Porsche erhöht sein Stammkapital (Foto: imago) Wer sich keinen ganzen Porsche leisten kann, hat immerhin die Chance Porsche-Aktionär und so Teilhaber zu werden. Die stark verschuldete Porsche-Holding bietet bei ihrer dringend benötigten Kapitalerhöhung (über knapp fünf Milliarden Euro) die Aktien mit einem hohen Abschlag an. Mehr als 131 Millionen neue Anteile - je zur Hälfte Stamm- und Vorzugsaktien - können von den Altaktionären für 38 Euro gekauft werden. Ein Bankenkonsortium garantiert diesen Preis. Bei den börsennotierten Vorzugsaktien liegt der Bezugspreis damit rund ein Drittel unter dem Kurs vom Freitag.
Video zu Porsche, BMW und Lexus - Hybrid-SUVs im Vergleich Video - Autoboom Audi, Bentley und Co. - Die zehn Marken des VW-Konzerns Überblick - Die Tops Flops des Automobilsektors Video - Audi Gewinne
Alt-Aktionäre werden ihre Bezugsrechte ausüben
Die Anteilseigner haben ein Vorkaufsrecht. Je einer gehaltenen Aktie dürfen sie 0,75 neue kaufen - die Zahl der Aktien steigt damit um 75 Prozent auf gut 306 Millionen. Die Familien Piëch und Porsche sowie der Golf-Staat Katar, die alle Stammaktien besitzen, haben sich verpflichtet, ihre Bezugsrechte auszuüben. Sollten die Eigentümer von Vorzugsaktien bei dem Angebot nicht komplett zugreifen, garantieren die Banken die Abnahme der Anteile. Die Porsche SE wird bei der Kapitalerhöhung, die eine wichtige Voraussetzung für die geplante Fusion mit der Volkswagen AG ist, voraussichtlich rund 4,9 Milliarden Euro einnehmen.
Schuldenabbau aus Kapitalerhöhung
Das Geld soll für den Schuldenabbau verwendet werden, teilte die Porsche-Holding mit, die etwas mehr als die Hälfte an Europas größtem Autobauer VolkswagenAG sowie am Sportwagenbauer Porsche hält. Die Porsche SE ist seit der missglückten Übernahme der Volkswagen AG stark verschuldet. Das Unternehmen muss bei der Kapitalerhöhung aufs Gaspedal drücken, da Ende Mai die Fristen auslaufen. Zudem steht im Juni die Rückzahlung von Krediten über 2,5 Milliarden Euro an. Porsche will die Kapitalerhöhung daher noch vor Ostern durchziehen. Die Bezugsfrist für die neuen Aktien soll bereits am 30. März beginnen und bis zum 12. April laufen.
Porsche-Aktien verlieren
Die Vorzugsaktien der Porsche Holding fallen nach den angekündigten Konditionen für die geplante Kapitalerhöhung am Montag-Vormittag um etwa 3,5 Prozent auf 54,25 Euro. Ein Börsianer sagte: "Überraschend kommt die Kapitalmaßnahme nicht und es war auch in dem Umfang bis Ende Mai angekündigt. Bis zum Abschluss des Bezugsrechts-Handels wird das aber auf den Aktien lasten."
Analysten lassen Porsche auf "Kaufen"
Die Commerzbank hat die Einstufung für Porsche nach den Details der Kapitalerhöhung auf "Buy" mit einem Kursziel von 74,00 Euro belassen. Mit der Ausgabe der neuen Aktien zu einem Kurs von 38 Euro dürfte sich die Verschuldung des Sportwagenherstellers von 6,3 Milliarden auf 1,4 Milliarden Euro verringern, schrieb Analyst Daniel Schwarz in einer Studie.
Auch die UBS hat Porsche auf "Buy" mit einem Kursziel von 70,00 Euro belassen. Der geplante Abschlag für die neuen Aktien von 32 Prozent auf den Schlusskurs vom 25. März enttäusche, schrieb Analyst Philippe Houchois in einer Studie. Angesichts der Unsicherheiten hinsichtlich des Zusammenschlusses mit Volkswagen hätte eine Refinanzierung der im Oktober fälligen Schulden von 2,5 Milliarden Euro ausgereicht. In einem Fusionsszenario sei die Kapitalerhöhung neutral, für Porsche allein allerdings negativ.
Fusion noch nicht sicher
Mit der Kapitalerhöhung ist allerdings die Fusion von Porsche und VW immer noch nicht sicher. In Stuttgart laufen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen frühere Porsche-Manager wegen des Machtkampfs mit VW im Jahr 2009. Außerdem klagen in den USA Finanzanleger aus dem selben Grund gegen Porsche. Die Ermittlungsbehörden in Stuttgart hatten erklärt, ihre Arbeit sei im Jahr 2011 nicht mehr zu schaffen. Ehe diese Risiken nicht aus der Welt sind, kann eine Fusion nicht stattfinden. Zudem drohen bei einer Fusion vor 2013/2014 hohe Steuerforderungen.
VW und Porsche hatten in einer Grundlagenvereinbarung zur Fusion schon eine Möglichkeit abgemacht, falls ein vollständiger Zusammenschluss unmöglich wäre: VW würde in diesem Fall das operative Sportwagengeschäft von Porsche für jetzt noch 3,9 Milliarden Euro vollständig kaufen. Bisher gehören VW erst knapp unter 50 Prozent daran.
Finanzkrise zerstörte Porsche-Pläne
Porsche hatte 2009 versucht, den mehr als zehnmal größeren VW-Konzern zu übernehmen. Porsche machte dazu riskante Spekulationsgeschäfte mit VW-Aktien auf Schuldenbasis. Als die Finanzkrise ausbrach, platzten die Deals, und Porsche musste von VW gerettet werden. Die jetzt geplante Fusion wird von VW bestimmt.