21.02.2012, 09:08 Uhr | dpa
Die Baumarktkette Praktiker steht am Rand der Pleite. Mit einem neuen Einkaufserlebnis sollen die abspenstigen Kunden wieder zurückgewonnen werden. In den Märkten soll mit mehr Service gepunktet werden. Schafft die Baumarktkette die Trendwende?
In Kaiserslautern sowie im hessischen Heppenheim ist "Praktiker 2013" seit Januar bereits zu erleben: Blau und Gelb wohin des Auge blickt. Die Bad- und die Lampenabteilung präsentieren sich im edlen Anthrazit. Der eilige Kunde kann sich auf Tafeln über Vorzüge und Preise von gut 50 Produkten in drei Varianten informieren: Budget-, Praktiker- oder "A-Marke". So sollen bis Ende kommenden Jahres einmal alle Märkte aussehen - wenn es sie bis dahin noch gibt.
Das Marktkonzept unter dem Arbeitstitel "einfach praktischer" ist Bestandteil des Restrukturierungsprogramms, das der neue Vorstandschef, Sanierungsexperte Thomas Fox, seit einem guten Vierteljahr vorantreibt. Seit Jahren hat die Kette im Gegensatz zu Konkurrenten wie Obi, Hornbach oder Bauhaus beständig rote Zahlen geschrieben.
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Die Probleme zumindest in Deutschland sind nach Expertenmeinung hausgemacht - ähnlich wie bei der jetzt insolventen Drogeriekette Schlecker. Beide hätten versucht, durch eine Billigstrategie zu wachsen, erläutert Handelsfachmann Thomas Roeb. "Beide konnten aber nicht wirklich billig sein, weil sie keine Kostenvorteile hatten", analysiert der Professor von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Im Unterschied zu Schlecker sei die Lage bei Praktiker bisher "kritisch, aber nicht aussichtslos. Praktiker hat eine reelle Chance."
Das Sanierungsprogramm ist schon ein gutes Stück vorangekommen. Der Weg für die Zusammenlegung der Konzernzentrale im saarländischen Kirkel mit der florierenden Tochter Max Bahr in Hamburg bis zum 30. September ist frei. Ein Sozialplan mit den Arbeitnehmern für den geplanten Abbau von insgesamt rund 1400 der mehr als 10.800 Stellen im Inland ist vereinbart.
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Die Überprüfung der Wirtschaftlichkeit von 30 der rund 230 deutschen Märkte läuft indes noch. Die Streichliste soll in den nächsten Wochen fertig sein. Welche der 109 Auslandsmärkte vor allem in Ost- und Südosteuropa dicht gemacht werden sollen, ist auch noch offen, der in Albanien wurde bereits zum Jahresende geschlossen.
Vorstandschef Fox zeigte sich im Januar angesichts einer im vierten Quartal gestoppten Abwärtsspirale beim Umsatz optimistisch: "Das lässt uns hoffen, dass wir die erste Phase der Durststrecke geschafft haben." Auch seit Jahresbeginn soll sich der positive Trend fortgesetzt haben. Bei der Bilanzpressekonferenz Ende März - dann erstmals in Hamburg - sollen Zahlen vorgelegt werden.

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Jetzt müssen die Sanierer erst einmal das Geld für die Restrukturierung auftreiben. Der Vorstand hat den Finanzbedarf dafür mit etwa 300 Millionen Euro beziffert. Dabei hat das Unternehmen nach Ansicht des Experten Roeb mehr Substanz als zuletzt Schlecker: "So hat Praktiker noch Vermögensgegenstände wie Max Bahr und bei einigen Auslandmärkten steckt vielleicht auch noch was drin."
Ob Praktiker durch sein Konzept "Praktiker 2013" weitere Kunden gewinnen und wieder mehr Umsatz machen kann, muss die Zeit zeigen. Überzeugen will das Unternehmen auch durch einige in der Branche bisher unübliche Neuheiten. So wurde der "Kundenlotse" am Eingang des Marktes in Kaiserslautern mit einem Laptop ausgestattet, außer den Gängen auch die Regale nummeriert. In der Farbenabteilung gibt es ein Infotelefon, über das sich der Kunde bei einer Hotline beraten lassen kann. Und Fliesen kann er sich virtuell interaktiv am Computer-Bildschirm selbst zusammenstellen.
Das für die Baumärkte besonders wichtige Frühjahrsgeschäft ist zumindest gesichert. Ende Januar bestätigten die Banken einen Kredit, mit dem neue Ware geordert werden kann. Auch die Gartenabteilung in Kaiserslautern soll wie die in Heppenheim bis Anfang März ein neues Gesicht bekommen. Hohe Regale, die bisher die Sicht versperrten, wurden bereits weggeräumt, und überall dominieren auch hier jetzt schon die Praktiker-Eigenmarken-Farben Blau und Gelb.
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Quelle: dpa
Hans01 schrieb:
am 18. Februar 2012 um 10:28:49
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Baumärkte
Vielleicht liegt es auch nur am Preis. Z. B. kostete eine Kartusche farbiges Sanitär-Silikont 7 € , 1 Pckg. Schrauben 14 €,
ein 5 kg Sack Fugenbunt 12 €, ein 5 kg Eimer Bodenausgleichsmasse 70 € usw.. Rechnet das mal in DM um, wer hätte diese Wucherpreise bezahlt? Dabei sind sie unabhängig von Marke und Baumarkt. Das sind nur in den Preisen versteckte Steuererhöhungen. Somit ist es nur eine Frage der Zeit, bis die anderen Märkte folgen. Wer kann das noch bezahlen?
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