
27.03.2012, 13:40 Uhr | Financial Times Deutschland
In den kommenden Wochen wird die Baumarktkette zurechtgeschnitten: ein Teil wird überleben, der andere nicht.
Das Freigelände? Leer. Keine Steinguttöpfe mehr und keine Schubkarren. Außen am Zaun ein Plakat mit einer roten Blume. "Blühendes Leben" steht auf der linken Hälfte, die rechte ist losgerissen, und das ist auch besser so. "- täglich frisch" wäre dort zu lesen, würde es noch ordentlich hängen.
Aber hier ist nichts Frisches mehr. Hier wird nichts mehr geliefert. Hier wird abgeholt, seit Wochen schon: eine Charge Toilettenspülkästen für die Filiale in Essen, das Klebstoffsortiment auch. Die Osram-Glühbirnen sind noch mal in ein anderes Regal umgelagert worden. Die Zigaretten holt Lekkerland ab, der Lieferant.
Am Ende dieser Woche macht Praktikers Filiale in Krefeld-Inrath zu. Eine lange geplante Schließung, wie sie in jedem Handelsunternehmen vorkommt, aber in diesen Tagen dennoch mehr als Routine. Denn was hier passiert, steht in den nächsten Monaten in Praktiker-Filialen quer durch Deutschland an: Räumung, Schließung, Kündigung. Nicht irgendwann, sondern kurzfristig. Nicht vereinzelt, sondern reihenweise.
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In Kürze soll die Schließungsliste präsentiert werden, an der das Unternehmen seit Monaten arbeitet. Dann wird Praktikers Misere noch einmal offenkundig werden. Um die 30 der 235 deutschen Filialen werden dann verschwinden und damit das Schicksal der Zentrale im saarländischen Kirkel teilen, die restlichen modernisiert und künftig aus dem Hauptquartier der Praktiker-Tochter Max Bahr in Hamburg gesteuert.
In einem letzten Versuch, die Baumarktkette vor dem Untergang zu retten, wird Praktiker aufgespalten in eine nicht mehr zu rettende Vergangenheit und eine unsichere Zukunft. "Warum soll jemand zu Praktiker kommen?", hatte Thomas Fox im Vorstand gefragt, als er vor vier Monaten Chef wurde. Er hatte schon Karstadt durch die Insolvenzphase geführt. Um das bei Praktiker zu vermeiden, braucht er neben viel Geld einen Ausweg aus der strategischen Klemme.
Denn die Baumarktkette hat den Umsatz über Jahre durch ihre "20 Prozent"-Rabattaktionen aufgebläht, ohne treue Kunden zu gewinnen. Seit sie die auf Dauer unrentablen Aktionen nicht mehr macht, ist er um bis zu 20 Prozent zurückgegangen. Praktiker türmt hohe Verluste auf: vor Steuern 360 Millionen Euro in den ersten neun Monaten 2011, die komplette Jahresbilanz gibt es am 29. März.
Wie Fox wieder Leute zu Praktiker locken und die Kette retten will? Schon seit Jahresbeginn laufen nahe der bisherigen Zentrale im saarländischen Kirkel in Heppenheim und Kaiserslautern zwei umgebaute Filialen im Testbetrieb, durch die Lieferanten und Investoren reihenweise geführt werden.
Und was sie dort sehen, ist tatsächlich erst mal geeignet, Praktiker in ein besseres Licht zu rücken: Die Gänge sind breit bis sehr breit, die Ware ist besser sichtbar aufgehängt statt unscheinbar ins Regal gelegt. Da, wo sie noch liegt, sind die Regalfächer beleuchtet. Im Eingang gibt es eine Bosch-Markeninsel, die Lampenabteilung ist beinahe wohnlich eingerichtet, statt Werbung wird Musik gespielt. Kurz: Die Ramsch-Atmosphäre ist weg.
Die neuen Praktiker-Märkte sind übersichtlicher - das liegt auch am eingeschränkten Angebot, das den Kunden auf diese Weise als Vorteil verkauft wird. Konsequenter als bisher ist das Sortiment auf drei Stufen beschränkt: Ramsch, Mittelpreis-Eigenmarke, Markenware. Auf jeder Stufe nur ein einziges Produkt.
Die Vorauswahl bei Wandfarbe, Batterien, Handfeger hat für Praktiker den Vorteil, dass die Umschlaggeschwindigkeit erhöht wird: Die Margen für jedes verkaufte Produkt sind im Baumarktgeschäft ordentlich. Weil die Ware aber oft lange liegt, bindet sie Kapital und frisst die Marge wieder auf.
Wer die Zeitspanne hingegen verkürzt, schafft Spielraum bei Rendite und Preis. Eigentlich hatte Praktiker 2007 sein Sortiment zusammengestrichen und schon vor einem Jahr die Dreiteilung angekündigt. Nur durchgehend umgesetzt wurde sie nie.
Den Kunden will Praktiker das als Kontrast zur Unübersichtlichkeit der Konkurrenten wie Hornbach, Obi oder der Tochter Max Bahr verkaufen, und setzt dafür allerhand Hilfsmittel ein. "Man plant sein Badezimmer auf einem Bildschirm", begeistert sich jemand aus dem Kreis potenzieller Investoren, "und weiß auf Knopfdruck, wie viel Fliesenkleber man braucht oder wie viele Fliesen."
Gleichwohl ist Praktikers Schmalspurprogramm ein riskantes Experiment. Denn bisher gibt es kein Beispiel für einen erfolgreichen Schmalspurbaumarkt, der bewiesen hätte, dass Baumarktkunden so wie beim wöchentlichen Lebensmitteleinkauf beim Discounter akzeptieren, wenn sie nicht alles auf einmal bekommen. Der Erfolg wird sich schnell messen lassen. Alles, was von Praktiker übrig bleibt, will Praktiker-Chef Fox in weniger als zwei Jahren umbauen - schneller als ursprünglich geplant.
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Quelle: Financial Times Deutschland
Verzweifelter Heimwerker schrieb:
am 20. Februar 2012 um 20:39:01
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Praktiker setzt sich die Säge anden Hals
Alle schreien nach Beratung ! Wer zu blöde ist das Richtige zu kaufen, hat auch für den Einbau
keinen Ahnung. Also was soll das ? Wer sich erst beim Einkauf beraten lassen muss, weiß sowieso nicht was da zu tun ist. Preise bei Praktiker höher als im althergebrachten Fachhandel. Identische Artikel dort teilweise 50% billiger. Und : Schuld an der Misere sind nicht die Mitarbeiter !!
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Rena schrieb:
am 20. Februar 2012 um 20:33:43
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Praktiker
Ich fand Praktiker nie besonders preiswert.
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Frank schrieb:
am 20. Februar 2012 um 20:32:36
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Praktiker
Was habt ihr alle gegen Praktiker! Ich kann mich über unseren in Paderborn nicht beschweren! Das Personal ist gut qualifiziert und
Freundlich! Bei Preisvergleichen habe ich oft bei Praktiker den Günstigeren Artikel gefunden(Homemarke) aber haben andere Märkte auch! Wäre schade wenn diese Filiale schließen müste! Wenn ich dagegen in Paderborn den Max Bahr sehe könnt ich kotzen, war früher viel da, aber in den letzten Jahren is der Laden runter gekommen. Schmuddelig, unfreundlich, Teuer.
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