
23.12.2011, 14:58 Uhr | Spiegel Online
Grenzblockade für Ökostrom: Weil der polnische Netzbetreiber eine Überlastung fürchtet, will er den Import von Wind- und Solarstrom aus Deutschland verhindern. Der Chef der Deutschen Energie-Agentur fordert nun im "Spiegel" Verhandlungen mit dem Nachbarland.
Auf dem Weg zur Energiewende muss Deutschland noch viele Hürden überwinden. Eine davon könnte bald an der deutsch-polnischen Grenze entstehen: Ein Plan Polens, Ökostrom aus Deutschland stärker zu regulieren, alarmiert laut einem Bericht des "Spiegel" deutsche Energieexperten. "Wenn überschüssiger Wind- und Solarstrom nicht mehr ins Ausland abgeführt werden kann, dann wird das deutsche Stromnetz instabiler", warnt der Chef der Deutschen Energie-Agentur (Dena), Stephan Kohler.
Hintergrund ist, dass der polnische Netzbetreiber PSE Operator plant, an der Grenze Stromsperren zu errichten. So soll verhindert werden, dass die Bundesrepublik überschüssige Öko-Elektrizität weiterleitet. Die Betreiber polnischer Kohlekraftwerke müssen in diesen Fällen ihre Anlagen plötzlich herunterfahren, um eine Überlastung zu vermeiden. In Warschau sorgt man sich, dass die Kraftwerke dem ständigen Hoch- und Herunterfahren nicht gewachsen seien und es durch einen unerwarteten Energieüberschuss sogar zu einem Blackout kommen könne.
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Deshalb sollen künftig sogenannte Phasenschieber den Stromfluss zwischen beiden Ländern unterbrechen. Überschüssige Energie müsste dann im deutschen Netz verteilt werden, was diesseits der Grenze das Risiko von Stromausfällen vergrößern würde.
Dena-Chef Kohler fordert nun einen forcierten Ausbau von Stromtrassen von Ost- nach Süddeutschland. "Die Bundesregierung muss zudem rasch mit Polen und anderen Nachbarländern Verhandlungen aufnehmen, um die Energiewende europäisch abzustimmen", so Kohler.
Quelle: Spiegel Online
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