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Playmobil: Andrea Schauer ist die Herrin über Millionen kleiner Männer

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Herrin über Millionen kleiner Männer

05.03.2010, 10:53 Uhr | dpa, Elke Richter

Andrea Schauer, Geschäftsführerin des Spielwarenherstellers Playmobil (Foto: dpa)

Andrea Schauer, Geschäftsführerin des Spielwarenherstellers Playmobil (Foto: dpa)

Nach ihren Stärken befragt, überlegt Andrea Schauer lange. Es ist die einzige Pause in dem einstündigen Gespräch - die Geschäftsführerin von Playmobil hat offensichtlich über diese klassische Bewerbungsgespräch-Frage noch nie konkret nachgedacht. Erst als eine Kollegin ein paar Stichwörter in den Raum wirft, findet die 51-Jährige eine Beschreibung für sich selbst: "Ich gebe nicht auf, ich sehe die große Zielsetzung und gemeinsam versuchen wir dann im Team, die Widrigkeiten zu überwinden."

Zielstrebig und begeisterungsfähig

Wer sich mit Schauer unterhält, bekommt eigentlich recht schnell eine Vorstellung von der Persönlichkeit, die vom fränkischen Zirndorf aus mehr als 3000 Mitarbeiter führt und jährlich für die Produktion von 100 Millionen Playmobil-Figuren mit der charakteristischen kantigen Form verantwortlich ist. Nüchtern, zielstrebig und hartnäckig wirkt Schauer, aber auch verantwortungsbewusst und begeisterungsfähig. Hinzu kommt eine tiefsitzende Abneigung gegen Routine.

Die Chefin baut selbst Ritterburgen

"Ich tue mich manchmal sogar schwer, die Zähne auf die gleiche Art und Weise zu putzen", räumt Schauer ein. Auch im Job mag sie Abwechslung: "Die Kombination aus Verantwortung und Kreativität ist das, was mich antreibt." Wenn Playmobil eine neue Spielwelt entwickelt, sitzt auch die Chefin persönlich vor den Ritterburgen, Schiffen oder Drachenhöhlen, baut auf und baut um und gibt Anregungen an das 60-köpfige Konstruktionsteam.

Kein einfacher Schritt zum Chefsessel

Die trockene Welt der Zahlen mag die Fränkin aus dem nahe gelegenen Roßtal dagegen nicht besonders. Doch für diesen Bereich hat sie einen kaufmännischen Geschäftsführer neben sich. Das hat ihr auch die Entscheidung leichter gemacht, als Firmeninhaber Horst Brandstätter sie 2000 auf den Chefsessel holte. Kein einfacher Schritt, wie Schauer unumwunden einräumt. "Ursprünglich wollte ich nicht so viel Verantwortung tragen." Die Volkswirtin war acht Jahre zuvor als Marken-Spezialistin zu Playmobil gekommen, doch schnell erkannte Brandstätter ihr Potenzial.

Veränderte Prioritäten durch Erkrankung des Sohns

"Aber für so viel Verantwortung war ich damals überhaupt noch nicht reif", erinnert sich die Geschäftsführerin für Entwicklung, Marketing und Vertrieb heute. Brandstätter, den sie bis heute respektvoll "den Eigentümer" nennt, holte sich erstmal einen Korb. Dann der Wendepunkt: Schauers heute 19 Jahre alter Sohn wurde schwer krank, die Prioritäten verschoben sich schlagartig. Weil sie sich nicht vorstellen konnte, aus privaten Gründen ihre Arbeitszeit reduzieren zu dürfen, kündigte sie Brandstätter per Fax ihr Gehen an. Der aber wollte sie unbedingt halten: "Solange Sie nur eine Stunde in der Woche für Playmobil arbeiten können, tun Sie das!"

Bereit für den Führungsposten

Gut ein Jahr lang arbeitete Schauer nur drei Tage in der Woche - und machte in dieser Zeit eine Metamorphose durch. Als sie wieder voll einsteigen konnte, war sie bereit für den Führungsposten. "Es ist ein großer Dampfer, den kann man nicht so ganz relaxt durch schwieriges Fahrwasser steuern. Es kostet schon Kraft, und man muss auch bereit sein, das auf sich zu nehmen", schildert die Chefin der Geobra-Brandstätter-Gruppe, die neben Playmobil auch noch Pflanzgefäße unter dem Namen Lechuza herstellt.

Vorwürfe von früher belasten noch immer

Ihre Akkus tankt die zierliche Frau beim Joggen auf - und im Kreis der Familie. Die ist Schauer spürbar wichtig. Die Vorwürfe von früher, ihr Sohn würde unter ihrer Berufstätigkeit leiden, beschäftigen sie noch heute. "Ganz teflonmäßig prallt das nicht von einem ab, das nagt dann schon", gibt Schauer zu. Unterschwellig habe sie durchaus Angst davor gehabt, dass diese Befürchtungen berechtigt seien - zumal sie ihr auch offen entgegenschlugen. Heute findet Schauer es erschreckend, dass ihre jungen Mitarbeiterinnen noch immer mit den gleichen Vorbehalten konfrontiert sind - und wie sie damals auf der Suche nach Krippenplätzen scheitern.

Freiräume für die Angestellten

Den Spagat zwischen Familie und Beruf hat Schauer auch dank der Eigenschaft hinbekommen, Fünfe gerade sein zu lassen. "Ich habe keine große Angst mehr davor, etwas mal nicht ganz so optimal zu machen", berichtet sie. Das spiegelt sich auch in ihrem Führungsstil wider, der den Kollegen Freiräume lässt. "Wenn das Vertrauen nicht gerechtfertigt ist, wird gehandelt. Aber ich muss nicht immer die Speerspitze sein, das wäre kontraproduktiv." Zehn Jahre mit einem stetigen Wachstum des Playmobilumsatzes auf 474 Millionen Euro und einem Gruppenerlös von inzwischen mehr als einer halben Milliarde Euro bestätigen ihr Erfolgsrezept.


dpa, Elke Richter  

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