dem es verkauft wurde.
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Für die Solarbranche kommt die Aufnahme in die WEEE-Richtlinie zur Unzeit. Denn die Hersteller haben sich in einen ruinösen Preiskampf verstrickt. So sind die Preise für kristalline Module aus Deutschland seit Jahresbeginn von 1,70 Euro auf 1,15 Euro pro Watt gefallen; chinesische Produkte sind sogar schon für 85 Cent zu haben. Wer die Mehrkosten für die Entsorgung nicht an die Kunden weitergeben kann, verliert in diesem Wettlauf um die günstigsten Preise an Boden.
Allerdings sind die Photovoltaik-Hersteller selbst schuld daran, dass ihnen die EU jetzt Vorschriften macht. Vier Jahre lang haben sie sich bemüht, ein eigenes Entsorgungssystem namens "PV Cycle" aufzubauen. Mit dieser freiwilligen Selbstverpflichtung wollten sie einem Recycling-Diktat durch die WEEE entgehen.
Doch den Mitgliedern - darunter fast alle großen internationalen Modulproduzenten - ist es in all den Jahren nicht gelungen, sich auf eine langfristige Finanzierung des Systems zu einigen. Offenbar in Unkenntnis der Belastung, die die EU-Vorgabe für sie bedeutet: "Die weitaus größte Anzahl der Photovoltaik-Hersteller ist noch nie mit der WEEE in Berührung gekommen. Viele Firmen konnten sich gar nicht richtig vorstellen, was damit gesetzlich auf sie zukommt", sagt Wilfried Taetow, Präsident von PV Cycle.
Streit gab es aber nicht nur ums Geld, sondern auch darüber, was mit den ausrangierten Modulen überhaupt geschehen soll. So verließ der Bonner Konzern Solarworld im letzten Sommer den Zusammenschluss. Das traf PV Cycle hart, denn die Solarworld-Tochter Sunicon verfügt über viel Know-how beim Recycling von Photovoltaik-Modulen. "Solarworld hat eigene Vorstellungen, wie Module zurückgenommen und recycelt werden sollen", erklärt Sunicon-Geschäftsführer Karsten Wambach.
Lange Jahre haben sich EU-Kommission und -Parlament die Diskussionen in der Photovoltaik-Branche geduldig angeschaut. Doch jetzt reicht es ihnen. "Die Industrie hat eine freiwillige Vereinbarung vorgelegt, die das Papier nicht wert war, auf das sie gedruckt wurde", sagt Karl-Heinz Florenz, Mitglied des Europaparlaments und dessen WEEE-Berichterstatter. "Der Vereinbarung fehlte nicht nur jegliches Sammelziel, sondern die Unternehmen konnten sich auch jederzeit ohne Probleme von ihr lossagen."
Die Zeit drängt, eine Lösung für den Modulmüll zu finden. Denn die erste Generation der Solarmodule erreicht in den nächsten Jahren das Ende ihres Lebenszyklus. Schon 2015 werden mehr als 15.000 Tonnen Panels zu Alteisen.
Deshalb könnte jetzt paradoxerweise doch noch die Stunde von PV Cycle schlagen. "Wir haben es nicht geschafft, einer gesetzlichen Regelung zuvorzukommen. Aber wenn es kein PV Cycle gäbe, wäre es nun Zeit, es zu gründen", sagt Taetow. Denn der Zusammenschluss der Branche könnte für seine Mitglieder ein WEEE-konformes Entsorgungssystem aufbauen - ein Vorgehen, das das EU-Parlament laut Florenz ausdrücklich begrüßen würde.
Vielleicht kommt dann auch die abtrünnige Solarworld wieder mit ins Boot. Denn der Konzern hat zusammen mit Partnern das Unternehmen Solarcycle gegründet, das im nächsten Jahr in Bitterfeld eine große Recyclinganlage bauen will. Mit der Anlage setzen die Investoren Standards für die Branche, da sie auch Materialien wie Kupfer oder Silber aus den Modulen zurückgewinnt - andere Recyclingbetriebe verwerten lediglich das Glas und das Aluminium der Panels. In Bitterfeld sollen nicht nur Produkte von Solarworld verarbeitet werden: "Solarcycle ist ein Dienstleister, der über bilaterale Verträge für seine Kunden arbeitet. Eine Zusammenarbeit mit PV Cycle ist dabei selbstverständlich möglich", sagt Wambach.
Quelle: Spiegel Online
Edwiin schrieb:
am 23. Dezember 2011 um 21:33:03
(4)
(1)
Entsorgung
Hallo
Was kostet die Entsorgung von Atommüll?
Ein Zug aus Frankreich nach Gorleben kostet auch schon 150 Mios und im
Endlager
sind die Kosten nicht Überschaubar, die werdet ihr aber auch
bezahlen.
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Edwin schrieb:
am 23. Dezember 2011 um 21:27:21
(4)
(1)
Entsorgung
Hallo
Habt ihr schon so ein Modul in der Hand gehabt?
13 Kg =10 Kg Glas 1Kg Alu 2Kg Mischung aus
Silizium,Kupfer,Silber,Kunststoff.
Das ist zu 100% Wiederverwertbar, was wird aus andern Produkten gemacht
Handy, Pc, Auto?
Der Bürger dem die Kosten von 4Cent Stromkosten durch das EEG zu teuer sind sollte sich mal die Stromkosten aufschlüsseln was da alles dabei ist.
Netzentgeld
Akw Zulage
Stomsteuer
Mwst
EEG usw
Alles abbgerechnet kostet das Kw 8Cent
Wer bezahlt die Atom Entsorgung.
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Luise schrieb:
am 22. Dezember 2011 um 19:56:52
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Raumenergie
Wenn ich manche Kommentare lese, dann fällt mir ein italienischer Spruch ein: Ein Mensch der alles weiß, ist ein dummer Mensch.
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