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Piloten-Streik: Unruhe in der Lufthansa-Familie

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Unruhe in der Lufthansa-Familie: Piloten streiken

21.05.2008, 17:03 Uhr | dpa / T-Online

Warnstreik - Auch Germanwings-Piloten wollen mehr Geld (Foto: dpa) Warnstreik - Auch Germanwings-Piloten wollen mehr Geld (Foto: dpa) In die weit verzweigte Lufthansa-Familie ist mächtig Unruhe gekommen: Angesichts blendender Geschäftszahlen verlangen die Piloten von drei wichtigen Töchtern mehr Geld und wollen hohe Abschläge im Vergleich zur Konzernmutter nicht länger akzeptieren. Am Mittwoch zeigten sie mit einem Warnstreik ihre Schlagkraft: 97 von 99 Maschinen der Töchter blieben nach Angaben der Vereinigung Cockpit am Morgen zunächst am Boden. Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber, der zuletzt immer wieder nach Expansionsplänen im Ausland gefragt wurde, muss jetzt seinen Blick nach Innen richten: Denn es stehen auch grundsätzliche Strukturfragen bei der größten deutschen Fluggesellschaft an.

Gewerkschaft Cockpit -Warnstreiks bei Lufthansa-Töchtern
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Viele Töchter unter dem Dach Lufthansa
Das Lufthansa-Imperium hat sich über die Jahrzehnte weit verzweigt. Als 100-prozentige Tochter ist die Lufthansa CityLine mit überwiegend kleineren Maschinen im Regionalverkehr oder als Zubringer für Langstreckenflüge tätig. Die Eurowings, an der Lufthansa 49 Prozent hält, fliegt ebenfalls innereuropäische Strecken und besitzt als Tochter die stark wachsende Germanwings, die als Billigflieger Konkurrenten wie Air Berlin oder Ryanair in die Schranken verweisen soll. Das Besondere: Bei den drei Beteiligungen müssen die Mitarbeiter oft mehr arbeiten, bekommen dafür aber weniger Geld als bei der Lufthansa.



Seit sechs Jahren gleicher Lohn
"Bei der CityLine hat es seit 2002 keine Gehaltssteigerungen mehr gegeben", klagt der Verhandlungsführer der Vereinigung Cockpit, Thorsten Gommert. Noch niedriger sei das Gehalt bei Eurowings, hier werde nochmals im zweistelligen Prozentbereich weniger gezahlt. Und auch beim Billigflieger Germanwings, der die gleichen Maschinen wie auch die Lufthansa AG einsetzt, dürfe der Abstand zur Bezahlung bei der Muttergesellschaft nicht mehr steigen. Insgesamt beschäftigen die drei Gesellschaften weniger als 1500 Piloten, während bei der Lufthansa AG und Lufthansa Cargo rund 4400 Piloten tätig sind. Doch auch diese relativ geringe Zahl an Flugzeugführern kann mit Streiks den Flugplan der ganzen Lufthansa-Familie kräftig durcheinanderwirbeln.

Lufthansa-Piloten sind Spitzenverdiener
Konkrete Zahlen zur Bezahlung nennen im Tarifkonflikt der Piloten weder die Gewerkschaft noch die Lufthansa selbst. Doch fest steht: Lufthansa-Piloten gehören zu den Spitzenverdienern in Deutschland. "Nach acht bis zwölf Jahren erwartet Sie ein Kapitänsgehalt von rund 110 000 Euro in der Einstiegsstufe", wirbt etwa die Lufthansa im Internet um neue Piloten. Langjährige Piloten auf den Fernstrecken verdienen sogar noch deutlich mehr und müssen wegen der vielen Zuschläge oft wenig Steuern zahlen. Und für die Konzernmutter hatte Lufthansa erst im Januar einen Abschluss mit den Piloten erzielt, der eine aufs Jahr berechnete Steigerung von knapp vier Prozent sowie eine nicht bezifferte Erhöhung der variablen Vergütung vorsieht.

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Proteste zur Unzeit
Das Murren der Piloten bei den Töchtern trifft das Lufthansa-Management zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Denn es stehen zwei wichtige Entscheidungen an: Zum einen wird derzeit über die Fusion von Eurowings, Germanwings und der TUI-Tochter TUIfly verhandelt. Hier war zuletzt spekuliert worden, dass Lufthansa nur noch 40 Prozent an der neuen Gesellschaft halten wolle, damit dort nicht die teureren Tarifverträge der Mutter zur Anwendung kommen.

CityLine-Piloten bangen um Job
Ebenfalls noch ungeklärt ist die Frage, in welcher Gesellschaft 30 bereits bestellte Flugzeuge vom Typ Embraer E-Jet 190/195 mit jeweils mehr als 100 Sitzen eingesetzt werden. Diese Regionaljets sollen zum Teil ältere CityLine-Flugzeuge ersetzen. Manch ein Pilot der Lufthansa AG befürchtet, dass ihm bei Einsatz der Maschinen bei einer billigeren Tochter Konkurrenz im eigenen Haus entstehen könnte. Und CityLine-Piloten haben Angst um ihren Job, wenn für ihre künftig ausgemusterten kleineren Maschinen kein Ersatz in der eigenen Gesellschaft angeschafft wird. "Wir sehen ein Ausbluten der Lufthansa-CityLine", klagte vergangene Woche der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates der CityLine, Wilfried Schmitz. Eine Lufthansa- Sprecherin betonte am Mittwoch allerdings, der Warnstreik stehe mit diesen Fragen nicht in Zusammenhang.


Cockpit und Ver.di vertreten die Piloten
Zusätzlich komplizierter wird die Auseinandersetzung in der Lufthansa-Gruppe durch konkurrierende Gewerkschaften. So hat zwar die Vereinigung Cockpit die meisten Piloten hinter sich, doch die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di meldete sich in den vergangenen Monaten ebenfalls immer stärker zu Wort. Anhänger von Ver.di werfen der Vereinigung Cockpit vor, auf Kosten der CityLine-Piloten und der übrigen Bodenbeschäftigten vor allem die Interessen der Piloten in der Konzernmutter zu vertreten. Und dass auch Ver.di genügend Rückhalt hat, hat die Gewerkschaft bereits im vergangen Jahr mit Streiks bei CityLine gezeigt. Für das Lufthansa-Management stehen harte Verhandlungen an, die Piloten haben schließlich ein Faustpfand in der Hand - denn angesichts des Booms im Luftverkehr werden derzeit weltweit händeringend Piloten gesucht.

Mehr Themen:
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Quelle: t-online.de

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