10.07.2009, 11:00 Uhr | AP/ dpa
Davidoff: Original oder Fälschung? (Foto: Markenverband)
Bei der Bekämpfung der Produktpiraterie besteht kein Anlass für eine Entwarnung, erklärt der Markenverband.Europäische Zollbehörden haben im letzten Jahr 178 Millionen gefälschte Produkte aus dem Verkehr gezogen - das sind doppelt so viele wie 2007 und mehr als je zuvor. Über die Hälfte der Fälschungen stammten aus China. Allein in Deutschland fanden die Beamten 28 Millionen Plagiate.
Der deutsche Zoll beschlagnahmte 8495 Lieferungen, EU-weit liegt die Bundesrepublik damit hinter Frankreich auf dem zweiten Platz. Gemessen an der Stückzahl beschlagnahmter Waren stehen allerdings die Niederlande mit weitem Abstand an der Spitze: Mehr als 65 Millionen gefälschte Produkte wurden dort im vergangenen Jahr aus dem Verkehr gezogen, in Deutschland waren es knapp 28 Millionen. Hintergrund sind nach Kommissionsangaben die großen Schiffsladungen, die an niederländischen Häfen wie Rotterdam umgeschlagen werden.
Unter den beschlagnahmten Produkten waren allein 80 Millionen CDs und DVDs sowie über 40 Millionen Zigarettenschachteln. Auf dem dritten Platz folgten Kleidungsstücke. Hohe Zuwachsraten waren aber auch bei sensiblen Produkten wie Spielwaren, Medikamenten und Pflegeprodukten zu verzeichnen. Allein in Deutschland wurden 2,85 Millionen gefälschte Batman- und Superman-Figuren abgefangen, wie ein Kommissionsexperte mitteilte. Dies waren mehr als die Hälfte der EU-weit entdeckten fünf Millionen Spielwaren.
"Inzwischen wird im Grunde jedes denkbare Produkt gefälscht. Da überrascht uns gar nichts mehr", sagten die Beamten. Vom iPod über Kuscheltiere bis hin zu Zahnbürsten werde inzwischen alles nachgemacht. "Was uns allerdings wundert ist, dass die Kunden nichts dagegen haben, Zahnpasta oder Lippenstift zu benutzen, von denen man nicht weiß, wo sie hergestellt wurden und was drin ist."
Die Mehrzahl der gefälschten Waren wurden von kommerziellen Anbietern in die EU geliefert, immerhin ein Viertel fand sich aber im Gepäck von Privatpersonen. Vor allem Reisende aus China, der Türkei und Bulgarien führten Nachahmerprodukte mit sich. Einige davon planten offensichtlich, die Waren weiterzuverkaufen: Bei nur 30 Kontrollen von Einzelreisenden seien 36.000 Packungen mit Rasierklingen gefunden worden, heißt es in dem Bericht.
Allein für Deutschland verursacht die Produktpiratierie laut der Initiative Plagiarius einen jährlichen wirtschaftlichen Schaden von 30 Milliarden Euro und kostet 70.000 Arbeitsplätze: Zu dem Ergebnis kam der 2008 erstmals erstellte "Produktpiraterieatlas" der Vereinigung zur Bekämpfung von Produktpiraterie (VBP) in München. Als Grundlage der Studie dienten 170 Telefoninterviews mit verschiedenen Markenherstellern aus Branchen wie Bekleidung, Kosmetik, Uhren und Schmuck, Maschinenbau sowie Elektronik.
AP/ dpa
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